Öl in ei­nem de­li­ka­ten Gleich­ge­wicht

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - GIO­VAN­NI STAUNOVO,

We­gen Eng­päs­sen in der För­de­rung ist mit Spit­zen beim Öl­preis zu rech­nen.

Der Roh­öl­preis hat An­fang Ok­to­ber sei­nen höchs­ten Stand seit 2014 er­reicht – trotz ho­her För­der­zah­len. Im Ju­li stieg die US-Roh­öl­pro­duk­ti­on im Mo­nats­ver­gleich um 2,5% auf ein Re­kord­hoch von fast 11 Mio. Fass pro Tag (MFpT), die rus­si­sche Pro­duk­ti­on er­reich­te im Sep­tem­ber mit fast 11,4 MFpT den höchs­ten Stand seit dem En­de der So­wjet­uni­on, wäh­rend die sau­di­sche För­de­rung den Re­kord von 10,6 MFpT von No­vem­ber 2016 im Sep­tem­ber nur knapp ver­fehl­te. Des­sen un­ge­ach­tet muss man für die nächs­ten Mo- na­te mit ei­ner an­ge­spann­ten Si­tua­ti­on am Öl­markt rech­nen.

Der Markt be­fin­det sich zwar ak­tu­ell im Gleich­ge­wicht – so ha­ben sich die OECD-Öl­la­ger­be­stän­de seit Jah­res­an­fang kaum ver­än­dert –, doch dürf­te es in die­sem Quar­tal zu ei­nem De­fi­zit kom­men. Der Rück­gang der ira­ni­schen Öl­ex­por­te in den letz­ten Wo­chen war deut­li­cher als von vie­len er­war­tet. Und je mehr Öl Sau­di-Ara­bi­en för­dert, um die Fehl­men­gen aus­zu­glei­chen, des­to wei­ter ge­hen die Ka­pa­zi­täts­re­ser­ven zu­rück. Man wird sich fra­gen, wie lan­ge die Sau­dis ihr Pro­duk­ti­ons­ni­veau auf­recht­er­hal­ten kön­nen. Die­se Sor­gen wür­den sich ver­stär­ken, soll­te es in den fra­gi­len Opec-Staa­ten Ve­ne­zue­la, Li­by­en, Ni­ge­ria oder Irak zu wei­te­ren An­ge­bots­ein­brü­chen kom­men. Zu­sätz­lich dürf­ten die Pipe­line-Eng­päs­se in Te­xas der Er­hö­hung des US-An­ge­bots Gren­zen set­zen. Es ist da­her mit stei­gen­den Öl­prei­sen zu rech­nen. Preis­spit­zen von 100 $ je Fass kann man für die kom­men­den Mo­na­ten nicht aus­schlies­sen.

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