Was macht ei­gent­lich …

Finanz und Wirtschaft - - INNEN - Pe­ter Morf

… Ge­rold Büh­rer, ehe­ma­li­ger Na­tio­nal­rat und Prä­si­dent von Eco­no­mie­su­is­se Er war ei­ner der we­ni­gen Par­la­men­ta­ri­er auf na­tio­na­ler Ebe­ne, die gleich­zei­tig zu ih­rem po­li­ti­schen Man­dat noch ei­ne ope­ra­ti­ve Füh­rungs­tä­tig­keit in ei­nem ko­tier­ten Un­ter­neh­men wahr­ge­nom­men ha­ben: Ge­rold Büh­rer. Er stand ins­ge­samt dreis­sig Jah­re lang als Po­li­ti­ker und da­nach als Prä­si­dent des Wirt­schafts­dach­ver­bands Eco­no­mie­su­is­se im Ram­pen­licht der Öf­fent­lich­keit. 2012 hat er das Eco­no­mie­su­is­se-Prä­si­di­um ab­ge­ge­ben und sich lang­sam zu­rück­ge­zo­gen.

Der Blick zu­rück: Ge­rold Büh­rer wird 1982 für die FDP in den Schaff­hau­ser Gross­rat ge­wählt. Neun Jah­re spä­ter folgt der Schritt nach Bern, er wird Na­tio­nal­rat. Gleich­zei­tig ist Büh­rer Fi­nanz­chef der Schaff­hau­ser In­dus­trie­grup­pe Ge­org Fi­scher (GF). Bis 2000 bleibt das so, dann wech­selt er in den VR des Un­ter­neh­mens, um mehr Zeit für die Po­li­tik zu ha­ben.

Büh­rer bringt sein Know-how aus der Wirt­schaft na­tür­lich in die Po­li­tik ein. Er pro­fi­liert sich ins­be­son­de­re in fi­nanz- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen und macht sich ei­nen Na­men nicht nur in der ei­ge­nen Par­tei. Büh­rer be­dau­ert es sehr, dass heu­te nur noch we­ni­ge gleich­zei­tig ei­ne ope­ra­ti­ve Füh­rungs­funk­ti­on in ei­nem gros­sen Un­ter­neh­men und ein po­li­ti­sches Man­dat auf eid­ge­nös­si­scher Ebe­ne wahr­neh­men. Das da­mit ver­bun­de­ne spe­zi­fi­sche Wis­sen und der Er­fah­rungs­hin­ter­grund feh­len im Par­la­ment.

Büh­rer or­tet denn oft auch ei­nen man­geln­den ord­nungs­po­li­ti­schen Kom­pass, er sieht die «li­be­ra­len Po­si­tio­nen in der De­fen­si­ve». Für ihn fah­ren ge­wis­se bür­ger­li­che Po­li­ti­ker ei­ne zu we­nig kla­re Li­nie. Er ist über­zeugt, dass die li­be­ra­len Po­si­tio­nen mit ei­ner kon­se­quen­ten Ar­gu­men­ta­ti­on sehr wohl er­folg­reich ver­tre­ten wer- den kön­nen. Nach sei­nem Rück­zug aus der Po­li­tik und aus dem Prä­si­di­um von Eco­no­mie­su­is­se be­hält Büh­rer vor­erst sei­ne zwei gros­sen Wirt­schafts­man­da­te: die VR-Vi­ze­prä­si­di­en von Swiss Life und GF. Das­je­ni­ge beim Ver­si­che­rungs­kon­zern hat er En­de April die­ses Jah­res ab­ge­ge­ben – er ist sieb­zig Jah­re alt ge­wor­den. Das Man­dat bei GF läuft im April 2019 aus.

Büh­rer ist noch VR-Prä­si­dent von drei klei­ne­ren Ge­sell­schaf­ten, un­ter an­de­rem der Mei­er + Cie, der Her­aus­ge­be­rin der «Schaff­hau­ser Nach­rich­ten» – ei­ner der we­ni­gen noch un­ab­hän­gi­gen Ta­ges­zei­tun­gen der Schweiz –, so­wie des Be­ra­tungs­un­ter­neh­mens FehrAd­vice & Part­ners. Hin­zu kom­men Mit­glied­schaf­ten im Eu­ro­pean Ad­vi­so­ry Coun­cil of JPMor­gan, im Stif­tungs­rat der Bon­ny Stif­tung für die Frei­heit oder im Bei­rat der Fi­nanz­mes­se Schweiz. Das er­gibt ins­ge­samt noch ei­ne Ar­beits­be­las­tung von ge­gen 50%.

Büh­rer will kei­ne neu­en Man­da­te mehr an­neh­men, son­dern die be­ste­hen­den aus­lau­fen las­sen. So hat er mehr Zeit, sich sei­nen Hob­bys zu wid­men. Er ist sehr sport­lich und fit, geht re­gel­mäs­sig Jog­gen, fährt Ski und wan­dert ger­ne.

Zu­dem geht er mit sei­ner zwei­ten Ehe­gat­tin, der frü­he­ren SVP-Na­tio­nal­rä­tin und Ber­ner Re­gie­rungs­rä­tin Eli­sa­beth Zölch, oft auf Rei­sen. Der an sich ein­ge­fleisch­te Schaff­hau­ser lebt mitt­ler­wei­le in Mu­ri bei Bern. Er hat die Brü­cken nach Schaff­hau­sen al­ler­dings in kei­ner Art und Wei­se ab­ge­bro­chen. Er ist in der Re­gel ei­nen Tag pro Wo­che in sei­ner al­ten Hei­mat, wo er ger­ne Freun­de zum Jas­sen trifft. Büh­rer will das Le­ben in Ru­he ge­nies­sen – recht hat er.

BILD: YOSHIKO KUSANO/ KEYSTONE

Ge­rold Büh­rer (rechts) war im Par­la­ment wie auch in der Wirt­schaft lan­ge Zeit ei­ne prä­gen­de Fi­gur – jetzt tritt er kür­zer.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.