So will Wapp­ler SRF um­bau­en

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Na­tha­lie Wapp­ler for­dert Nach­rich­ten oh­ne jour­na­lis­ti­sche Bes­ser­wis­se­rei und ein Pro­gramm, das in­for­mie­re, aber nicht po­la­ri­sie­re: «Wir müs­sen kei­nen Mei­nungs­jour­na­lis­mus ma­chen», er­klärt die neu ge­wähl­te Srf-di­rek­to­rin im In­ter­view. In Bei­trä­gen sol­le man Po­li­ti­ker zu Wort kom­men las­sen, aber de­ren Aus­sa­gen nicht mehr kom­men­tie­ren. Zu­dem möch­te Wapp­ler mit pri­va­ten Me­di­en ko­ope­rie­ren, mit­tels ge­mein­sa­mer Jour­na­lis­ten­pools. Aus­bau­en will sie bei der Kul­tur und bei Se­ri­en wie «Wil­der».

NZZ am Sonn­tag: War­um ha­ben Sie sich denn doch als Di­rek­to­rin be­wor­ben?

Na­tha­lie Wapp­ler: Weil das ein ein­zig­ar­ti­ger Job ist in der Schweiz und ei­ne tol­le Chan­ce, nach der «No Bil­lag»-ab­stim­mung den Ser­vice pu­blic zu jus­tie­ren. Al­le öf­fent­lich­recht­li­chen An­stal­ten in Eu­ro­pa schau­en nun auf die Schweiz.

Wie wol­len Sie die «No Bil­lag»-be­für­wor­ter wie­der von SRF über­zeu­gen?

Wir müs­sen uns ver­än­dern, das hat das Ab­stim­mungs­er­geb­nis zum Aus­druck ge­bracht. Und wir müs­sen ein Pro­gramm ma­chen, das in­for­miert, aber nicht po­la­ri­siert. Wir müs­sen kei­nen Mei­nungs­jour­na­lis­mus ma­chen. Ich ha­be dies­be­züg­lich in Deutsch­land sehr viel ge­lernt. Die­se Ab­ge­häng­ten, die man nicht mehr zu­rück­ho­len kann, be­schäf­ti­gen mich zu­tiefst.

An was stö­ren sich die­se Men­schen kon­kret?

Wenn wir in ei­nem Bei­trag ei­nen Po­li­ti­ker zu Wort kom­men las­sen und wenn der Jour­na­list dann den Ein­druck er­weckt, er wis­se es bes­ser, pro­vo­ziert das ei­nen Ver­trau­ens­ver­lust. Als ich im Jour­na­lis­mus an­fing, war ich im­mer be­ein­druckt vom Raum, in dem die Agen­tur­fa­xe rat­ter­ten. Es gab mir das Ge­fühl, an der Qu­el­le zu sein, wo Nach­rich­ten ein­tref­fen, be­vor wir sie ver­brei­ten. Heu­te ha­ben al­le die­ses Ge­fühl, weil sie per­ma­nent am Ti­cker sind. Des­halb wird es für uns im­mer wich­ti­ger, zu er­klä­ren, war­um es Jour­na­lis­ten braucht, die ge­wich­ten. Und wir müs­sen mit Kri­ti­kern im Ge­spräch blei­ben, um zu ver­ste­hen, was sie stört. Wir brau­chen Bei­spie­le.

Al­so kon­kret: Svp-po­li­ti­ker är­gern sich, dass in Bei­trä­gen über ih­re Par­tei im­mer der al­te Stum­pen­rau­cher ge­zeigt wird – und nie die vie­len jun­gen Frau­en, die ak­tiv sei­en.

Wenn das so emp­fun­den wird, müs­sen wir uns da­mit aus­ein­an­der­set­zen. Es ist der ein­fachs­te Weg, ei­nen Ex­per­ten zu su­chen, der die ei­ge­ne The­se be­stä­tigt. Da­her muss die ers­te jour­na­lis­ti­sche Tu­gend sein: Ich ha­be ei­ne The­se und su­che jetzt erst ein­mal al­les, was ge­gen sie spricht. Und wir Jour­na­lis­ten müs­sen uns am Rie­men reis­sen, dass wir nicht ein­fach Kli­schees des Typs «SVP gleich Stum­pen­rau­cher» be­die­nen.

Sie kom­men aus der Kul­tur, lie­ben klas­si­sche Mu­sik. Kön­nen Sie mit dem Bei­zer aus Düben­dorf auf Au­gen­hö­he spre­chen?

Jetzt bit­te nicht sel­ber Kli­schees pro­du­zie­ren: Ich kann auch jas­sen! Und klar: Ich will auf die­se Leu­te zu­ge­hen und ih­nen zu­hö­ren. Ge­ra­de durch So­ci­al Me­dia lau­fen wir Ge­fahr, im­mer nur die Be­stä­ti­gung in der ei­ge­nen Echo­kam­mer zu su­chen und den an­de­ren zei­gen zu wol­len, dass wir recht ha­ben. Wir ha­ben ver­lernt, den an­de­ren zu­zu­hö­ren. Für mich ist es wich­tig, mit der Grund­hal­tung in ein Ge­spräch zu ge­hen, der an­de­re könn­te recht ha­ben.

Vie­le Bür­ger hal­ten die SRG für ar­ro­gant, ja fast aris­to­kra­tisch: Man muss ein de Weck,

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