In Flo­ri­da muss wie­der nach­ge­zählt wer­den

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Aktuell - Ro­man El­se­ner, New York

Fünf Ta­ge nach den Zwi­schen­wah­len in den USA sind Hun­dert­tau­sen­de von Stimm­zet­teln noch nicht aus­ge­wer­tet.

Nach Aus­zäh­lung al­ler Stim­men könn­ten die De­mo­kra­ten über 230 der 435 Sit­ze im Us-re­prä­sen­tan­ten­haus er­rei­chen. Die Re­pu­bli­ka­ner müs­sen da­ge­gen fürch­ten, dass sie nur 52 statt der er­hoff­ten 54 Se­na­to­ren stel­len kön­nen.

Ein Se­nats­sitz in Flo­ri­da und ei­ner in Ari­zo­na blei­ben of­fen, um ei­nen drit­ten gibt es am 27. No­vem­ber in Mis­sis­sip­pi ei­ne Stich­wahl. Auch ist noch nicht ent­schie­den, wer in Flo­ri­da und in Geor­gia Gou­ver­neur wird. 11 Sit­ze im Re­prä­sen­tan­ten­haus sind zu­dem noch zu ver­tei­len.

Zum ei­nen ste­hen vie­le Re­sul­ta­te noch aus, weil per Post auf­ge­ge­be­ne Stimm­zet­tel als gül­tig mit­ein­ge­rech­net wer­den, wenn sie bis zum letz­ten Frei­tag­abend im Wahl­lo­kal an­ge­kom­men wa­ren. Zum an­de­ren sind vie­le der Er­geb­nis­se so knapp, dass per Ge­setz Nach­zäh­lun­gen oder Stich­wah­len aus­ge­löst wer­den.

In Flo­ri­da hat der Re­pu­bli­ka­ner Rick Scott nur 15 000 Stim­men mehr als der bis­he­ri­ge de­mo­kra­ti­sche Se­na­tor Bill Nel­son. In ei­ner E-mail an De­mo­kra­ten im gan­zen Land bat Nel­son am Sams­tag um Spen­den zur Durch­füh­rung ei­ner Nach­zäh­lung. «Rick Scott ist be­reit, un­be­grenzt viel Geld aus­zu­ge­ben, um die Stim­men der Wäh­ler in Flo­ri­da zu über­tö­nen», schrieb der Se­na­tor. Ein Ge­richt gab am Sams­tag zwei Kla­gen Scotts statt und ord­ne­te ei­ne Nach­zäh­lung an. Schau­platz des Dis­pu­tes ist Bro­ward Coun­ty, wo be­reits in der Prä­si­dent­schafts­wahl zwi­schen Ge­or­ge W. Bush und Al Go­re im Jahr 2000 ei­ne Nach­zäh­lung an­ge­strengt wer­den muss­te. Da­mals war das Wahl­re­sul­tat wo­chen­lang un­klar, bis das Ver­fas­sungs­ge­richt die Nach­zäh­lung stopp­te und der Re­pu­bli­ka­ner Bush Prä­si­dent wur­de.

Der Vor­sprung des Re­pu­bli­ka­ners Ron De­s­an­tis auf sei­nen de­mo­kra­ti­schen Her­aus­for­de­rer für das Gou­ver­neurs­amt in Flo­ri­da, And­rew Gil­lum, ist auf 0,4 Pro­zent­punk­te ge­schmol­zen, al­so et­was mehr als 30 000 Stim­men. Bei ei­nem Un­ter­schied von we­ni­ ger als ei­nem hal­ben Pro­zent wird au­to­ma­tisch ei­ne Nach­zäh­lung ein­ge­lei­tet.

In Ari­zo­na hat die de­mo­kra­ti­sche Se­nats­kan­di­da­tin Kyrs­ten Si­ne­ma nach der Aus­zäh­lung von mehr als 2 Mil­lio­nen Stim­men ih­ren Vor­sprung auf die Re­pu­bli­ka­ne­rin Mar­tha Mcsal­ly auf 20 000 Stim­men aus­bau­en kön­nen – über 350 000 Stimm­zet­tel müs­sen aber noch aus­ge­wer­tet wer­den. In Geor­gia hofft die ers­te schwar­ze Kan­di­da­tin für das Amt des Gou­ver­neurs, St­acey Abrams, auch auf ei­ne Nach­zäh­lung. Ihr re­pu­bli­ka­ni­scher Geg­ner Bri­an Kemp liegt mit 60 000 Stim­men knapp vor­ne, ihm wird zu­dem gro­be Wahl­ma­ni­pu­lie­rung vor­ge­wor­fen. Kemp hat als Staats­se­kre­tär von Geor­gia das Wahl­recht von über 50 000 Ame­ri­ka­nern aus­ge­setzt, da ih­re An­ga­ben zur Wahl­re­gis­trie­rung nicht ge­nau mit In­for­ma­tio­nen in den staat­li­chen Da­ten­ban­ken über­ein­stimm­ten.

Bill Nel­son muss um sei­nen Se­nats­sitz fürch­ten.

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