Es gibt schon ei­ne eu­ro­päi­sche Ar­mee – die Na­to

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Lu­zi Ber­net

Er hat es wie­der ge­tan. So wie vor dem Na­to-gip­fel im Som­mer hat Do­nald Trump am Frei­tag noch vor dem Be­ginn der Fei­ern zur Er­in­ne­rung an das En­de des Ers­ten Welt­kriegs ei­ne Breit­sei­te ge­gen die Eu­ro­pä­er ab­ge­feu­ert. Dies­mal nahm er Frank­reich ins Vi­sier. Des­sen Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron hat­te die Schaf­fung ei­ner «wah­ren eu­ro­päi­schen Ar­mee» vor­ge­schla­gen, die fä­hig sein müs­se, Russ­land, Chi­na und «so­gar den USA» ent­ge­gen­zu­tre­ten. Das sei be­lei­di­gend für die USA, twit­ter­te Trump. Die Eu­ro­pä­er soll­ten doch bit­te erst ein­mal «ih­ren fai­ren An­teil an der Na­to zah­len». Trump hat recht. Wenn es ei­ne funk­tio­nie­ren­de eu­ro­päi­sche Ar­mee gibt, dann ist es die Na­to. Dass sich die Eu­ro­pä­er da­mit schwer­tun, ei­nen an­ge­mes­se­nen Bei­trag an de­ren Fi­nan­zie­rung zu leis­ten, ist weit­ge­hend un­be­strit­ten. Doch Trump zieht dar­aus die fal­schen Schlüs­se. Für ihn ist die Na­to nicht ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on, die für die kol­lek­ti­ve Si­cher­heit al­ler Mit­glie­der auf­kommt. Viel­mehr sieht er das Bünd­nis als Si­cher­heits­me­cha­nis­mus nur für je­ne, die aus­rei­chend Schutz­zah­lun­gen über­wei­sen. Mit die­ser Rea­li­tät müs­sen sich die Eu­ro­pä­er an­freun­den. Ihr Ein­fluss wird aber um­so grös­ser sein, je stär­ker sie sich für das Bünd­nis en­ga­gie­ren. Das ist ziel­füh­ren­der, als den im­mer wie­der ge­schei­ter­ten Traum ei­ner eu­ro­päi­schen Ar­mee zu träu­men.

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