USA stra­fen Kon­zer­ne sel­te­ner

Un­ter Trump sind die Us-re­gu­lie­rungs­be­hör­den we­ni­ger ag­gres­siv

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Wirtschaft - Al­bert Steck Thors­ten Schrö­der, New York, Ue­li Kneu­büh­ler

Raiff­ei­sen-prä­si­dent: «Kei­ne Kom­pro­mis­se»

Guy Lach­ap­pel­le, neu­er star­ker Mann bei Raiff­ei­sen, setzt auf In­te­gri­tät – auch bei der Su­che nach dem neu­en CEO.

«Ich wer­de un­ter mei­nem Prä­si­di­um kei­ne Kom­pro­mis­se bei der Ein­hal­tung von Re­geln der Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce dul­den», sagt der neue Raiff­ei­sen-prä­si­dent Guy Lach­ap­pel­le an­läss­lich sei­ner Wahl ge­gen­über der «NZZ am Sonn­tag». Er nimmt da­mit auch Be­zug auf den ab­rup­ten Ab­gang von CEO Pa­trik Gi­sel.

Grund für das so­for­ti­ge Aus­schei­den Gi­sels ist sei­ne Li­ai­son mit der im Ju­ni zu­rück­ge­tre­te­nen Ver­wal­tungs­rä­tin Lau­rence de la Ser­na. Der Ver­wal­tungs­rat der Raiff­ei­sen er­fuhr vor Wo­chen­frist durch ei­ne An­fra­ge der Zei­tung «Blick» von der Be­zie­hung.

Gi­sel hat­te es un­ter­las­sen, das Gre­mi­um pro­ak­tiv zu in­for­mie­ren. Dies ist kei­nes­wegs ei­ne Lap­pa­lie: Be­reits ei­ne Stun­de nach Kennt­nis­nah­me der Be­zie­hung er­stat­te­te der Ver­wal­tungs­rat ei­ne ent­spre­chen­de Mel­dung an die Fi­nanz­markt­auf­sicht. Der Ver­dacht po­ten­zi­el­ler In­ter­es­sen­kon­flik­te ist von auf­sichts­recht­li­cher Re­le­vanz – auch wenn Gi­sel be­teu­ert, die Be­zie­hung ha­be nach dem Rück­tritt von de la Ser­na be­gon­nen.

En­de Jahr wä­re Gi­sel oh­ne­hin ge­gan­gen. Die Su­che nach ei­nem neu­en CEO sei des­halb weit fort­ge­schrit­ten, sagt Lach­ap­pel­le. Er ha­be be­reits ei­ni­ge Kan­di­da­ten ge­trof­fen. Die per­sön­li­che In­te­gri­tät sei ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um für die Wahl.

Lach­ap­pel­le sel­ber er­leb­te die­se Wo­che ei­nen flie­gen­den Wech­sel: Erst die­sen Mitt­woch ver­ab­schie­de­te er sich von sei­ner Be­leg­schaft bei der Bas­ler Kan­to­nal­bank (BKB). Und am Sams­tag wähl­ten ihn die 163 De­le­gier­ten der Raiff­ei­sen in Brugg mit gros­ser Mehr­heit zum Prä­si­den­ten.

Trotz dem deut­li­chen Re­sul­tat: Lach­ap­pel­le muss­te mit ei­ner Wahl­kampf-tour et­li­che Skep­sis ge­gen sei­ne Per­son aus dem Weg räu­men. Im Fo­kus stan­den Ver­wick­lun­gen der BKB in ei­nen Be­trugs­fall der In­vest­ment­fir­ma ASE. Mit ei­ner solch in­ten­si­ven De­bat­te ha­be er nicht ge­rech­net, die letz­ten Wo­chen sei­en da­her sehr an­spruchs­voll ge­we­sen.

Auch die Löh­ne der frü­he­ren Ver­wal­tungs­rä­te hat­ten zu Kon­tro­ver­sen ge­führt. Für Lach­ap­pel­le gilt nun ei­ne Ober­gren­ze von 750 000 Fr. – deut­lich we­ni­ger als sein bis­he­ri­ges Sa­lär bei der BKB, das 1,2 Mio. Fr. be­trug. Das Us-jus­tiz­mi­nis­te­ri­um (DOJ) hat die­se Wo­che ei­ne Zi­vil­kla­ge ge­gen die UBS ein­ge­reicht. Die Be­hör­de wirft der Bank vor, Kun­den vor Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se im Jahr 2008 wis­sent­lich ver­brief­te Ram­sch­hy­po­the­ken (RMBS) ver­kauft und da­mit zur Fi­nanz­kri­se bei­ge­tra­gen zu ha­ben. Die UBS ist das letz­te glo­ba­le In­sti­tut, dass das Rmbs-pro­blem noch lö­sen muss.

An­ders als bei frü­he­ren Ver­fah­ren be­schrei­tet die Bank den or­dent­li­chen Pro­zess­weg und geht nicht auf ei­nen Ver­gleich ein, wie in sol­chen Fäl­len oft üb­lich. Al­lei­ne die Credit Suis­se zahl­te in ei­nem Ver­gleich ei­ne Bus­se von 2,5 Mrd. $ so­wie 2,8 Mrd. $ an ge­schä­dig­te Kun­den.

Dem Ver­neh­men nach hofft die UBS, mit ei­ner Zah­lung in der Grös­sen­ord­nung von 700 Mio. Fr. da­von­zu­kom­men.

Die Bank ar­gu­men­tiert, dass sie selbst Rmbs-pa­pie­re in ih­ren Bü­chern hielt und dar­auf Ver­lus­te ein­ge­fah­ren hat. Sie stellt sich zu­dem auf den Stand­punkt, dass die Bör­sen­auf­sicht SEC die ver­ant­wort­li­che Be­hör­de ist. Die­se hat die Un­ter­su­chung ge­gen die Bank je­doch ein­ge­stellt. Das DOJ muss nun je­den der Tau­sen­de Hy­po­the­ken-de­als prü­fen, wes­halb der Pro­zess erst 2021, frü­hes­tens 2020 statt­fin­den wird. Ei­ne Her- ku­les­auf­ga­be, die gros­se Res­sour­cen ver­schlingt. Des­halb kommt der UBS zu­pass, dass die Re­gie­rung Trump we­ni­ger hart ge­gen Un­ter­neh­men vor­geht als je­ne un­ter Vor­gän­ger Oba­ma.

We­ni­ger Fir­men­stra­fen

Un­ter die­sem droh­te et­wa dem De­tail­händ­ler Wal­mart we­gen Be­ste­chungs­vor­wür­fen ei­ne Bus­se von knapp 1 Mrd. $. Der Kon­zern wehr­te sich so lan­ge, bis die Re­gie­rung wech­sel­te. Zwei Jah­re spä­ter steht ei­ne Kla­ge aus. Dass sie kommt, ist zu be­zwei­feln.

Schon 2012 hat­te Trump, da­mals Un­ter­neh­mer, das den Vor­wür­fen zu­grun­de lie­gen­de Ge­setz als «schreck­lich» be­zeich­net und er­klärt, es müs­se ge­än­dert wer­den. Kri­ti­ker se­hen Fäl­le wie die­sen als Zei­chen da­für, dass die neue Re­gie­rung bei der Ver­fol­gung von Be­trugs- und Be­ste­chungs­fäl­len we­ni­ger ag­gres­siv sei. Die Per­spek­ti­ve ha­be sich zu­guns­ten der Kon­zer­ne ver­scho­ben, sagt Urs­ka Ve­li­jon­ka, Rechts­ex­per­tin an der George­town-uni­ver­si­tät.

Die Zah­len ge­ben den Kri­ti­kern auf den ers­ten Blick recht: Ge­mäss ei­ner Un­ter­su­chung der New York Uni­ver­si­ty und der «New York Ti­mes» sind Straf­zah­lun­gen und Ge­winn­ab­schöp­fun­gen in den ers­ten 20 Mo­na­ten von Trumps Prä­si­dent­schaft im Ver­gleich zu den letz­ten 20 Mo­na­ten un­ter Oba­ma um 62% ge­fal­len; Stra­fen ge­gen Ban­ken la­gen un­ter Oba­ma vier­mal so hoch wie un­ter Trump, For­de­run­gen ge­gen Un­ter­neh­men von­sei­ten des Jus- tiz­mi­nis­te­ri­ums fie­len um 72%. Seit dem Früh­jahr aber ha­be die Zahl der Fäl­le zu­ge­nom­men, die Re­gie­rung ha­be «das Tem­po an­ge­zo­gen», so Ve­li­jon­ka. Ci­ti­group oder die Apo­the­ken­ket­te Wal­greens hät­ten emp­find­li­che Stra­fen ver­kraf­ten müs­sen.

Trotz­dem pro­fi­tie­ren vor al­lem auch Fi­nanz­in­sti­tu­te vom neu­en Kurs. Er­mitt­lun­gen ge­gen Ban­ken wie die bri­ti­sche Bar­clays oder die Roy­al Bank of Scot­land we­gen ih­rer Hy­po­the­ken­ge­schäf­te im Vor­feld der Fi­nanz­kri­se, die un­ter Oba­ma be­gon­nen hat­ten, sind in die­sem Jahr fal­len­ge­las­sen wor­den, die Straf­zah­lun­gen der Ban­ken la­gen um meh­re­re Mil­li­ar­den Dol­lar tie­fer.

Un­be­setz­te Pos­ten

Wäh­rend Re­gu­lie­run­gen zu­rück­ge­dreht wur­den, se­hen sich die Re­gu­lie­rer selbst ge­schwächt. Noch im­mer sind wich­ti­ge Pos­ten un­be­setzt, dar­un­ter der Chef­ses­sel der Kri­mi­nal­ab­tei­lung im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. An­de­re, wie die Kon­su­men­ten­schutz­be­hör­de CFPB, wer­den von of­fe­nen Skep­ti­kern ge­lei­tet.

SEC-CHEF Jay Clay­ton hat­te bei sei­nem Amts­an­tritt er­klärt, Auf­ga­be der Bör­sen­auf­sicht sei es, Jobs zu schaf­fen und In­ves­to­ren ei­nen An­teil am ame­ri­ka­ni­schen Traum zu er­mög­li­chen. In­zwi­schen je­doch sei Clay­ton in sein Amt «hin­ein­ge­wach­sen», so Ex­per­tin Ve­li­jon­ka.

Der Neue: Guy Lach­ap­pel­le.

Be­reits weg: Pa­trik Gi­sel.

Bör­sen­händ­ler lau­schen Do­nald Trumps Wor­ten. (New York, 7. 11. 2018)

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