Fünf Fra­gen

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - An Jo­seph Ama­to In­ter­view: Eu­gen Stamm

Ama­to ist Vor­sit­zen­der und CIO für Ak­ti­en von Neu­ber­ger Ber­man. Die Us-fir­ma ver­wal­tet 315 Mrd. $ Kun­den­gel­der.

Wel­che Fra­ge be­schäf­tigt die In­ves­to­ren der­zeit am meis­ten?

1

Die Fra­ge, wo wir im Kon­junk­tur­zy­klus ste­hen, ist für die Ver­mö­gens­al­lo­ka­ti­on ent­schei­dend. Mo­men­tan sind wir in den USA schon spät im Zy­klus, in die­ser Pha­se häu­fen sich Kor­rek­tu­ren an den Bör­sen, was wir auch jüngst ge­se­hen ha­ben. Aber der Zy­klus ist noch nicht vor­bei, die Fun­da­men­tal­da­ten sind im­mer noch so­li­de. Soll­te sich je­doch das Lohn­wachs­tum be­schleu­ni­gen, könn­te die Us-no­ten­bank ra­scher die Zin­sen er­hö­hen als er­war­tet, was für die Ak­ti­en­märk­te na­tür­lich ei­ne bö­se Über­ra­schung wä­re.

2

Wenn man die Ein­schät­zung teilt, dass der Kon­junk­tur­zy­klus noch nicht zu En­de ist, dann soll­te man wei­ter­hin Ak­ti­en hal­ten und Kor­rek­tu­ren als Kauf­ge­le­gen­heit se­hen. Al­ler­dings ist es auch rat­sam, vor­sich­tig zu sein und auf de­fen­si­ve Ak­ti­en zu set­zen, die we­ni­ger stark schwan­ken als der Ge­samt­markt.

Wie soll man sich al­so po­si­tio­nie­ren? Wer­den die po­li­ti­schen Pro­ble­me in Eu­ro­pa die Märk­te ins Rut­schen brin­gen?

3

In Eu­ro­pa scheint mir der Pes­si­mis­mus sehr ver­brei­tet zu sein, Aus­sen­ste­hen­de se­hen die Si­tua­ti­on als nicht ganz so tra­gisch an. Beim Br­ex­it und in Ita­li­en wird wohl ein ver­nünf­ti­ger Kom­pro­miss ge­fun­den wer­den.

4

Die Welt setzt auf Schul­den. Die enor­me Zu­nah­me der Ver­schul­dung von Staa­ten und Un­ter­neh­men wird Fol­gen ha­ben. Bis­her ist das noch nicht ge­sche­hen, weil die Zen­tral­ban­ken mit ih­rer Geld­po­li­tik ein Um­feld ge­schaf­fen ha­ben, das we­der von zu lang­sa­mem noch von zu schnel­lem Wachs­tum ge­prägt war. Was mich auch be­schäf­tigt, ist die Ab­nah­me der Li­qui­di­tät in den öf­fent­li­chen Märk­ten. Noch ist das aber kein Pro­blem, weil die Zen­tral­ban­ken den Märk­ten ge­nü­gend fi­nan­zi­el­le Mit­tel zur Ver­fü­gung stel­len.

Was be­rei­tet Ih­nen denn Sor­gen? Wie wich­tig ist der Han­dels­kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na für die Märk­te?

5

Die un­fai­ren Ge­schäfts­me­tho­den Chi­nas sind mit der Rol­le des Lan­des als zweit­gröss­te Volks­wirt­schaft der Welt nicht ver­ein­bar. Die Chi­ne­sen müs­sen sich an­pas­sen, und die­ser Pro­zess wird wohl noch lan­ge dau­ern. Ich neh­me an, dass sich der Han­dels­krieg bis da­hin noch in­ten­si­vie­ren wird. Das wird zu Schwan­kun­gen an den Bör­sen bei­tra­gen. Bei den chi­ne­si­schen Ak­ti­en se­hen wir, wie die­se Angst sich in Bör­sen­kur­sen aus­drückt.

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