Die Be­kas­si­ne ist ver­schwun­den, vie­le an­de­re Vö­gel sind hier­zu­lan­de be­droht

In der Schweiz sind die Be­stän­de der Brut­vö­gel um über die Hälf­te ein­ge­bro­chen. Der Kli­ma­wan­del und die Land­wirt­schaft zer­stö­ren ih­re Nah­rungs­grund­la­ge.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Vorderseite - (Gal­li­na­go gal­li­na­go). Von At­lant Bie­ri (La­ni­us se­na­tor).

Am­sel, Dros­sel, Fink und Star sind uns Schwei­zern hei­lig. Das zeigt sich bei de­ren Er­for­schung. Al­le zwan­zig Jah­re rückt ein Heer von Tau­sen­den von frei­wil­li­gen Hel­fern aus und ver­teilt sich über das Land. Das et­was ver­rückt an­mu­ten­de Ziel ist die Zäh­lung der hie­si­gen Brut­vö­gel. Die Mis­si­on dau­ert vier Jah­re, die Aus­wer­tung der Da­ten zwei. Die­sen Mo­nat er­schei­nen nun die jüngs­ten Re­sul­ta­te in Form des neu­en Schwei­zer Brut­vo­ge­lat­las­ses. Das Werk ist über sechs­hun­dert Sei­ten dick und ent­hält die Ver­brei­tungs­kar­ten von Al­pen­schnee­huhn bis Zwerg­schnäp­per.

Schon zum vier­ten Mal hat die Wis­sen­schaft zu­sam­men mit der Öf­fent­lich­keit die­se Her­ku­les­auf­ga­be auf sich ge­nom­men. In­zwi­schen de­cken die Da­ten über ein hal­bes Jahr­hun­dert ab. Doch statt den gu­ten Zu­stand un­se­rer ge­fie­der­ten Freun­de zu ze­le­brie­ren, do­ku­men­tie­ren die Zah­len vor al­lem ei­nes: de­ren schlei­chen­den Nie­der­gang. Die gros­se Pro­blem­zo­ne ist das Kul­tur­land. Dort sind die Be­stän­de in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren um über die Hälf­te ein­ge­bro­chen. Mit­ver­ant­wort­lich da­für ist zum ei­nen die Kli­ma­ver­än­de­rung. Die stei­gen­den Früh­jahrstem­pe­ra­tu­ren brin­gen Zug­vö­gel wie Trau­er­schnäp­per, Dorn­gras­mü­cke oder Ne­un­tö­ter aus dem Kon­zept. «Nor­ma­ler­wei­se schaf­fen sie es, im Früh­jahr den Peak an In­sek­ten­nah­rung bei uns zu nut­zen. Doch jetzt ist der Peak im­mer frü­her», er­klärt Pe­ter Kn­aus, Or­ni­tho­lo­ge an der Schwei­ze­ri­schen Vo­gel­war­te in Sem­pach und Lei­ter der Volks­zäh­lung un­se­rer Brut­vö­gel.

Das heisst, sie tref­fen zu spät zum gros­sen Fest­es­sen ein und brin­gen in der Fol­ge ih­ren Nach­wuchs nicht satt. «Ent­we­der gibt es dann we­ni­ger Jun­ge oder gar kei­ne», sagt Kn­aus. Dass sich die Zug­vö­gel an die wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren an­pas­sen und frü­her los­flie­gen, ist un­wahr­schein­lich, denn ih­re Abrei­se in Afri­ka wird vom dor­ti­gen Son­nen­stand aus­ge­löst und nicht vom Kli­ma in der fer­nen Schweiz. «Sie kön­nen ih­re An­kunft kaum vor­ver­schie­ben, auch wenn es bei uns schon In­sek­ten gibt», sagt Kn­aus.

Die zwei­te Ur­sa­che für den Sink­flug der Vö­gel ist die Land­wirt­schaft. Ge­nau wie der Kli­ma­wan­del raubt sie ih­nen ih­re Nah­rungs-

Aus­ge­stor­ben: Rot­kopf­wür­ger

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.