Trump he­belt ei­nen Teil des Asyl­rechts aus

Ge­richts­kla­gen vor­pro­gram­miert

Neue Zurcher Zeitung - - INTERNATIONAL - PETER WINK­LER, WASHINGTON

Nach­dem er mitt­ler­wei­le zwei kon­ser­va­ti­ve Rich­ter im Su­pre­me Court in­stal­liert hat, rech­net Prä­si­dent Do­nald Trump of­fen­sicht­lich mit mehr Ver­ständ­nis für sei­ne An­lie­gen, dar­un­ter auch für die har­te Hand in Sa­chen Zu­wan­de­rung. In meh­re­ren Fäl­len hat er An­ord­nun­gen er­las­sen, die of­fen­sicht­lich auch den Zweck hat­ten, den lan­gen Marsch durch die ge­richt­li­chen In­stan­zen zu be­gin­nen.

Kern­the­ma Zu­wan­de­rung

Zu die­sen Vor­ha­ben ge­hört zwei­fel­los die Än­de­rung des Asyl­rechts, die Trump am Frei­tag ver­kün­de­te. Un­ter Be­ru­fung auf die na­tio­na­le Si­cher­heit will er ver­hin­dern, dass der Gross­teil der Zu­wan­de­rer wei­ter­hin il­le­gal über die Gren­ze kommt. Im ver­gan­ge­nen Haus­halts­jahr wa­ren rund 400 000 auf­ge­grif­fen wor­den. Da­bei stel­len sich je­weils vie­le so­fort den Grenz­be­am­ten und be­an­tra­gen dann Asyl. Trump will sie zwin­gen, dies künf­tig an den of­fi­zi­el­len Grenz­über­gän­gen zu tun, wo sich al­ler­dings öf­ters lan­ge War­te­schlan­gen bil­den. Ge­gen­wär­tig hält das Ge­setz klar fest, dass es fürs Be­an­tra­gen von Asyl kei­ne Rol­le spielt, wie man ins Land ge­lang­te.

Die il­le­ga­le Zu­wan­de­rung ist ei­nes der Kern­the­men Trumps, und er hat in den Wo­chen vor den Kon­gress­wah­len den Marsch ei­ner grös­se­ren Grup­pe von Mi­gran­ten aus Zen­tral­ame­ri­ka durch Mexiko in Rich­tung USA zum An­lass ge­nom­men, gro­tes­ke Be­dro­hungs­sze­na­ri­en zu ver­brei­ten und rund 8000 An­ge­hö­ri­ge der Streit­kräf­te an die Gren­ze zu ent­sen­den. Ei­ne Um­fra­ge der Nach­rich­ten­agen­tur AP zeig­te, dass Im­mi­gra­ti­on bei den Wäh­lern nach der Fra­ge der Kran­ken­ver­si­che­rung das zweit­wich­tigs­te The­ma war.

Es ver­steht sich von selbst, dass ei­ne solch ein­schnei­den­de Ver­schär­fung des Asyl­rechts vor Ge­richt an­ge­foch­ten wird. Das Glei­che blüht dem Vor­ha­ben Trumps, die au­to­ma­ti­sche Er­tei­lung der Staats­bür­ger­schaft an je­ne, die in den USA ge­bo­ren wer­den, ab­zu­schaf­fen. Der Prä­si­dent mein­te da­zu la­ko­nisch: «Ich glau­be, dass ich ab­so­lut das Recht da­zu ha­be. Dann wird das halt noch ein Fall, der vom Su­pre­me Court ent­schie­den wird.»

Die Bi­lanz sei­ner Initia­ti­ven zur Zu­wan­de­rung per Er­lass ist al­ler­dings durch­zo­gen. Sein be­rühm­tes Ein­rei­se­ver­bot für Be­woh­ner von «Ri­si­ko­län­dern» – zu Be­ginn ei­ne nur schlecht ver­hüll­te Mass­nah­me ge­gen Mus­li­me – muss­te er gar zwei­mal ver­wäs­sern, wie er sel­ber la­men­tier­te, be­vor es schliess­lich vom Su­pre­me Court ak­zep­tiert wur­de.

Bald vor dem Su­pre­me Court

Der nächs­te Fall, der das Obers­te Ge­richt be­schäf­ti­gen dürf­te, ist die vor­läu­fi­ge Auf­nah­me von jun­gen Pa­pier­lo­sen, die als Kin­der oh­ne ihr Zu­tun in die USA ge­bracht wur­den. Trump ver­such­te, die Mass­nah­me aus der Ära Oba­ma rück­gän­gig zu ma­chen, wur­de aber von ver­schie­de­nen Ge­rich­ten zu­rück­ge­pfif­fen. Nun hat ei­ne drei­köp­fi­ge Re­kurs­kam­mer des Bun­des­ap­pel­la­ti­ons­ge­richts in San Fran­cis­co die Ein­wän­de be­stä­tigt. Die Be­grün­dung des da­ma­li­gen Jus­tiz­mi­nis­ters Jeff Ses­si­ons, dass Oba­ma mit dem Pro­gramm sei­ne Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten ha­be, sei falsch, ur­teil­te das Ge­richt. Die Ad­mi­nis­tra­ti­on Trump wird die­ses Ur­teil zwei­fel­los an­fech­ten, und sie könn­te da­mit schon bald auf dem nor­ma­len Rechtsweg an den Su­pre­me Court ge­lan­gen.

Ein an­de­rer Aspekt von Trumps Kampf ge­gen die il­le­ga­le Zu­wan­de­rung wird bald auch den Kon­gress in Washington be­schäf­ti­gen. Der Prä­si­dent hat an­ge­deu­tet, dass er den nächs­ten Bud­get­vor­schlag im De­zem­ber nicht un­ter­schrei­ben wer­de, wenn die­ser nicht ei­ne sub­stan­zi­el­le Sum­me Geld für die viel­be­schwo­re­ne Mau­er an der Gren­ze ent­hal­te. Für wei­te­res Dra­ma ist al­so ge­sorgt, zu­mal im nächs­ten Jahr die De­mo­kra­ten an den Staats­kas­sen sit­zen.

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