Das neue Da­ten­schutz­ge­setz kommt noch spä­ter

Die zu­stän­di­ge Na­tio­nal­rats­kom­mis­si­on lässt sich Zeit mit der Be­ra­tung – und weckt da­mit Be­fürch­tun­gen

Neue Zurcher Zeitung - - SCHWEIZ - LU­KAS MÄDER, BERN

Als En­de Mai in der EU die neue Gr­und­ver­ord­nung zum Da­ten­schutz (DSGVO) ver­bind­lich wur­de, hat­te dies Aus­wir­kun­gen bis in die Schweiz. Denn von den neu­en und deut­lich schär­fe­ren Be­stim­mun­gen sind auch Schwei­zer Fir­men be­trof­fen, wenn sie zum Bei­spiel Da­ten von Kun­den aus dem EU-Raum be­ar­bei­ten. Die Un­si­cher­hei­ten wa­ren gross – auch weil die Schweiz heu­te viel we­ni­ger weit ge­hen­de Re­geln kennt. Dies dürf­te noch ei­ne Wei­le so blei­ben. Denn die zu­stän­di­ge Staats­po­li­ti­sche Kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats (SPK-N) zeigt kei­ne be­son­de­re Ei­le, das vom Bun­des­rat vor­ge­schla­ge­ne neue Da­ten­schutz­ge­setz zu be­ra­ten.

Zu­sätz­li­che Sit­zun­gen an­be­raumt

Ur­sprüng­lich stand die Mög­lich­keit im Raum, dass der Na­tio­nal­rat be­reits in der kom­men­den Win­ter­ses­si­on das Ge­setz im Plenum hät­te be­ra­ten kön­nen. Doch die Kom­mis­si­on ha­be zahl­rei­che Zu­satz­be­rich­te von der Ver­wal­tung an­ge­for­dert und die Be­ra­tung der ers­ten grund­le­gen­den Ar­ti­kel sei sehr zeit­in­ten­siv ge­we­sen, sagt Kurt Flu­ri (fdp., So­lo­thurn) als Prä­si­dent der SPK-N. Zu­dem ha­be die Kom­mis­si­on zahl­rei­che par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ven vor­zie­hen müs­sen, um de­ren Fris­ten ein­zu­hal­ten. «Das Ziel ist nun aber, das Ge­schäft bis zur Früh­lings­ses­si­on fer­tig zu be­ra­ten», sagt Flu­ri. Da­für ha­be die Kom­mis­si­on nun auch zu­sätz­li­che Sit­zungs­zeit im Fe­bru­ar ein­ge­plant.

Nicht er­freut über die­se Ver­zö­ge­rung ist die Schwes­ter­kom­mis­si­on des Stän­de­rats. Prä­si­den­tin Pas­ca­le Bru­de­rer (Aar­gau, sp.) sagt, man ha­be das neue Da­ten­schutz­ge­setz ei­gent­lich be­reits im ers­ten Quar­tal 2019 be­ra­ten wol­len und da­für auch zu­sätz­li­che Sit­zungs­ter­mi­ne re­ser­viert. Dar­aus wird nun nichts. Bru­de­rer will nun im April und Mai die Be­ra­tung in ih­rer Kom­mis­si­on vor­an­trei­ben, da­mit der Stän­de­rat das kom­ple­xe Ge­setz zu­min­dest im Som­mer 2019 im Plenum be­spre­chen kann. Selbst dann wird es zeit­lich eng für ei­ne In­kraft­set­zung auf An­fang 2020.

Die SPK-N hat­te be­reits An­fang Jahr auf die Brem­se ge­drückt und ei­ne Zwei­tei­lung der Vor­la­ge be­schlos­sen: Die un­be­strit­te­nen Än­de­run­gen am Da­ten­schutz­ge­setz, die im Rah­men von Schen­gen vor­ge­schrie­ben sind, hat die Bun­des­ver­samm­lung in­zwi­schen ver­ab­schie­det; der um­fang­rei­che­re Teil mit grund­sätz­li­chen in­halt­li­chen An­pas­sun­gen wur­de hin­ge­gen hin­ten­an­ge­stellt. Bru­de­rer hat­te be­reits für die­se Zwei­tei­lung we­nig Ver­ständ­nis: «Ich ging aber da­von aus, dass man we­nigs­tens jetzt mit Hoch­druck dar­an ar­bei­tet.» Das sei nun nicht der Fall. Flu­ri wi­der­spricht die­ser Kri­tik: «Im Nach­hin­ein ge­se­hen war es rich­tig, die Vor­la­ge in zwei Tei­le auf­zu­tei­len.»

Wie re­agiert die EU?

Die wei­te­re Ver­zö­ge­rung weckt die Be­fürch­tung, dass die EU im Be­reich des Da­ten­schut­zes der Schweiz Nach­tei­le auf­er­legt. Denn heu­te an­er­kennt die EU die Gleich­wer­tig­keit der Schwei­zer Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen, auch wenn sie streng­ge­nom­men nicht mehr gleich­wer­tig sind. Dass die EU die Gleich­wer­tig­keitsa­n­er­ken­nung we­gen der Ver­zö­ge­run­gen auf­he­ben wird, glaubt der Eid­ge­nös­si­sche Da­ten­schutz­be­auf­trag­te Adri­an Lob­si­ger nicht. «Pro­ble­ma­tisch könn­te es aber wer­den, wenn sich zeigt, dass der Ent­wurf des Par­la­ments nicht dem eu­ro­päi­schen Stan­dard ent­spricht.» Ein zu­sätz­li­ches Si­gnal in die­se Rich­tung ha­be der Bun­des­rat aus­ge­sandt, als er am 10. Ok­to­ber nicht wie an­de­re eu­ro­päi­sche Staa­ten die neue Kon­ven­ti­on 108 des Eu­ro­pa­rats über den Da­ten­schutz un­ter­zeich­net ha­be, kri­ti­siert Lob­si­ger, zu­mal die Ra­ti­fi­zie­rung oh­ne­hin das Par­la­ment vor­neh­men müss­te. Die EU selbst er­ach­tet die Ein­hal­tung der Kon­ven­ti­on 108 als zen­tral für die An­er­ken­nung der Gleich­wer­tig­keit.

Für Bru­de­rer ist be­reits die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on un­be­frie­di­gend, denn es ge­he bei der Re­vi­si­on des Da­ten­schutz­ge­set­zes um wich­ti­ge di­gi­ta­le The­men, die nicht auf­ge­scho­ben wer­den soll­ten. «Wir ha­ben der­zeit die ab­sur­de Si­tua­ti­on, dass das EU-Recht die Schwei­zer bes­ser schützt als un­ser ei­ge­nes Recht», sagt sie. Ins­be­son­de­re die gros­sen Fir­men hier­zu­lan­de setz­ten die EU-Gr­und­ver­ord­nung zum Da­ten­schutz oh­ne­hin schon heu­te um. Ei­ne ra­sche Re­vi­si­on des Da­ten­schutz­ge­set­zes wür­de für die Fir­men bald Rechts­si­cher­heit schaf­fen. Die­se Mei­nung teilt auch Eco­no­mie­su­is­se.

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