Schwei­zer Roh­stoff­händ­ler in Kor­rup­ti­ons­skan­dal um Pe­tro­bras ver­wi­ckelt?

Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen Pu­b­lic Eye und Glo­bal Wit­ness pran­gern Glen­co­re, Tra­fi­gu­ra und Vi­tol an

Neue Zurcher Zeitung - - SCHWEIZ - GE­RALD HOSP / ALEX­AN­DER BUSCH, SALVADOR

Zahl­rei­che Schwei­zer Fi­nanz­in­sti­tu­te sind in den Kor­rup­ti­ons­skan­dal um den bra­si­lia­ni­schen Erd­öl­kon­zern Pe­tro­bras ver­wi­ckelt. Das ist schon län­ger be­kannt. Doch nun ma­chen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen auch Roh­stoff­kon­zer­nen Vor­wür­fe, die ei­nen gros­sen Teil ih­rer Ge­schäft über die Schweiz ab­wi­ckeln: Glen­co­re, Tra­fi­gu­ra und Vi­tol. Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen Pu­b­lic Eye und Glo­bal Wit­ness ha­ben das um­fang­rei­che Ma­te­ri­al der bra­si­lia­ni­schen Jus­tiz zu den Er­mitt­lun­gen im Kor­rup­ti­ons­skan­dal «La­va Ja­to» («Wa­sch­an­la­ge») aus­ge­wer­tet. Da­bei wol­len sie Hin­wei­se dar­auf ge­fun­den ha­ben, dass die drei Kon­zer­ne sich bei ih­ren Ge­schäf­ten mit Pe­tro­bras auf Ver­mitt­ler stütz­ten, die in den Un­ter­su­chun­gen zum Kor­rup­ti­ons­fall be­reits ver­ur­teilt wur­den. Glo­bal Wit­ness sagt zwar sel­ber, dass kei­ne «rau­chen­de Ka­no­ne» vor­han­den sei, es al­so kei­ne ein­deu­ti­gen Be­wei­se ge­be für die mut­mass­li­chen Ver­wick­lun­gen. Die Or­ga­ni­sa­ti­on for­dert aber schwei­ze­ri­sche, bri­ti­sche und ame­ri­ka­ni­sche Be­hör­den auf, den Fäl­len nach­zu­ge­hen.

Ins­ge­samt zei­ge «La­va Ja­to» bei­spiel­haft die wich­ti­ge Rol­le des Fi­nanz­ und Roh­stoff­plat­zes der Schweiz in der trans­ na­tio­na­len Kor­rup­ti­on, so die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. In ih­rer Be­wer­tung der Schwei­zer Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung er­klär­te die Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) die­sen März, dass «die ge­trof­fe­nen Mass­nah­men nicht wirk­sam, nicht ver­hält­nis­mäs­sig und nicht ab­schre­ckend sind». Von der­sel­ben Adres­se kommt auch die Emp­feh­lung an die Schwei­zer Be­hör­den, den Schwei­zer Roh­stoff­han­del «ei­ner an­ge­mes­se­nen und ver­bind­li­chen Re­gu­lie­rung» zu un­ter­zie­hen.

43 Schwei­zer Fi­nanz­in­sti­tu­te

In Bra­si­li­en hat die Ver­öf­fent­li­chung bis­her kaum Wel­len ge­wor­fen. Das dürf­te auch dar­an lie­gen, dass der «La­va Ja­to»Skan­dal we­gen des jetzt statt­fin­den­den Re­gie­rungs­wech­sels aus den Schlag­zei­len ver­schwun­den ist. Zu­dem ba­sie­ren die Er­kennt­nis­se nicht auf neu­em Ma­te­ri­al. Die an­geb­li­chen Mit­tels­män­ner der drei Roh­stoff­kon­zer­ne sind Kri­mi­nel­le, die be­reits in der ers­ten spek­ta­ku­lä­ren Pha­se der Er­mitt­lun­gen ver­ur­teilt wur­den. Sie wa­ren auch teil­wei­se in­vol­viert in Ver­fah­ren der Bun­des­an­walt­schaft (BA) we­gen des Vor­wurfs der Geld­wä­sche­rei. Rund 43 Schwei­zer Fi­nanz­in­sti­tu­te sind in die Pe­tro­bras­ Af­fä­re ver­wi­ckelt. Ins­ge­samt wur­den Ein­la­gen in Hö­he von 1,1 Mil­li­ar­den Dol­lar im Zu­sam­men­hang mit dem Pe­tro­bras­Skan­dal auf rund 1000 Kon­ten bei Schwei­zer Banken ein­ge­fro­ren. Ein Fünf­tel der Sum­me wur­de be­reits an Pe­tro­bras zu­rück­be­zahlt.

Die Be­deu­tung der Öl­han­dels­ge­schäf­te spiel­te bei den Er­mitt­lun­gen der bra­si­lia­ni­schen Jus­tiz bis­her je­doch ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Zwar er­mit­telt die Bun­des­po­li­zei be­reits seit Au­gust 2016 zu Ver­wick­lun­gen bei den Öl­im­por­ten – doch bis­her kon­zen­trier­ten sich die gröss­ten Ein­zelskan­da­le vor al­lem auf über­fak­tu­rier­te Auf­trä­ge für Raf­fi­ne­ri­en, Platt­for­men oder Werf­ten. Kri­mi­nel­le Öl­han­dels­ge­schäf­te von Pe­tro­bras tauch­ten bis­her nur am Ran­de der Un­ter­su­chun­gen auf. Del­cí­dio do Amaral, ehe­ma­li­ger Se­nats­füh­rer der 14 Jah­re re­gie­ren­den Ar­bei­ter­par­tei und Kron­zeu­ge der Jus­tiz im Kor­rup­ti­ons­skan­dal, er­klär­te, dass die Han­dels­ab­tei­lung ein «frucht­ba­res Ter­rain für il­le­ga­le Prak­ti­ken» ge­we­sen sei. Ein ehe­ma­li­ger Top­ma­na­ger von Pe­tro­bras gab zu Pro­to­koll, dass ei­ni­ge Cent Ge­winn im täg­li­chen Han­dels­ge­schäft sich am En­de des Mo­nats zu Mil­lio­nen Dol­lar an Schmier­gel­dern auf­sum­mier­ten. Tra­fi­gu­ra und Vi­tol al­lein ha­ben mit Pe­tro­bras zwi­schen 2003 und 2015 Ver­trä­ge über Öl­ lie­fe­run­gen im Wert von min­des­tens 21 Mil­li­ar­den Dol­lar ab­ge­schlos­sen.

Roh­stoff­kon­zer­ne weh­ren sich

Die an­geb­lich in die un­lau­te­ren Prak­ti­ken ver­wi­ckel­ten Kon­zer­ne sa­gen, dass es kei­ne Be­le­ge für ein Fehl­ver­hal­ten ge­be. Wäh­rend Tra­fi­gu­ra er­klärt, nicht ein­mal in­di­rek­te Kon­tak­te zu Pe­tro­bras ge­habt zu ha­ben, ge­ben Glen­co­re und Vi­tol zu, mit Mit­tels­män­nern in Bra­si­li­en zu­sam­men­ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Die­se sei­en je­doch zum Zeit­punkt der Be­zie­hun­gen nicht als kri­mi­nell be­kannt ge­we­sen. Glen­co­re sagt, dass es kei­ne Be­wei­se da­für ge­be, dass Glen­co­re oder ei­ne ih­rer Kon­zern­ge­sell­schaf­ten un­an­ge­mes­se­ne Zah­lun­gen ge­leis­tet hät­ten. Die Be­haup­tun­gen ba­sier­ten auf Spe­ku­la­tio­nen.

Tra­fi­gu­ra gibt ge­gen­über der bra­si­lia­ni­schen Wirt­schafts­zei­tung «Va­lor Econô­mi­co» an, dass die In­for­ma­tio­nen von Glo­bal Wit­ness nicht neu sei­en, son­dern auf­ge­wärm­te Mei­nun­gen und Ver­mu­tun­gen, die kei­ner­lei Be­wei­se für ein Fehl­ver­hal­ten von Tra­fi­gu­ra dar­stell­ten.

Vi­tol er­klärt, dass sein Ge­schäft in Bra­si­li­en in vol­ler Über­ein­stim­mung mit al­len re­le­van­ten Ge­set­zen ge­führt wer­de und dass der Glo­bal­Wit­ness­Be­richt kei­ne Hin­wei­se auf Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten des Un­ter­neh­mens ent­hal­te.

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