Adieu, «Ge­ne­ra­ti­on Golf»

Neue Zurcher Zeitung - - WIRTSCHAFT -

Chris­toph Ei­sen­ring, Ber­lin · Al­le paar Jah­re wird ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on aus­ge­ru­fen. Man er­in­nert sich an den Best­sel­ler «Ge­ne­ra­ti­on Golf» von Flo­ri­an Il­lies aus dem Jahr 2000 – «Golf» steht da­bei für das Au­to­mo­dell. Dar­in be­schreibt Il­lies sei­ne Al­ters­ko­hor­te als ziem­lich un­po­li­tisch. Sie be­steht aus klei­nen He­do­nis­ten, die viel auf Mar­ken­klei­der ge­ben und den Wohl­stand ge­nies­sen, den ih­re El­tern er­ar­bei­tet ha­ben. Die der­zeit jüngs­te «Ge­ne­ra­ti­on Z», so liest man, seh­ne sich nach ei­nem si­che­ren Ar­beits­platz, wol­le sich persönlich ver­wirk­li­chen, wo­hin­ge­gen Geld we­ni­ger wich­tig sei. Der So­zio­lo­ge Mar­tin Schrö­der von der Uni­ver­si­tät Mar­burg, Jahr­gang 1981 und da­mit ei­gent­lich Mit­glied der «Ge­ne­ra­ti­on Y», ist ge­gen­über sol­chen Zu­schrei­bun­gen je­doch skep­tisch.

Schrö­der hat die gröss­te deut­sche Lang­zeit­be­ob­ach­tung aus­ge­wer­tet, mit der seit 1984 Tau­sen­de Men­schen im­mer wie­der zu ih­ren Ein­stel­lun­gen be­fragt wer­den, et­wa da­zu, wie wich­tig ih­nen Selbst­ver­wirk­li­chung oder Ar­beits­platz­si­cher­heit sind, ob sie sich Sor­gen zur wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on ma­chen und wie in­ter­es­siert sie an Po­li­tik sind. Für je­den Jahr­gang von 1966 bis 1991 hat er sich an­ge­schaut, was die Per­so­nen im Al­ter von 18 bis 25 je­weils für Ein­stel­lun­gen hat­ten.

Das Er­geb­nis ist für die­je­ni­gen, die ger­ne neue Ge­ne­ra­tio­nen aus­ru­fen, nie­der­schmet­ternd. Man fin­det bei den 20 Fra­gen näm­lich kaum sys­te­ma­ti­sche Un­ter­schie­de. Sich selbst zu ver­wirk­li­chen, war im­mer wich­tig – was soll­te man auch an­de­res er­war­ten? Ei­ne schwa­che Ten­denz fin­det sich da­für, dass die jun­gen Men­schen über die Zeit et­was zu­ver­sicht­li­cher ge­wor­den sind. Und bei den um 1968 so­zia­li­sier­ten Jahr­gän­gen zeigt sich tat­säch­lich ein et­was grös­se­res In­ter­es­se an Po­li­tik als bei den an­de­ren. Ins­ge­samt sind aber selbst die «Acht­und­sech­zi­ger» un­auf­fäl­lig: Für ei­ne spe­zi­ell ka­pi­ta­lis­mus- oder ge­sell­schafts­kri­ti­sche Hal­tung fin­det Schrö­der kei­ne Hin­wei­se. Wenn so­mit das nächs­te Mal je­mand er­klärt, wie an­ders doch die heu­ti­gen Jun­gen sei­en, dann hat das viel da­mit zu tun, dass man mit zu­neh­men­dem Al­ter so man­che Hal­tung än­dert – und auch da­zu neigt, die ei­ge­ne Ju­gend zu ver­klä­ren.

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