Die Zins­not macht er­fin­de­risch

Fin­tech-Un­ter­neh­men lan­ciert neu­es Säu­le-3a-An­ge­bot

Neue Zurcher Zeitung - - FINANZEN - MICHA­EL FER­BER

Die Zin­sen auf den Kon­ten für das steu­er­lich ge­för­der­te Vor­sor­ge­spa­ren in der Säu­le 3a sind sehr nied­rig. Mit Vi­ac bie­tet ein ers­tes Un­ter­neh­men ei­nen Mit­tel­weg zwi­schen Zins- und Wert­schrif­ten­kon­ten an. Beim Vor­sor­ge­spa­ren mit Säu­le-3aKon­ten sind die Zin­sen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ra­pi­de ge­sun­ken. Ge­mäss ei­ner Aus­wer­tung der Fi­nanz­be­ra­tung Ver­mö­gen­s­part­ner lie­gen sie der­zeit zwi­schen 0 und 0,7%. Laut ei­nem Fi­nanz­dienst­leis­ter lag der Durch­schnitt der 3a-Kon­to­zin­sen per En­de Sep­tem­ber die­ses Jah­res bei 0,25%. Lohnt sich das Vor­sor­ge­spa­ren da über­haupt noch? Vie­le Fi­nanz­in­sti­tu­te prei­sen als Al­ter­na­ti­ve zu den 3a-Zins­kon­ten ih­re haus­ei­ge­nen Säu­le-3a-Wert­schrif­ten­fonds an. Die­se ha­ben aber oft ho­he Ge­büh­ren.

Po­pu­lä­re Zins­kon­ten

Zu­dem den­ken vie­le Spa­rer sehr kon­ser­va­tiv und wol­len die da­mit ein­her­ge­hen­den Ri­si­ken nicht ein­ge­hen. Das lässt sich zu­min­dest aus der Sta­tis­tik fol­gern: So liegt die gros­se Mehr­heit der bei Banken in­ves­tier­ten Säu­le-3a-Gel­der auf Zins­kon­ten. Ge­mäss dem Ver­ein Vor­sor­ge Schweiz wa­ren 2016 le­dig­lich rund 23% der bei sei­nen Mit­glie­dern an­ge­leg­ten Vor­sor­ge­gel­der in Wert­schrif­ten­lö­sun­gen in­ves­tiert, wie es in ei­ner Studie der Cre­dit Suis­se heisst.

Das Fin­tech-Un­ter­neh­men Vi­ac, das mit der WIR Bank ko­ope­riert, will sich die­se Si­tua­ti­on zu­nut­ze ma­chen. Man wol­le die Lü­cke zwi­schen dem rei­nen 3a-Zins­kon­to und dem Wert­schrif­ten­spa­ren schlies­sen, heisst es bei dem Un­ter­neh­men. Da­für soll ei­ne neue Vor­sor­ge­lö­sung sor­gen. Im Ge­gen­satz zu ei­nem klas­si­schen Vor­sor­ge­kon­to setzt sich die­se aus 95% ver­zins­tem Cash (Zins: 0,3%) und ei­nem Wert­schrif­ten­an­teil von 5% zu­sam­men. Laut dem An­bie­ter wird Letz­te­rer oh­ne Ge­büh­ren ver­wal­tet. Als er­war­te­te Ren­di­te gibt Vi­ac 0,635% pro Jahr an, die­se Be­rech­nung ba­siert auf Er­trä­gen der Ak­ti­en in Hö­he von 7% jähr­lich. Das Pro­dukt soll ab dem 10. No­vem­ber ver­füg­bar sein. Wird das An­ge­bot des Jung­un­ter­neh­mens ein Er­folg, ist es gut denk­bar, dass Wett­be­wer­ber nach­zie­hen und ähn­li­che Kon­ten lan­cie­ren. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat es in der Säu­le 3a ei­ni­ge In­no­va­tio­nen ge­ge­ben. Da­bei ist et­wa an Säu­le-3a-Wert­schrif­ten­fonds zu den­ken, die auf Ind­ex­pro­duk­ten ba­sie­ren. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sind auch im­mer mehr Pro­duk­te mit sehr ho­hem Ak­ti­en­an­teil auf den Markt ge­kom­men.

«Ren­di­te vom Staat»

Säu­le-3a-Wert­schrif­ten­lö­sun­gen ha­ben auf lan­ge Sicht ge­se­hen hö­he­re Ren­di­ten er­zielt als 3a-Zins­kon­ten. Letz­te­re ha­ben aber trotz dem an­hal­ten­den Nied­rig­zins­um­feld ei­ne Be­rech­ti­gung. Für An­le­ger kann es sinn­voll sein, ih­re Ak­ti­en­an­la­gen in der frei­en Vor­sor­ge zu tä­ti­gen und die 3a-Zins­kon­ten als «Ob­li­ga­tio­nen­er­satz» zu nut­zen. Schliess­lich er­hal­ten sie im­mer noch et­was hö­he­re Zin­sen als auf nor­ma­len Spar­kon­ten.

Aus­ser­dem soll­ten die Spa­rer ei­nes nicht ver­ges­sen: Die steu­er­li­chen Be­güns­ti­gun­gen in der ge­bun­de­nen Vor­sor­ge der Säu­le 3a kom­men ei­ner «Ren­di­te vom Staat» gleich, die sie sich nicht ent­ge­hen las­sen soll­ten.

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