Pro­fi­tiert Glen­co­re vom ra­dio­ak­ti­ven Kobalt?

Neue Zurcher Zeitung - - REFLEXE -

Ge­rald Hosp · In der le­gen­dä­ren bri­ti­schen Fern­seh­se­rie «Yes, Mi­nis­ter» ant­wor­ten die Be­am­ten auf die Fra­gen der Po­li­ti­ker meist ein­deu­tig mehr­deu­tig: «Ja und nein.» Dies ist auch die Ant­wort auf die Fra­ge, ob ein Ver­kaufs­stopp von Kobalt für Glen­co­re gut oder schlecht ist. Der Schwei­zer Roh­stoff­kon­zern hat­te in den Ko­balt­lie­fe­run­gen ei­ner Mi­ne in Kon­goKinsha­sa ge­rin­ge Men­gen an ra­dio­ak­ti­vem Uran ent­deckt. Die Ver­käu­fe wur­den so­fort ein­ge­stellt. Bis Mit­te 2019 will Glen­co­re ei­nen Io­nen­tau­scher in­stal­lie­ren, um das Uran vom Kobalt zu tren­nen.

Kobalt wird für die Her­stel­lung leis­tungs­fä­hi­ger Bat­te­ri­en ver­wen­det und wird durch die stei­gen­de Nach­fra­ge nach Elek­tro­fahr­zeu­gen im­mer wich­ti­ger. Glen­co­re nimmt beim Ko­balt­ab­bau ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung ein: Der­zeit fällt in Kon­go-Kinshasa rund die Hälf­te der welt­wei­ten Pro­duk­ti­on an. Und rund die Hälf­te der Ko­balt­pro­duk­ti­on in Kon­go-Kinshasa stammt aus Mi­nen von Glen­co­re. Der Kon­zern stell­te den Plan auf, die För­der­men­gen im kom­men­den Jahr zu ver­dop­peln. Ein Ver­kaufs­aus­fall wä­re zu­nächst schäd­lich. Weil aber der Preis für Kobalt trotz dem Hy­pe in die­sem Jahr ge­fal­len ist, kann ei­ne an­de­re Rech­nung auf­ge­stellt wer­den. Die No­tiz für das Me­tall dürf­te dar­un­ter ge­lit­ten ha­ben, dass mehr Men­gen auf den Markt ka­men, dar­un­ter auch von Glen­co­re, und dass die Su­che nach güns­ti­ge­rem Er­satz und nach neu­en Tech­no­lo­gi­en in­ten­si­viert wur­de.

Die Nach­richt von Glen­co­re wirk­te aber wie ein Zu­cker­rausch. Ak­ti­en­kur­se an­de­rer Ko­balt­fir­men gin­gen in die Hö­he, der Ko­balt­preis zog an. Der Baa­rer Kon­zern kennt sich gut da­mit aus, Men­gen vom Markt zu neh­men, um den Preis zu er­hö­hen. Glen­co­re hat wei­te­re Ko­balt­mi­nen und kann vom Preis­auf­trieb pro­fi­tie­ren. Der Ver­kaufs­aus­fall zeigt aber ge­nau die Pro­ble­me für die Ab­neh­mer auf, wenn die Pro­duk­ti­on in ei­nem Land und auch in ei­nem Un­ter­neh­men kon­zen­triert ist. Der Su­che nach Al­ter­na­ti­ven zu Kobalt ist dies nur zu­träg­lich.

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