Du­ell der Pop­stars

Die neu auf­ge­leg­te Feh­de von Kanye West mit Tay­lor Swift ver­rät viel über den Kul­tur­kampf in den USA

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Mar­tin Su­ter New York

Die­ser Streit scheint sich nun wirk­lich nicht bei­le­gen zu las­sen. Die fast zehn Jah­re wäh­ren­de Feh­de zwi­schen der Pop­sän­ge­rin Tay­lor Swift und dem Rap­per Kanye West hat die­se Wo­che neu­en Auf­trieb er­hal­ten. Nur fin­den sich die zwei Su­per­stars jetzt auf ver­tausch­ten Sei­ten der po­li­ti­schen Fron t wie­der.

Mit sei­nem Be­such beim Uso­val Prä­si­den­ten im Of­fice hat sich der einst be­ju­bel­te West m Don­ners­tag end­gül­tig mit dem links­li­be­ra­len Esta­blish­ment ver­fein­det. Von glei­chen Krei­sen ern­frü­her te­te da­ge­gen die als un­po­li­ver­spot­te­te ti­sches Land­ei Swift Lor­bee­ren, weil sie vier Ta­ge vor­her zwei de­mo­kra­ti­sche Kon­gres­sih­rem kan­di­da­ten aus Hei­mat­staat Ten­nes­see zur Wahl emp­foh­len hat­te. Der Rol­len­tausch der zwei Pop-iko­nen dreht sich na­tür­lich um Trump und die von ihm ver­po­li­ti­schen tief­ten Grä­ben.

jun­ge

Tay­lor Swift will Ame­ri­ka­ner mo­ti­vie­ren

West war lan­ge ei­ne der ak­zep­stim­men tier­tes­ten der afro­kul­tur­welt. ame­ri­ka­ni­schen

Der Auf­stieg in den po­li­tisch kor­rek­ten Olymp ge­lang ihm 2006, als er nach dem Wir­bel­sturm Ka­tri­na in ei­ne Li­veka­me­ra sagt : «Ge­or­ge Bush küm­mert sich nicht um Schwar­ze.»

Beim Fi­na­le der MTV Vi­deo Awards von 2009 stürm­te er auf die Büh­ne, wo Tay­lor Swift den Preis für das bes­te Vi­deo ent­ge­gen­nahm. Un­ge­fragt ent­riss er der blon­den Sän­ge­rin das Mi­kro­fon und sag­te, den Preis hät­te ei­gent­lich die schwar­ze Beyon­cé ver­dient. Seit­her sind die Aber­mil­lio­nen zäh­len­den Fan­ge­mein­den der zwei Stars eispin­ne­feind. nan­der

Doch jetzt wis­sen vie­le An­hän­ger nicht mehr, wo sie hin­ge­hö­ren. Tay­lor Swift, von der man bis­her nie et­was Po­li­ti­sches ge­hört hat, kün­dig­te ih­re Stimm­ab­ga­be für Kan­di­da­ten an, «die für die Men­kämp­fen, schen­rech­te die wir al­le ver­die­nen». Am Schluss ih­res Text­ins­ta­gram bei­trags auf rief die 28-Jäh­ri­ge al­le jun­gen Ame­ri­ka­wäh­ler ner auf, sich als re­gis­trie«hap­py ren zu las­sen: Vo­ting!» Swift brach ihr Schwei­gen ei­nen Mo­nat vor ei­ner Kon­gress­wahl­run­de, über die in der ideo­lo­gisch ge­spal­te­nen Us-öf­fent­lich­keit die Ner­ven blank lie­gen. Nach ei­nem Jahr der #Metoo-be­we­gung füh­len sich be­son­ders Frau­en auf­ge­meh­re­rer ru­fen, dem se­xu­el­ler Über­grif­fe ver­däch­tig­ten Trump ei­nen Denk­zet­tel zu er­tei­len. Der 13 Jah­re äl­te­re West hin­ge­gen him­melt Trump an. Im Oval Of­fice schlug er wie­der­holt auf das Prä­si­den­ten­pult, rühm­te sich ei­nen «Mo­ther­fu­cker» und schwärm­te: «Die ro­te ‹Ma­ke Ame­ri­ca Gre­at Again›-müt­ze gibt mir ir­gend­wie Macht.» Be­vor er auf­stand und den ge­gen­über­sit­zen­den Trump in die Ar­me schloss, sag­te der Rap­per: «Da­mit machst du mich zum Su­per­man.»

Wests Wor­te flos­sen wie ein Be­wusst­seins­strom. Was er sag­te, ver­riet aber auch den ak­tu­ell to­ben­den Kul­tur­kampf – bloss aus männ­li­cher Sicht. Hil­la­ry Cl­in­tons Slo­gan «I’m with her», sag­te Kanye, «gab mir ein­fach nicht das Ge­fühl, ein Mann zu sein, der mit sei­nem Sohn Ball spie­len kann.» Va­ter­los auf­ge­wach­sen, ha­be er zu Hau­se «nicht viel männ­li­che Ener­gie» ge­spürt.

Kanye scheint Trump als Ge­gen­fi­gur zum do­mi­nan­ten fe­mi­nis­ti­schen Dis­kurs zu be­grei­fen. Ent­spre­chend ver­setz­te sein Ver­stoss ge­gen die po­li­ti­sche Or­tho­do­xie Fern­seh­kom­men­ta­to­ren in Ra­ge. «Über­ge­schnappt», sag­te Ali Vel­shi auf MSNBC, und sei­ne Kol­le­gin Ste­pha­nie Ruh­le nann­te Wests Auf­tritt ei­nen «An­griff auf un­ser Weis­ses Haus».

In der Hit­ze des Mo­ments spür­te die lin­ke Tv-frau wo­mög­lich nicht, wie ras­sis­tisch ih­re Wor­te klan­gen. Afro­ame­ri­ka­ner auf CNN gin­gen noch wei­ter. Der Rap­per wur­de zum Ver­rück­ten er­klärt, und Kom­men­ta­tor Ba­ka­ri Sel­lers sag­te al­len Erns­tes: «Kanye West ist, was ge­schieht, wenn Ne­ger nicht le­sen.»

Trump zeig­te sich be­geis­tert von Kanyes So­lo­lauf

Fox-news-mo­de­ra­tor Tu­cker Carl­son er­klärt sich die An­grif­fe da­mit, dass der Rap­per ei­ne po­li­ti­sche Ge­fahr dar­stel­le. Kanye sag­te es selbst: Man er­war­te, ein Schwar­zer sei ein De­mo­krat, da­bei sei es Trumps re­pu­bli­ka­ni­sche Re­gie­rung, die Jobs für Afro­ame­ri­ka­ner schaf­fe.

«Ich sag euch, das war ziem­lich ein­drück­lich, Leu­te», kom­men­tier­te Trump nach Kanyes So­lo­lauf. Die ihm nach­ge­sag­ten ras­sis­ti­schen Nei­gun­gen hal­ten den Prä­si­den­ten nicht da­von ab, sich von West po­li­ti­schen Nut­zen zu er­hof­fen. Längst prahlt er mit Um­fra­gen, wo­nach sei­ne Po­pu­la­ri­tät un­ter Schwar­zen mar­kant ge­stie­gen sei. Wech­seln vie­le Afro­ame­ri­ka­ner nach Kanyes Vor­bild das La­ger, wird das die Op­po­si­ti­on ge­gen Trump schwä­chen, vi­el­leicht emp­find­lich.

Je­den­falls sind jetzt bei­de ver­fein­de­ten Pop­stars po­li­ti­sche Ak­teu­re ge­wor­den. Das kann Fol­gen ha­ben. Tay­lor Swifts Co­m­ing-out im Wahl­kampf mo­ti­viert jun­ge Frau­en. Und Kanye West? Sei­ne Re­bel­li­on könn­te län­ger nach­hal­len. Der Rap­per lieb­äu­gelt of­fen da­mit, selbst als Prä­si­dent zu kan­di­die­ren. Frü­hes­tens 2024 lie­ge das drin, deu­te­te er am Don­ners­tag an.

Vi­el­leicht hät­te er so­gar Chan­cen. Mit Kanye West, sei­ner Ehe­frau Kim Kar­da­shi­an und de­ren Sip­pe im Weis­sen Haus er­hiel­te Trumps Rea­li­ty­show ei­ne stim­mi­ge Fort­set­zung.

Fo­tos: AFP, AP

Sie un­ter­stützt de­mo­kra­ti­sche Kan­di­da­ten, er mag Trump und will sel­ber­prä­si­dent wer­den: Tay­lor Swift (links) und Kanye West

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