Fi­na­le in Bay­ern

Der Frei­staat steht vor ei­nem po­li­ti­schen Um­bruch. Was be­deu­tet die heu­ti­ge Wahl für die CSU? Und wie geht es wei­ter mit der Ber­li­ner Ko­ali­ti­on?

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Ro­bert Ross­mann

Heu­te Sonn­tag­abend be­ginnt in Bay­ern ei­ne neue Ära. Seit 1962 hat die CSU mit ei­ner Aus­nah­me im­mer die ab­so­lu­te Mehr­heit der Man­da­te ge­holt. Und selbst im Aus­nah­me­jahr 2008 fehl­ten ihr le­dig­lich zwei Sit­ze zur Al­lein­re­gie­rung. Kei­ne an­de­re Par­tei in Eu­ro­pa do­mi­niert ein Land der­art lang und über­mäch­tig wie die CSU. Doch die­se Er­folgs­ge­schich­te wird heu­te Abend zu En­de ge­hen. Selbst wenn die CSU doch noch in die Nä­he der 40-Pro­zent-mar­ke kä­me (in der letz­ten Um­fra­ge des deut­schen Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Wahlen vom Don­ners­tag er­reicht sie 34 Pro­zent), wä­re sie weit von ei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit ent­fernt.

Die Par­tei wirbt für sich mit dem Slo­gan «Das Bes­te für Bay­ern». Doch die Mehr­heit der Bay­ern scheint die CSU nicht mehr für das Bes­te im Frei­staat zu hal­ten. Die­se Er­kennt­nis wird na­tur­ge­mäss Er­schüt­te­run­gen in der CSU ver­ur­sa­chen. Doch we­gen der Son­der­rol­le der Christ­so­zia­len wird das Er­geb­nis auch in Ber­lin po­li­ti­schen Wir­bel aus­lö­sen.

Egal wie es aus­geht, An­ge­la Mer­kel hat ein Pro­blem

In der CDU stel­len sie sich je­den­falls schon auf al­ler­lei Un­bill ein. Denn das baye­ri­sche Er­geb­nis kann An­ge­la Mer­kel in kei­nem Fall Freu­de be­rei­ten. Ent­we­der er­reicht die CSU wi­der Er­war­ten doch noch ein – zu­min­dest im Ver­gleich zu den Um­fra­gen – ak­zep­ta­bles Er­geb­nis. Dann wer­den die Christ­so­zia­len in Ber­lin breit­bei­nig auf­tre­ten und ge­nuss­voll dar­auf ver­wei­sen, dass die Uni­on im Bund le­dig­lich bei de­sas­trö­sen 26 Pro­zent steht. Oder die CSU ver­liert so deut­lich, wie es die Um­fra­gen er­war­ten las­sen. Dann wird die CSU nach Sün­den­bö­cken su­chen und da­bei auch An­ge­la Mer­kel fin­den.

Und dann ist da ja auch noch Horst See­ho­fer. Der CSU-CHEF ver­hält sich in die­sen Ta­gen zwar so, als ob sein Ver­bleib an der Par­tei­spit­ze und im In­nen­mi­nis­te­ri­um nicht zur Dis­po­si­ti­on stün­de. Am Di­ens­tag will er, aus­drück­lich als «Csu-vor­sit­zen­der», in der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz die «Aus­wir­kun­gen der Land­tags­wah­len in Bay­ern auf die Bun­des­po­li­tik» er­klä­ren. Da­bei ist längst nicht aus­ge­macht, dass See­ho­fer den heu­ti­gen Abend po­li­tisch über­lebt.

Aber auch hier gilt: Egal wie es aus­geht, Mer­kel hat ein Pro­blem. Ent­we­der hat sie es dann mit ei­nem enorm ge­schwäch­ten In­nen­mi­nis­ter und CSU-CHEF zu tun, an­ge­zähl­te Po­li­ti­ker sind aber die un­be­re­chen­bars­ten. Oder sie be­kommt ei­nen neu­en In­nen­mi­nis­ter. Wen im­mer die CSU dann auch vor­schlägt, es wird wie­der zu har­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen in den Schwes­ter­par­tei­en kom­men.

Da­bei ist Mer­kel auch oh­ne CSU schon in ei­ner ge­fähr­li­chen La­ge. Als sie im Sep­tem­ber 2015 ent­schied, die Flücht­lin­ge aus Un­garn nach Deutsch­land ein­rei­sen zu las­sen, stand die Uni­on noch bei gut 40 Pro­zent. Seit­dem hat sie 15 Pro­zent­punk­te ver­lo­ren. Und rechts von ihr hat sich die Af D eta­bliert.

Be­reits jetzt ist die La­ge in der CDU brenz­lig. Doch wenn Vol­ker Bouf­fier in zwei Wo­chen bei der Land­tags­wahl in Hes­sen sein Amt als Mi­nis­ter­prä­si­dent ver­lie­ren soll­te, wird Mer­kel in ih­rer Par­tei ge­wal­tig un­ter Druck ge­ra­ten. Sie hat zwar be­reits er­klärt, sich auf dem Par­tei­tag An­fang De­zem­ber der Wie­der­wahl als Par­tei­prä­si­den­tin stel­len zu wol­len. «Aber wenn Hes­sen ver­lo­ren geht, wird in der CDU nichts mehr si­cher sein», sagt ei­ner aus der Par­tei­spit­ze.

Für die SPD wird die Hes­sen­wahl noch mehr zum Prüf­stein

Mit der baye­ri­schen Land­tags­wahl bre­chen al­ler­dings auch für die SPD zwei tur­bu­len­te Wo­chen an. Die neue Par­tei­che­fin Andrea Nah­les ist be­reits jetzt in schwe­rem Fahr­was­ser. Ih­re Stra­te­gie, die SPD durch gu­tes Re­gie­ren in der gros­sen Ko­ali­ti­on wie­der auf­zu­rich­ten, ist nicht auf­ge­gan­gen.

Das liegt na­tür­lich nicht nur an Nah­les, die Uni­on hat mit ih­rem Streit um die Flücht­lings­po­li­tik er­heb­lich zum schlech­ten Er­schei­nungs­bild der Re­gie­rung bei­ge­tra­gen. Aber das hilft der Spd-che­fin we­nig. Ih­re Par­tei ist in den bun­des­wei­ten Um­fra­gen auf 15 Pro­zent ab­ge­rutscht, sie liegt in­zwi­schen hin­ter Uni­on, AFD und Grü­nen nur noch auf Platz vier.

Dass Nah­les in ih­rer Par­tei noch nicht of­fen in­fra­ge ge­stellt wird, hat vor al­lem zwei Grün­de. Auch die Kri­ti­ker ah­nen, dass es sich die SPD nicht leis­ten kann, bin­nen ein­ein­halb Jah­ren zum vier­ten Mal den Par­tei­chef aus­zu­tau­schen. Und vor den Land­tags­wah­len in Bay­ern und Hes­sen gilt es, Dis­zi­plin zu wah­ren. Aber wie geht es da­nach in der SPD wei­ter?

Ein schlech­tes Er­geb­nis in Bay­ern hat die SPD schon weit­ge­hend ein­kal­ku­liert – was den Frei­staat an­geht, ist die Bun­des-spd fa­ta­lis­tisch ge­wor­den. Ent­schei­dend für Nah­les wird die Wahl in Hes­sen wer­den. Das Land wur­de nach dem Zwei­ten Welt­krieg ein hal­bes Jahr­hun­dert lang von So­zi­al­de­mo­kra­ten re­giert, in der Wahr­neh­mung vie­ler Ge­nos­sen ist es im­mer noch das «ro­te Hes­sen». Wenn es der hes­si­schen SPD nicht ge­lin­gen soll­te, we­nigs­tens Ju­ni­or­part­ner in ei­ner gros­sen Ko­ali­ti­on zu wer­den, dürf­ten in der SPD hef­ti­ge De­bat­ten aus­bre­chen, ob man die Bun­des­re­gie­rung ver­las­sen muss.

Kurz­um: Die Wahl in Bay­ern ist der Auf­takt zu zwei Wo­chen, an de­ren En­de es in al­len drei Ko­ali­ti­ons­par­tei­en lich­ter­loh bren­nen könn­te. Gu­te Aus­sich­ten für die Bun­des­re­gie­rung sind das nicht.

Fo­to: Reu­ters

Tra­di­ti­on am Ok­to­ber­fest: Doch vie­le Wäh­ler wol­len mit der Do­mi­nanz der CSU bre­chen

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