Die Sehn­sucht nach dem Ex­tra

SonntagsZeitung - - FUSSBALL -

Xha­ka ha­ben sie ih­ren neu­en Le­a­der ge­fun­den, der auf dem Platz sehr viel Prä­senz be­sitzt. In ih­rer Ent­wick­lung sind sie im­mer­hin so weit ge­kom­men, dass sie die Qua­li­fi­ka­ti­on für ei­ne End­run­de als Pflicht an­schau­en.

Die Sta­tis­tik spricht für sie, be­vor sie die­sen Som­mer an der WM den Ach­tel­fi­nal ge­gen Schwe­den be­strei­ten: Von den vor­an­ge­gan­ge­nen 25 Par­ti­en ha­ben sie nach 90 oder 120 Mi­nu­ten bloss ei­ne ver­lo­ren, bei Ro­nal­dos Por­tu­gal.

Dann al­ler­dings ver­lie­ren sie ge­gen ein spie­le­risch bie­de­res Schwe­den 0:1, und nach­dem sie Is­land 6:0 ab­ge­fer­tigt ha­ben, ver­lie­ren sie in En­g­land und jetzt auch in Belgien. Und auf ein­mal ste­hen in vier Spie­len drei Nie­der­la­gen zu Bu­che.

Gra­nit Xha­ka sagt in Brüs­sel: «Ir­gend­wann bringt uns ein gu­ter Auf­tritt auch nichts. Lie­ber spie­len wir ein­mal schlecht und ho­len et­was, ei­nen Sieg oder zu­min­dest ein Un­ent­schie­den. Wir müs­sen so wei­ter­ma­chen, frech sein, aber wir müs­sen cle­ve­rer spie­len.» Cle­ver­ness hat eben auch mit Klas­se zu tun, mit der Ein­sicht, auch ein­mal mit ei­nem 1:1 zu­frie­den zu sein und dem Geg­ner nicht die ent­schei­den­den Räu­me zu bie­ten, wie das in Brüs­sel beim zwei­ten Tor der Fall ge­we­sen ist. «Dann müs­sen wir eben wäh­rend 20 Mi­nu­ten hin­ten zu­ma­chen», um­schreibt es Tor­hü­ter Yann Som­mer.

Lu­ka­ku zeigt Zu­ber, wie man ei­nen Tem­po­an­griff ab­schliesst

Oft­mals sind es zwei, drei Mo­men­te, die über den Aus­gang ei­nes Spiels be­fin­den. Ge­gen Schwe­den ist es ein Schuss, den Ma­nu­el Akan­ji ent­schei­dend ab­fälscht. In En­g­land nimmt Shaqi­ri vor der Pau­se das Ge­schenk ei­nes Ab­wehr­feh­lers nicht an, das tut da­für Mar­cus Rash­ford. In Belgien kön­nen die Schwei­zer mit Über­zahl kon­tern, aber Ste­ven Zu­ber bleibt mit sei­nem Pass an ei­nem Bel­gi­er hän­gen; Lu­ka­ku da­ge­gen zeigt, wie man ei­nen Tem­po­an­griff er­folg­reich ab­schliesst.

Oder da ist Som­mer, nor­ma­ler­wei­se die Zu­ver­läs­sig­keit in Per­son. Bei die­ser ei­nen Sze­ne nach 58 Mi­nu­ten im Kö­nig­bau­dou­in-sta­di­on spe­ku­liert er auf ei­nen Schuss in die rech­te Ecke. Aber Lu­ka­ku trifft den Ball nicht rich­tig, und Som­mer rutscht der Ball un­ter dem Bauch durch. Als ein Jour­na­list freund­lich zu er­klä­ren ver­sucht, an der WM ha­be er ei­nen sol­chen Ball auch schon ge­hal­ten, lacht Som­mer und sagt: «Ma­chen Sie nicht ei­nen sol­chen Um­weg.» Er weiss, er hat nicht gut aus­ge­se­hen.

Auf der an­de­ren Sei­te lässt Thi­baut Cour­tois ei­nen Schuss von Shaqi­ri in der letz­ten Mi­nu­te ab­pral­len, er setzt nach, greift mit der Hand nach dem Ball und be­rührt auch Mario Gav­ra­no­vic am Fuss. Der Schwei­zer geht zu Bo­den. Hat er Glück, gibt es da­für ei­nen Elf­me­ter. Der Schieds­rich­ter aber hat of­fen­bar den Ein­druck, er las­se sich zu früh fal­len. So be­rich­tet es Xha­ha nach sei­ner Kon­ver­sa­ti­on mit dem Spa­nier Ma­teu Lahoz.

Für die Bel­gi­er ist es auch dar­um ein net­ter Abend. Die Zu­schau­er ha­ben ih­re Hel­den von der WM erst­mals wie­der da­heim im Ein­satz ge­se­hen. Für 90 Mi­nu­ten ist der Skan­dal um an­geb­li­che Geld­wä­sche­rei und Spiel­ma­ni­pu­la­tio­nen in der na­tio­na­len Meis­ter­schaft ver­ges­sen.

Und die Schwei­zer? Sie ge­hen in die Nacht hin­aus und hal­ten sich an Pet­ko­vics Satz fest: «Wir ha­ben noch im­mer die Chan­ce, den 1. Platz in un­se­rer Grup­pe ho­len zu kön­nen.» Da­für müs­sen sie nur mor­gen in Is­land ge­win­nen – und im No­vem­ber das Heim­spiel ge­gen Belgien.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.