Es reicht ja so­wie­so

Ei­ne klei­ne Stei­ge­rung – und der ZSC macht in Da­vos aus ei­nem 0:2 ein 3:2

SonntagsZeitung - - EISHOCKEY - Kris­ti­an Kapp

Die­se ZSC Li­ons ge­ben Rät­sel auf. Oder ist es bloss das Selbst­ver­trau­en des Meis­ters, die­se un­er­schüt­ter­li­che Ge­wiss­heit, dass es ja doch reicht, so­bald man ein we­nig aufs Gas­pe­dal drückt? Es könn­te ei­ne Fol­ge des letzt­jäh­ri­gen Sai­son­ver­laufs sein, als die Zürcher nach ei­ner la­men­ta­blen Qua­li­fi­ka­ti­on dank gran­dio­sem Play­off auf den Thron stürm­ten. Und ja, ges­tern reich­te es ja wie­der ein­mal, im ent­schei­den­den Mo­ment pa­rat zu sein. Das Trü­ge­ri­sche : Nicht je­der Geg­ner ist der­art fra­gil wie Da­vos, nicht im­mer wird es rei­chen, sich nach ei­nem 0:2-Rück­stand ein we­nig mehr Mü­he zu ge­ben.

Denn lan­ge Zeit war es an­ge­sichts der Qua­li­tät in die­sem Ka­der bie­der, wie der ZSC auf­trat. Nach­dem die Zürcher am Di­ens­tag in der Cham­pi­ons Ho­ckey Le­ague ge­gen Wi­en end­lich die Lust an der Of­fen­si­ve ent­deckt zu ha­ben schie­nen, kam nun zu­nächst die­ser blut­lee­re Auf­tritt. Das Bes­te am Start­drit­tel war aus Zürcher Sicht das Re­sul­tat. Nur 1:0 führ­te der HCD, der ZSC war gut be­dient. Dies ge­gen ei­nen Wi­der­sa­cher, der zu­letzt kom­plett aus­ser Rand und Band agiert hat­te.

Die­ses ei­ne Tor nach nur 90 Se­kun­den ver­dient ei­ne de­tail­lier­te Er­wäh­nung: Den Tref­fer er­ziel­te And­res Am­bühl. Das war et­was Be­son­de­res, weil der Hcd-cap­tain bis­lang sinn­bild­lich für den Tief­flug des Re­kord­meis­ters war: Der 35-Jäh­ri­ge war in den ers­ten neun Spie­len bei kei­nem ein­zi­gen Plus­tor bei Fünf-ge­gen-fünf-eishockey auf dem Eis ge­stan­den. Und an­de­rer­seits schoss Am­bühl das Tor als Ver­tei­di­ger, nicht als Stür­mer – erst­mals in sei­ner lan­gen Kar­rie­re star­te­te der Ur-da­vo­ser ein Spiel auf die­ser Po­si­ti­on. Er mach­te das ins­ge­samt ganz gut und kann für Trai­ner Del Cur­to ei­ne ech­te Op­ti­on in der De­fen­si­ve wer­den.

Das wei­te­re War­ten von Bo­den­mann und Cer­ven­ka

Am­bühl war bis­lang ei­nes von vie­len Sor­gen­kin­dern, da­von gibt es aber auch beim ZSC ei­ni­ge. So stan­den zwei pro­mi­nen­te Zürcher Neu­zu­zü­ge, Ro­man Cer­ven­ka und Si­mon Bo­den­mann, bis­lang nur bei Po­wer­play­to­ren auf dem Eis – die bei­den sind de­fi­ni­tiv noch nicht an­ge­kom­men auf dem Zürcher Eis­ho­ckey­pla­ne­ten. Da dürf­te Zsc­trai­ner Ser­ge Au­bin mit Ge­nug­tu­ung fest­stel­len, dass wenn das kämp­fe­ri­sche Ele­ment von­nö­ten wird, sei­ne jun­gen Spie­ler pa­rat sind. Vor al­lem Jé­rô­me Ba­chof­ner, aber auch Ra­pha­el Prassl wa­ren Prot­ago­nis­ten, als der ZSC aus dem 0:2 ein 3:2 mach­te. Der vier­te Sieg en sui­te lässt den ZSC nach Ver­lust­punk­ten auf drei Zäh­ler an Le­a­der Biel her­an­rü­cken. Doch was ist die­ser wei­te­re mi­ni­ma­lis­ti­sche Drei­er bei ei­nem Geg­ner, der mitt­ler­wei­le mit Rap­pers­wil-jo­na das klar schlech­tes­te Duo der Liga bil­det, wirk­lich wert?

Am En­de schimpf­ten Da­vo­ser Pu­bli­kum und Spie­ler über die Refs, die kei­ne ein­zi­ge Zsc-stra­fe ver­hängt hat­ten. Doch es wä­re ein Trug­schluss, sie zum Ver­hin­de­rer des Da­vo­ser Auf­bäu­mens zu stem­peln. Der HCD steckt in der Kri­se, auch der Start oder die 2:0-Füh­rung kurz vor Spiel­mit­te dür­fen höchs­tens als klei­ne Hoff­nungs­schim­mer gel­ten. Im­mer­hin gab es zwei Er­kennt­nis­se: Im Tor spiel­te mit Senn erst­mals ein Schwei­zer, ein Qua­li­täts­ver­lust war nicht zu se­hen. Und Lind­gren gab ein Come­back, ob­wohl er mit­ten in ei­nem Auf­bau­trai­ning steckt. Der Fin­ne war da­für er­staun­lich gut. Am­bühl, Senn, Lind­gren – der HCD blieb un­be­re­chen­bar, aber den­noch auch er­folg­los.

Fo­to: Keysto­ne

Die Jun­gen schlüp­fen beim Meis­ter in die un­ge­wohn­ten Haupt­rol­len: Ra­pha­el Prassl und Jé­rô­me Ba­chof­ner beim 3:2-Sieg­tref­fer

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