SRF bi de Jun­ge

Wie das Fern­se­hen über­le­ben will

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Andre­as To­bler

Wenn man das Schwei­zer Fern­se­hen in ei­nem Bild zu­sam­men­fas­sen möch­te, dann könn­te man es mit ei­ner Se­nio­ren-wg ver­glei­chen, in der man sich gut an­ein­an­der ge­wöhnt hat. Und in der al­le et­was für sich im ge­mein­sa­men Kühl­schrank fin­den, der vom Per­so­nal re­gel­mäs­sig mit neu­en In­hal­ten be­stückt wird. Gut, manch­mal regt sich ei­ner der Be­woh­ner scham­par auf, weil et­was fehlt oder nicht ganz so ist, wie er es möch­te, dann schreibt er ei­nen ge­pfef­fer­ten Brief an den Om­buds­mann oder ei­ne wü­ten­de E-mail ans Per­so­nal. Aber ei­gent­lich sind al­le Be­woh­ner ziem­lich zu­frie­den. Und ei­gent­lich könn­te al­les so wei­ter­ge­hen.

Aber ab 1. Ja­nu­ar 2019 müss­te nun doch ei­ni­ges an­ders wer­den. Denn ge­mäss neu­er Kon­zes­si­on, die dann in Kraft tritt, muss die SRG «An­ge­bo­te für jun­ge Men­schen» be­reit­stel­len, ei­ne Pas­sa­ge, die es in der al­ten Kon­zes­si­on von 2008 noch nicht gab – die aber drin­gend nö­tig scheint. Denn ob­wohl sie von uns al­len fi­nan­ziert wird und mit ih­rem pu­bli­zis­ti­schen An­ge­bot den un­ter­schied­li­chen An­lie­gen und In­ter­es­sen Rech­nung tra­gen soll, er­reicht die SRG mit ih­ren Fern­seh- und Ra­dio­pro­gram­men über­wie­gend äl­te­res Pu­bli­kum. Die Zu­schau­er von SRF 1 sind im Schnitt 60,8 Jah­re alt. Zum Ver­gleich: Das Durch­schnitts­al­ter der Schwei­zer Be­völ­ke­rung liegt bei 42 Jah­ren.

Ge­ring­fü­gig jün­ger als der Schwei­zer Durch­schnitt ist bei SRF ei­gent­lich nur das Pu­bli­kum des «Gu­et­nachtg­schicht­li» – mit ei­nem Al­ters­durch­schnitt von 40 Jah­ren. Die Zu­schau­er der an­de­ren wie­der­keh­ren­den Sen­dun­gen ver­fü­gen al­le über deut­lich mehr Le­bens­er­fah­rung: Von der Sa­ti­re­sen­dung «De­vil­le», die am Frei­tag kurz vor Mit­ter­nacht läuft und de­ren Zu­schau­er im Schnitt et­was äl­ter als 56,5 Jah­re sind, über je­ne der «Are­na» und der «Ta­ges­schau», die bald pen­sio­niert wer­den, bis hin zum «Samsch­tig-jass», des­sen Pu­bli­kums­durch­schnitt be­reits seit meh­re­ren Jah­ren AHV be­zie­hen kann.

Nicht viel an­ders sieht es beim Ra­dio aus. In­so­fern war es si­cher rich­tig, dass der Bun­des­rat mit der neu­en Kon­zes­si­on auf An­ge­bo­te für Men­schen bis zum 35. Le­bens­jahr pocht. Nicht zu­letzt, weil die SRG ih­re Wei­ter­exis­tenz den Jun­gen zu ver­dan­ken hat. Denn pa­ra­do­xer­wei­se wa­ren es ge­ra­de Wäh­ler un­ter vier­zig, die mit acht­zig Pro­zent am ent­schie­dens­ten ge­gen die No-bil­lag-initia­ti­ve wa­ren. Und dies, ob­wohl sie weit­aus sel­te­ner Srg-in­hal­te nut­zen als al­le an­de­ren Ge­ne­ra­tio­nen.

Aber wie – zum Teu­fel – will SRF jun­ge Men­schen an­spre­chen, wenn ihr dies mit den li­nea­ren Fern­seh- und Ra­dio­pro­gram­men of­fen­sicht­lich nicht oder nur schlecht ge­lingt? Und wie will man sich ge­gen ei­ne über­mäch­ti­ge Kon­kur­renz be­haup­ten, die hoch­wer­ti­ge In­hal­te in rau­en Men­gen zur Ver­fü­gung stel­len kann, et­wa ge­gen­über dem kos­ten­pflich­ti­ge Se­ri­en­dienst Net­flix, dem Strea­m­ing­an­ge­bot Spo­ti­fy oder der Vi­deo­platt­form Youtu­be?

In­dem SRF mit sei­nen In­hal­ten die jun­gen Men­schen ge­nau dort er­rei­chen will, wo sie ten­den­zi­ell öf­ter an­zu­tref­fen sind: im In­ter­net. Dort bie­tet SRF in­zwi­schen auf un­ter­schied­lichs­ten Ka­nä­len For­ma­te an, die ex­klu­siv fürs Netz pro­du­ziert wer­den – und Men­schen un­ter 35 Jah­re an­spre­chen sol­len. «Es geht nicht dar­um, die Mar­ken und Ma­ga­zi­ne aus dem li­nea­ren Pro­gramm eins zu eins ins Di­gi­ta­le zu trans­fe­rie­ren», sagt Chris­toph Ae­ber­sold, der beim SRF für Stra­te­gie und An­ge­bot im Be­reich Jun­ge Ziel­grup­pe ver­ant­wort­lich ist. «Viel­mehr wol­len wir die Stär­ken und Kom­pe­ten­zen von SRF nut­zen und un­se­re In­hal­te auch dort an­bie­ten, wo das jun­ge Pu­bli­kum un­ter­wegs ist – zum Bei­spiel auf So­ci­al-me­dia-platt­for­men. Das steht so auch in un­se­rem Auf­trag.»

Da­mit fährt die SRG ei­ne an­de­re Stra­te­gie als et­wa die ARD oder das ZDF, die in Sa­chen Übe­r­al­te­rung mit ähn­li­chen Pro­ble­men

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