SRF kämpft um sei­ne Zu­kunft

SonntagsZeitung - - KULTUR -

zu kämp­fen ha­ben: Mit «Funk» ha­ben die deut­schen Fern­seh­ma­cher 2016 ein ei­ge­nes Por­tal ge­grün­det, auf dem On­line­for­ma­te für jun­ge Er­wach­se­ne an­ge­bo­ten wer­den. Mit Zdfneo ging zu­dem 2009 ein Ka­nal für jun­ges Pu­bli­kum auf Sen­dung, der im­mer wie­der ins kol­lek­ti­ve Be­wusst­sein rückt, wenn Jan Böh­mer­mann mit sei­ner dort lau­fen­den Show viral­geht.

Bei SRF sind die In­hal­te da­ge­gen noch ganz an die ur­sprüng­li­chen Mar­ken ge­kop­pelt, da der Auf­bau ei­nes neu­en La­bels sehr teu­er ist und vie­le Res­sour­cen bin­det. «Ei­ner­seits ha­ben wir die­se Mit­tel bei SRF nicht, an­de­rer­seits glau­ben wir nicht, dass es der rich­ti­ge Weg ist, ei­ne neue Mar­ke auf­zu­bau­en. Zu­dem ha­ben wir zum Bei­spiel mit SRF 3 und Vi­rus be­reits Mar­ken, die im On­lin­ebe­reich beim jun­gen Ziel­pu­bli­kum ver­an­kert sind», sagt Ae­ber­sold.

Zwar ist auch bei SRF 3 und bei Vi­rus gut die Hälf­te des Pu­bli­kums be­reits über 45 Jah­re, aber die Mit­tel für den Be­reich Jun­ge Ziel­grup­pe schei­nen sehr knapp zu sein: Ins­ge­samt ste­hen da­für nur rund 6,5 Mil­lio­nen Fran­ken zur Ver­fü­gung. Da­mit muss al­les von SRF Vi­rus, des Bil­dungs­an­ge­bots SRF myschool, das Kin­der­pro­gramm Zam­bo fi­nan­ziert wer­den – im In­ter­net und auf den Ra­dio- und Fern­seh­ka­nä­len. Wie viel da­bei für die On­line­for­ma­te zur Ver­fü­gung steht, will SRF nur in ei­nem Fall sa­gen: Die ers­te Staf­fel der fik­tio­na­len Web­se­rie «Nr. 47» kos­te­te gut 300 000 Fran­ken, was ei­nem Vier­tel des Bud­gets der Tv-se­rie «Wil­der» ent­spre­che. An­sons­ten hält man sich be­deckt.

SRF ar­bei­tet mit frag­wür­di­gen Me­di­en zu­sam­men

Mehr lässt sich über die Aus­rich­tung der On­line­for­ma­te von SRF sa­gen: Sie ver­su­chen die un­ter­schied­lichs­ten Le­bens­wirk­lich­kei­ten ein­zu­fan­gen, sie zu ver­mit­teln und nor­mal er­schei­nen zu las­sen. So et­wa, wenn in «True Talk» ei­ne Frau mit Kopf­tuch auf das Vor­ur­teil re­agiert, sie wer­de mit Si­cher­heit un­ter­drückt. Aber auch, wenn in «Reh­mann S.O.S.» Men­schen von ih­ren chro­ni­schen Krank­hei­ten er­zäh­len – und im Ma­ga­zin «Kreuz & Queer» ge­zeigt wird, dass vie­le For­men von Se­xua­li­tät in Ord­nung sind, wo­ge­gen nichts zu sa­gen ist. Im Ge­gen­teil.

Bei sei­ner On­li­ne­of­fen­si­ve scheut SRF aber selbst vor frag­wür­di­gen Ko­ope­ra­tio­nen nicht zu­rück. So wird «Kreuz & Queer» von «Vice» pro­du­ziert, ei­nem ge­winn­ori­en­tier­ten In­ter­net­ma­ga­zin, das im deutsch­spra­chi­gen Raum mit Trashthe­men und Selbst­ver­su­chen be­kannt wur­de, et­wa mit Ar­ti­keln wie «Ich war mit ei­nem Vi­bra­tor im Club, der von der Mu­sik ge­steu­ert wur­de». Oder: «Wir ha­ben Schü­ler ge­fragt, wie das Dar­knet den Dro­gen­kon­sum ver­än­dert». «Vice» ha­be schon frü­her «ein- oder zwei­mal» Kon­takt mit SRF auf­ge­nom­men, als der Be­reich Jun­ge Ziel­grup­pe noch nicht exis­tier­te, sagt Chris­toph Ae­ber­sold. «Da­mals gab es noch kei­ne Mög­lich­kei­ten ei­ner Zu­sam­men­ar­beit. Aber ih­ren neu­en Vor­schlag für ‹Kreuz & Queer› fan­den wir über­zeu­gend und pas­send.»

«Vice» ist im Jour­na­lis­mus vor al­lem des­halb so stark um­strit­ten, weil das Ma­ga­zin sich un­ter an­de­rem mit so­ge­nann­ten Na­ti­ve-ads fi­nan­ziert: Wer­bung, die wie jour­na­lis­ti­sche In­hal­te da­her­kom­men sol­len – was mit dem Leis­tungs­auf­trag der SRG ganz klar nicht in Über­ein­stim­mung zu brin­gen wä­re. Das Schwei­zer Fern­se­hen

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.