P.S. Nur die dümms­ten Käl­ber . . .

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Pe­ter Schnei­der

...wäh­len ih­ren Metz­ger sel­ber. Die­ser Satz war jüngst ein­mal mehr und mehr als ein­mal zu hö­ren,

nach­dem be­kannt ge­wor­den war, dass 55 Pro­zent des bra­si­lia­ni­schen Vol­kes Jair Bol­so­na­ro zu ih­rem nächs­ten Prä­si­den­ten ge­wählt hat­ten. Höchs­te Zeit al­so, ein­mal über die­sen (fälsch­li­cher­wei­se Ber­tolt Brecht zu­ge­schrie­be­nen) Satz gründ­li­cher nach­zu­den­ken. Zu­nächst ein­mal hat Jair Bol­so­na­ro nie et­was da­von ge­sagt, dass er ge­den­ke, sei­ne Wäh­ler zu schlach­ten. Es wä­re ja auch völ­lig un­sin­nig, aus­ge­rech­net die ei­ge­nen Wäh­ler zu schlach­ten und nicht, wenn schon, die­je­ni­gen, die ei­nen nicht ge­wählt ha­ben.

Von die­ser lo­gi­schen In­kon­sis­tenz ein­mal ab­ge­se­hen,

ist das ver­meint­li­che Brecht-zi­tat auch in an­de­rer Hin­sicht selbst un­end­lich viel düm­mer als die dar­in er­wähn­ten Käl­ber. Ist es denn nicht das gu­te Recht ei­nes Kal­bes, selbst über sein Le­ben zu be­stim­men? Und ge­hört zu die­ser Selbst­be­stim­mung nicht ge­ra­de auch das Recht auf ei­nen selbst­be­stimm­ten Tod, be­vor man hilf­los an den Schläu­chen des Staa­tes hän­gend da­hin­ve­ge­tiert? Wo­bei die Käl­ber hier na­tür­lich nur ei­ne Me­ta­pher für den Bür­ger, die Bür­ge­rin sind. Wir al­le müs­sen ster­ben, könn­te man die­se Me­ta­pher wei­ter­den­ken, aber wir wol­len doch die Wahl ha­ben, ob durch Exit oder Di­gni­tas. Was wir hin­ge­gen nicht brau­chen, sind frem­de Vög­te, die uns sa­gen, was wir zu tun oder wen wir zu wäh­len ha­ben. Denn Wahl­frei­heit ist das Salz in der Sup­pe des

Le­bens, das C&A ei­ner je­den De­mo­kra­tie.

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