Krum­mer Deal bei Shaqi­ris Trans­fer

Beim Wech­sel des Schwei­zers von Bay­ern zu In­ter ver­such­ten die Clubs, Ue­fa-re­geln zu um­ge­hen

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Flo­ri­an Raz und Chris­ti­an Zürcher

Die Be­geis­te­rung über sei­ne An­kunft ist so gross, dass er selbst fast ein we­nig Angst be­kommt. An die 2000 Fans emp­fan­gen Xher­dan Shaqi­ri, als er am 8. Ja­nu­ar 2015 in Mi­la­no-mal­pen­sa lan­det. «Ich muss­te auf­pas­sen, dass ich nicht über den Hau­fen ge­rannt wur­de», wird er spä­ter sa­gen.

Der Wech­sel des Schwei­zer Na­tio­nal­spie­lers von Bay­ern Mün­chen zu In­ter Mai­land ist für die Fans ein Zei­chen da­für, dass ihr Club wie­der an gros­se Zei­ten an­knüp­fen will. Trai­ner Ro­ber­to Man­ci­ni sagt: «Wer bes­ser wer­den will, be­nö­tigt Qua­li­tät. Und Qua­li­tät, das sind für mich Spie­ler wie Shaqi­ri.»

Aber das ist nur die glit­zern­de Ober­flä­che die­ses Trans­fers. Da­hin­ter ver­steckt sich ein du­bio­ses Ver­trags­kon­strukt, mit dem die Mai­län­der ver­su­chen, den eu­ro­päi­schen Fuss­ball­ver­band (Ue­fa) aus­zu­trick­sen. Das zei­gen Un­ter­la­gen, die der «Spie­gel» von der On­line­platt­form Foot­ball Leaks er­lang­te und die er mit dem Jour­na­lis­ten-netz­werk Eu­ro­pean In­ves­ti­ga­ti­ve Col­la­bo­ra­ti­ons (EIC) ge­teilt hat. Die Sport­re­dak­ti­on von Ta­me­dia wirk­te bei der Aus­wer­tung als Schwei­zer Part­ner mit.

Zum Zeit­punkt, an dem die Mai­län­der In­ter­es­se an Shaqi­ri zei­gen, sind sie in der Zwick­müh­le. Ei­ner­seits sind die sport­li­chen Leis­tun­gen für ei­nen Tra­di­ti­ons­club wie In­ter ent­täu­schend. An­de­rer­seits kämpft der neue Be­sit­zer Erick Tho­hir mit dem fi­nan­zi­el­len Schla­mas­sel, das ihm Vor­gän­ger Mas­si­mo Mo­r­at­ti hin­ter­las­sen hat.

Selbst wenn der In­do­ne­si­er möch­te, könn­te er nicht ein­fach Geld ins Team pum­pen. In­ter hat schon oh­ne zu­sätz­li­che Aus­ga­ben Mü­he, die Vor­ga­ben des Fi­nan­ci­al Fair­play (FFP) der Ue­fa ein­zu­hal­ten. Die­ses schreibt vor, dass Clubs über den Zeit­raum von drei Jah­ren nicht mehr als 30 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­lus­te durch Fi­nanz­sprit­zen ih­rer Ei­gen­tü­mer aus­glei­chen dür­fen.

Im Ja­nu­ar 2015 ist die Ue­fa be­reits da­bei, die Mai­län­der Fi­nan­zen ge­nau­er zu prü­fen. Die Ita­lie­ner wis­sen, dass sie sich zu die­sem Zeit­punkt die 15 Mil­lio­nen Eu­ro nicht leis­ten kön­nen, die die Bay­ern für Shaqi­ri ver­lan­gen. Aber der Druck der Fans ist gross, In­ter liegt nur auf Rang elf der Se­rie A und droht so­gar die Eu­ro­pa Le­ague zu ver­pas­sen.

Al­so ver­sucht In­ters Ge­schäfts­füh­rer Mar­co Fas­so­ne es mit ei­nem Ta­schen­spie­ler­trick: Mai­län­der und Münch­ner un­ter­zeich­nen of­fi­zi­ell kei­nen Kauf-, son­dern ei­nen vom 8. Ja­nu­ar bis 31. De­zem­ber 2015 lau­fen­den Leih­ver­trag. Weil die Bay­ern auf ei­ne Leih­ge­bühr ver­zich­ten, be­las­tet der Deal das lau­fen­de Mai­län­der Bud­get nicht.

Dank Foot­ball Leaks wird der Ver­trag nun öf­fent­lich und er zeigt, dass die «Leih­ga­be» in Wirk­lich­keit nur Fas­sa­de war. Es fin­den sich näm­lich die fol­gen­den drei Klau­seln im Ver­trag:

1) In­ter muss Shaqi­ri so­fort fix über­neh­men und die 15 Mil­lio­nen be­zah­len, wenn er zwi­schen dem 1. Ju­li und dem 31. De­zem­ber 2015 in ei­ner Par­tie ein­ge­setzt wird. Egal, ob Freund­schafts- oder Pflicht­spiel.

2) In­ter muss Shaqi­ri aber auch fix über­neh­men, wenn er zwi­schen dem 1. Ju­li und dem 31. De­zem­ber 2015 kein ein­zi­ges Mal ein­ge­setzt wer­den kann, weil er ver­letzt oder ge­sperrt ist.

3) In­ter muss Shaqi­ri schliess­lich fix über­neh­men, wenn das Team am 31. De­zem­ber un­ter den ers­ten 17 der Se­rie A steht. Die höchs­te Li­ga Ita­li­ens hat bloss 20 Teil­neh­mer.

Da­mit ist klar, war­um die Bay­ern so gross­zü­gig auf ei­ne Leih­sum­me ver­zich­ten. Sie ha­ben nicht

Fo­to: Ull­stein Bild

Spiel­ball zwei­er gros­ser Clubs: Fuss­bal­ler Xher­dan Shaqi­ri 2015 im In­ter-dress

Als Star emp­fan­gen – aber bald schon ei­ne Hy­po­thek für In­ter Mai­land: Xher­dan Shaqi­ri

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