Holp­ri­ger Start in die Post-vin­cenz-zu­kunft

SonntagsZeitung - - VORDERSEITE - Alich

An der De­le­gier­ten­ver­samm­lung in Win­disch war Ex-chef Pa­trik Gi­sel zwar ab­we­send, aber dank ei­ner per­sön­li­chen Er­klä­rung und of­fe­nen Fra­gen prä­sent

Das war ei­ne ge­spens­ti­sche Sze­ne. Ex-raiff­ei­sen­chef Pa­trik Gi­sel, der in der Nacht auf Sams­tag we­gen sei­ner Be­zie­hung zur frü­he­ren Ver­wal­tungs­rä­tin Lau­rence de la Ser­na zu­rück­ge­tre­ten war, blieb ges­tern dem De­le­gier­ten­tref­fen von Raiff­ei­sen Schweiz in Win­disch fern. Aber ganz oh­ne sich zu er­klä­ren, woll­te Gi­sel nicht ge­hen.

Al­so liess er Vi­ze­prä­si­dent Pas­cal Gan­ten­bein an der Me­di­en­kon­fe­renz ei­ne per­sön­li­che Er­klä­rung ver­le­sen: Ja, er ha­be ei­ne Be­zie­hung zu de la Ser­na. Aber er sei sie erst nach ih­rem Aus­schei­den aus dem Ver­wal­tungs­rat ein­ge­gan­gen. «Es be­stand zu kei­ner Zeit ein In­ter­es­sen­kon­flikt», liess Gi­sel ver­lau­ten. Raiff­ei­sen liess die Be­tei­lig­ten noch ein­mal von ei­ner An­walts­kanz­lei be­fra­gen. «Da­bei wur­den kei­ne Wi­der­sprü­che zu die­sen Darstel­lun­gen fest­ge­stellt», er­klär­te Gan­ten­bein tro­cken. Der Neu­start der Raiff­ei­sen-grup­pe in die skan­dal­freie Zu­kunft, er ver­läuft hol­pe­rig. Die Wahl von Guy Lach­ap­pel­le zum neu­en Ver­wal­tungs­rats­prä­si­den­ten ge­lingt zwar nach Plan. Er be­kommt rund 93 Pro­zent der Stim­men und hat nun «ein star­kes Man­dat», wie er selbst er­klärt.

Aber nach Gi­sels Nacht-und­ne­bel-ab­gang nach 18 Jah­ren in der Ge­schäfts­lei­tung bei Raiff­ei­sen Schweiz blei­ben Fra­gen. Zum Bei­spiel, wie viel Geld die Bank dem Hob­by­pi­lo­ten noch zahlt. «Er be­kommt kei­ne Ab­gangs­ent­schä­di­gung, zu den wei­te­ren fi­nan­zi­el­len De­tails wur­de Still­schwei­gen ver­ein­bart», sagt Gan­ten­bein nur.

Im­mer­hin: Die Füh­rungs­va­kanz soll schnell ge­füllt wer­den, laut Lach­ap­pel­le und Gan­ten­bein soll bis En­de des Jah­res klar wer­den, wer die dritt­gröss­te Ban­ken­grup­pe ope­ra­tiv führt. «Ei­ne Hand­voll» Kan­di­da­ten sei­en in der en­ge­ren Wahl, hiess es. Bis zum An­tritt des neu­en Chefs führt über­gangs­wei­se Micha­el Au­er die Ge­schäf­te, der das Pri­vat­kun­den­ge­schäft lei­tet. Nach An­tritt des neu­en Chefs will aber auch Au­er die Bank ver­las­sen.

Die Ver­wal­tungs­rä­te er­hal­ten 25 Pro­zent we­ni­ger Geld

In­ner­halb von zwölf Mo­na­ten wird da­mit Raiff­ei­sen Schweiz nicht nur den Ver­wal­tungs­rat, son­dern auch die Ge­schäfts­lei­tung mehr oder we­ni­ger kom­plett aus­ge­tauscht ha­ben. Das hat es bei ei­ner Ban­ken­grup­pe die­ser Grös­se wohl noch nie ge­ge­ben. Ne­ben Lach­ap­pel­le wur­den ges­tern die neu­en Ver­wal­tungs­rä­te Ka­rin Va­lenz­a­no Ros­si, And­rej Go­lob, Tho­mas A. Mül­ler und Beat Schwab ge­wählt.

Auch die Struk­tu­ren sol­len grund­le­gend re­for­miert wer­den. Die De­le­gier­ten er­teil­ten dem neu­en Prä­si­den­ten Lach­ap­pel­le und Kurt Sid­ler, dem Vor­sit­zen­den der Ko­or­di­na­ti­ons­grup­pe der Re­gio­nal­ver­bän­de, das Man­dat, ei­ne Ar­beits­grup­pe zu bil­den. Die­se soll dem Ver­neh­men nach rund 10 Mit­glie­der um­fas­sen und die Ent­schei­dungs­struk­tu­ren und die Auf­ga­ben­ver­tei­lung zwi­schen Raiff­ei­sen Schweiz und den Re­gio­nal­ban­ken neu aus­rich­ten.

Ei­ni­ge Eck­punk­te zeich­nen sich be­reits ab: So dürf­te künf­tig je­de Raiff­ei­sen­bank ei­nen Ver­tre­ter stel­len. Bis­her wähl­ten die 246 Mit­glieds­ban­ken 146 De­le­gier­te, wel­che die wich­tigs­ten Ent­schei­dun­gen tra­fen. Ein neu­er Ge­nos­sen­schafts­rat soll zu­dem die Ver­bin­dung zwi­schen Zen­tra­le und Ba­sis si­cher­stel­len. Auch ein neu­es Ver­gü­tungs­mo­dell wur­de vor­ge­stellt. Dem­nach soll die Be­zah­lung der Ver­wal­tungs­rä­te ins­ge­samt um rund 25 Pro­zent tie­fer aus­fal­len, er­klär­te Gan­ten­bein. Lach­ap­pel­le ver­dient 750 000 Fran­ken für ein 100-Pro­zent-pen­sum.holger

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