Meh­re­re Us-de­mo­kra­ten wol­len ins Zen­trum der Macht

Nach den «Mid­terms» wächst das Kan­di­da­ten­feld: Auch jun­ge Kräf­te könn­ten Trump 2020 ge­fähr­lich wer­den

SonntagsZeitung - - INTERNATIONAL - Mar­tin Su­ter

New York So vie­le wie am New Yor­ker Ma­ra­thon vor ei­ner Wo­che sind es nicht. Doch nach den Zwi­schen­wah­len vom Di­ens­tag zeich­net sich in den USA ein Star­ter­feld von de­mo­kra­ti­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten ab, das das gröss­te ist seit Men­schen­ge­den­ken.

Wie in ei­nem Wett­ren­nen wol­len al­le die Ers­ten sein. Eric Swal­well pack­te nach sei­ner er­war­tungs­ge­mäs­sen Wie­der­wahl ins Re­prä­sen­tan­ten­haus flugs die Kof­fer und be­sucht der­zeit den wich­ti­gen Vor­wahl­staat Io­wa. Der auf ame­ri­ka­ni­schen Ka­bel­ka­nä­len om­ni­prä­sen­te Ka­li­for­ni­er will sich im Agrar­staat vor­stel­len – und mög­li­che Mit­ar­bei­ter ver­pflich­ten.

Swal­well «wird si­cher an­tre­ten», ver­riet ei­ne ihm na­he­ste­hen­de Qu­el­le den Me­di­en. Der Ehr­geiz des erst 37-jäh­ri­gen Po­li­ti­kers wird be­flü­gelt vom Wis­sen, dass die De­mo­kra­ten für das nächs­te Prä­si­dent­schafts­ren­nen kei­nem Kron­fa­vo­ri­ten die Vor­fahrt las­sen müs­sen wie 2016 Hil­la­ry Cl­in­ton. Ge­gen­wär­tig ist das Feld weit of­fen, und es lockt die Aus­sicht, Trumps Dra­chen­tö­ter zu wer­den.

Mög­li­che de­mo­kra­ti­sche Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten ha­ben Ober­was­ser, weil ih­re Par­tei in den «Mid­terms» gut ab­schnitt. Im Re­prä­sen­tan­ten­haus über­nah­men sie die Macht mit ei­nem Zu­ge­winn von ge­schätz­ten 37 Sit­zen. Die­se Zahl liegt am obe­ren En­de ih­rer Er­war­tun­gen und recht­fer­tigt die Re­de von ei­ner «blau­en Wel­le», min­des­tens ein Stück weit. Um­ge­kehrt konn­ten die Re­pu­bli­ka­ner im Se­nat ih­re Mehr­heit nach ak­tu­el­lem Stand bloss um ei­nen Sitz aus­bau­en. Je nach En­d­er­geb­nis könn­ten es bis zu zwei Sit­ze mehr wer­den, doch zu­erst muss das Land ein ge­häs­si­ges Aus­zähl­ge­r­an­gel in Ari­zo­na und ein eben­sol­ches im be­züg­lich Ver­trau­ens­wür­dig­keit an­ge­schla­ge­nen Flo­ri­da über sich er­ge­hen las­sen.

Swal­well ist blitz­ge­scheit, aber «nur» ein Re­prä­sen­tant. Als mög­li­cher Kan­di­dat wird er von sei­nem Kol­le­gen Ro­bert Fran­cis «Be­to» O’rour­ke über­flü­gelt. Der 46-jäh­ri­ge Texa­ner durch­fuhr mit sei­nem Mi­ni­van al­le Be­zir­ke des flä­chen­mäs­sig zweit­gröss­ten Us-glied­staats und wur­de zum na­tio­nal ge­fei­er­ten Rock­star der «Mid­terms». Dass er das Du­ell mit dem re­pu­bli­ka­ni­schen Se­na­tor Ted Cruz ver­lor, wer­te­ten Fans von O’rour­ke pa­ra­do­xer­wei­se po­si­tiv. Be­grün­dung: Jetzt kön­ne Be­to un­ge­bremst Kurs aufs Weis­se Haus neh­men.

Auch ei­ni­ge na­tio­nal be­kann­te Se­na­to­rin­nen ha­ben Am­bi­tio­nen

Das Ziel an der Penn­syl­va­nia Ave­nue Num­mer 1600 pei­len wahr­schein­lich auch vie­le Mit­glie­der des wahl­po­li­tisch schwer­ge­wich­ti­ge­ren Se­nats an. Falls er an­tritt, hat der 77-jäh­ri­ge So­zia­list Ber­nie San­ders aus Ver­mont vom 2016er-wahl­kampf her ei­nen gros­sen Be­kannt­heits­vor­sprung. Als Schwar­zer wür­de Co­ry Boo­ker, 49, aus New Jer­sey den An­spruch der De­mo­kra­ten er­fül­len, Min­der­hei­ten zu por­tie­ren. Boo­ker hat al­ler­dings ei­ni­ge Glaub­wür­dig­keit ein­ge­büsst, als er sich im Streit um den neu­en obers­ten Bun­des­rich­ter Brett Ka­va­n­augh bom­bas­tisch mit dem rö­mi­schen Skla­ven­be­frei­er Spar­ta­kus ver­glich.

Un­ter den üb­ri­gen Se­nats­mit­glie­dern mit Am­bi­tio­nen auf die Prä­si­dent­schaft sind ei­ni­ge na­tio­nal be­kann­te Frau­en. Die 51-jäh­ri­ge Kirs­ten Gil­li­brand aus New York über­legt es sich noch; bei der drei Jah­re äl­te­ren Ka­ma­la Har­ris aus Ka­li­for­ni­en be­zwei­felt kaum je­mand die Kan­di­da­tur. Wei­te­re An­wär­te­rin­nen sind die ge­mäs­sig­te Amy Klo­buchar, 58, aus Min­ne­so­ta und Eliz­a­beth War­ren, 69, aus Mas­sa­chu­setts.

Mit Aus­nah­me Klo­buch­ars po­li­ti­sie­ren die Se­na­to­rin­nen pro­non­ciert links. Zum Bei­spiel sind sie für ein na­tio­nal ver­staat­lich­tes Ge­sund­heits­we­sen und für schar­fe Waf­fen­ge­set­ze. Die Kan­di­da­tin­nen spü­ren auch Rü­cken­wind im Ge­fol­ge der #Metoo-be­we­gung ge­gen se­xu­el­le Ge­walt und auf­grund des ver­brei­te­ten Wi­der­stands ge­gen den an­geb­lich frau­en­feind­li­chen Do­nald Trump.

Ob ein lin­ker Kurs Er­folg ver­spricht, darf in­des be­zwei­felt wer­den. In den Vo­r­or­ten grös­se­rer Städ­te sieg­ten die De­mo­kra­ten, in­dem sie ge­mäs­sig­te bis kon­ser­va­ti­ve Kan­di­da­ten auf­stell­ten, dar­un­ter vie­le Kriegs­ve­te­ra­nen. Im glei­chen Zug lehn­ten Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler in ei­ni­gen Bun­des­staa­ten pro­gres­si­ve und grü­ne Initia­ti­ven ab. In Wa­shing­ton Sta­te woll­ten sie nichts von ei­ner Co2-steu­er wis­sen, in Co­lo­ra­do nichts von ei­ner Fracking-be­schrän­kung, in Ari­zo­na nichts von ei­nem Man­dat für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en.

Die Po­lit-outs­ider hof­fen wohl ver­geb­lich

Zu den Ver­lie­re­rin­nen zählt auch die viel be­wun­der­te und bis­lang er­folgs­ver­wöhn­te Eliz­a­beth War­ren. Von ihr ge­för­der­te Kan­di­da­ten setz­ten sich nicht durch, we­der Ri­chard Cor­dray in Ohio noch Ka­tie Por­ter in Ka­li­for­ni­en. Dass die «Wa­shing­ton Post» War­ren in der Rang­lis­te der An­wär­ter für die Prä­si­dent­schafts­aus­mar­chung 2020 auf den ers­ten Platz stellt, ist schwer nach­voll­zieh­bar.

Ei­ni­ge Be­ob­ach­ter glau­ben, das re­pu­bli­ka­ni­sche Schwer­ge­wicht Trump kön­ne kein «nor­ma­ler» Be­rufs­po­li­ti­ker be­sie­gen, bloss ein Outs­ider. Mit die­ser Be­grün­dung er­wä­gen Mil­li­ar­dä­re ih­re Kan­di­da­tu­ren. Micha­el Bloom­berg, 76, kann Er­fah­rung als Un­ter­neh­mer und Ex-bür­ger­meis­ter von New York vor­wei­sen. Der In­ves­tor Tom Stey­er, 61, da­ge­gen sei­nen Kampf für Kli­ma­schutz und ein Im­peach­ment des Prä­si­den­ten. Als Geg­ner Trumps in Sex-pro­zes­sen rech­net sich auch der kämp­fe­ri­sche An­walt Micha­el Aven­at­ti, 47, ei­ne Chan­ce aus. Dass ei­ner die­ser Po­lit-outs­ider ei­ner Frau oder ei­nem Afro­ame­ri­ka­ner bei den De­mo­kra­ten die No­mi­na­ti­on strei­tig ma­chen kann, ist al­ler­dings un­wahr­schein­lich.

Und bei den Re­pu­bli­ka­nern? Hier ist und bleibt vor­erst Prä­si­dent Do­nald Trump, 72, die über­ra­gen­de Fi­gur. Ein­zig der 66-jäh­ri­ge Ex-gou­ver­neur von Ohio, John Ka­sich, hat sich bis­her nach Io­wa ge­wagt. Doch im Ver­gleich zu ihm hät­te so­gar Eric Swal­well bes­se­re Chan­cen, von sei­ner Par­tei auf­ge­stellt zu wer­den.

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