Die vie­len Mails des Trai­ner­fres­sers

SonntagsZeitung - - SPORT -

«Mes­da­mes, Mes­sieurs», mit die­ser An­re­de

er­hiel­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Sport­re­dak­tio­nen im­mer wie­der ein Mail, in re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den. Und ver­gin­gen mal meh­re­re Mo­na­te, bis wie­der ei­nes ver­schickt wur­de, so wuss­te man, das nächs­te muss si­cher bald kom­men. Als «Be­treff» steht im­mer «Com­mu­ni­qué/pres­se­mit­tei­lung», und die Mit­tei­lun­gen be­gin­nen stets mit dem glei­chen ers­ten Satz, auf Fran­zö­sisch: «Nous vous pri­ons de bi­en vou­loir prend­re con­nais­sance du com­mu­ni­qué pla­cé en an­ne­xe.»

Und man öff­ne­te den An­hang und ahn­te,

dass es da­rin wie­der um ei­nen Na­men ging, um den glei­chen wie je­weils im Mail zu­vor, aber dies­mal aus ei­nem an­de­ren Grund. Es war manch­mal schwie­rig, die Über­sicht zu be­hal­ten.

37 Na­men – dies­mal ist es aber der bes­te Trai­ner, den es gibt

Es ging um vie­le Na­men,

sie hies­sen Gress, Stie­li­ke, Clau­sen, Bi­gon, Gat­tu­so, Chal­lan­des oder Pet­ko­vic, ei­ner, Gen­ti­le, hat­te un­ter­schrie­ben, war aber gar nie im Wal­lis er­schie­nen, sie hies­sen auch Zer­mat­ten, Röss­li oder Mou­lin, we­nig be­kann­te. Es wa­ren ins­ge­samt 37, wenn man je­ne, die mehr­mals auf­tauch­ten – und da­von gibt es ei­ni­ge –, nicht dop­pelt zählt.

Es sind die Na­men in den Com­mu­ni­qués des FC Si­on.

Seit 2003. Seit Chris­ti­an Con­stan­tin zum zwei­ten Mal Prä­si­dent des Clubs ge­wor­den war. Con­stan­tin wur­de dann in den Zei­tun­gen zi­tiert, dass der Neue der Rich­ti­ge sei und was al­les für ihn ge­spro­chen ha­be und jetzt al­les bes­ser wür­de. Dies­mal, es sind erst 55 Ta­ge ver­gan­gen seit

Mu­rat Ya­kin als Neu­er vor­ge­stellt wur­de, war CC be­son­ders über­zeugt ge­we­sen. Die Bes­ten für den Mo­ment wa­ren sie al­le 36 zu­vor schon ge­we­sen, aber dies­mal sei es der ak­tu­ell bes­te Trai­ner, den es in der Schweiz ge­be, ein Glücks­fall für ihn, für Si­on, end­lich hät­ten sie sich ge­fun­den, der Trai­ner­fres­ser hat­te den, den er im­mer woll­te. Ya­kin sag­te, Con­stan­tin ha­be ihn im­mer fas­zi­niert.

Die Bi­lanz von Si­on in der Su­per Le­ague nach sie­ben Spie­len mit Ya­kin:

vier­mal ver­lo­ren, zwei­mal un­ent­schie­den, ein­mal ge­won­nen. Der Punk­te­schnitt 0,71 – viel schlech­ter als bei sei­nem Vor­gän­ger Ja­co­bac­ci, ei­ner der schlech­tes­ten ei­nes Si­on­trai­ners über­haupt. Heu­te Sonn­tag spielt Ya­kin mit Si­on beim FC Zürich. Ge­gen je­ne Mann­schaft, ge­gen die Ya­kin als Trai­ner ei­ne mi­se­ra­ble Bi­lanz auf­weist.

Ir­gend­wann wird das nächs­te Com­mu­ni­qué des FC Si­on kom­men. Man sol­le es bit­te wie­der zur Kennt­nis neh­men.

Fre­dy Wett­stein ist Ko­lum­nist der der Sonn­tags­zei­tung

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