Kin­der­pau­se

War­um Frau­en nach der Ge­burt war­ten soll­ten

SonntagsZeitung - - WISSEN - Wer­ner Bar­tens

Al­les ist ei­ne Fra­ge des Ti­mings. Die­se Grund­re­gel gilt nicht nur auf der Büh­ne und in Ge­halts­ge­sprä­chen, son­dern auch für die Fa­mi­li­en­pla­nung. Wer sich für ei­ne gros­se Kin­der­schar ent­schei­det, soll­te we­nigs­tens pas­sen­de Ab­stän­de be­ach­ten. So emp­fiehlt es sich, nach der letz­ten Ge­burt min­des­tens ein Jahr bis zur nächs­ten Schwan­ger­schaft zu war­ten, sa­gen Fa­mi­li­en­me­di­zi­ner aus Van­cou­ver und Har­vard im Fach­ma­ga­zin «Ja­ma In­ter­nal Me­di­ci­ne». Die idea­le Zeit­span­ne zwi­schen Schwan­ger­schaf­ten be­trägt dem­nach 12 bis 18 Mo­na­te.

Das Team um Lau­ra Schum­mers be­grün­det die Emp­feh­lung mit der Ana­ly­se von mehr als 148000 Ge­bur­ten im Zei­t­raum von zehn Jah­ren. «Wir ha­ben er­höh­te Ri­si­ken für Mut­ter und Kind ge­fun­den, wenn Schwan­ger­schaf­ten schnell auf­ein­an­der­fol­gen», sagt Schum­mers. «Un­se­re Er­geb­nis­se sind ge­ra­de für äl­te­re Frau­en wich­tig, da sie ih­re Schwan­ger­schaf­ten ten­den­zi­ell en­ger tak­ten.»

Mehr Früh­ge­bur­ten bei kür­ze­ren Pau­sen

In der Stu­die zeig­te sich, dass Frau­en jen­seits der 35, die sechs Mo­na­te nach ei­ner Ge­burt er­neut schwan­ger wur­den, ein dop­pelt bis drei­fach so ho­hes Ri­si­ko für Kom­pli­ka­tio­nen auf­wie­sen wie je­ne, die zwölf bis 18 Mo­na­te war­te­ten. Bis­her gal­ten so­gar 18 bis 24 Mo­na­te als rat­sam, weil es bei kür­ze­ren Ab­stän­den häu­fi­ger zu Früh­ge­bur­ten zu kom­men schien, klei­ne­re Kin­der auf die Welt ka­men und mehr To­des­fäl­le auf­tra­ten.

Je nach Le­bens­al­ter ist eher die Mut­ter oder das Kind von Kom­pli­ka­tio­nen be­droht. Für Frau­en zwi­schen 20 und 34 Jah­ren zeig­ten sich in der Stu­die zwar kei­ne er­höh­ten Ge­fah­ren für die Müt­ter. Für die Ba­bys be­trug nach ei­nem Ab­stand zwi­schen den Schwan­ger­schaf­ten von we­ni­ger als sechs Mo­na­ten die Häu­fig­keit von Kom­pli­ka­tio­nen hin­ge­gen 3 Pro­zent – ge­gen­über 1,5 Pro­zent bei min­des­tens zwölf Mo­na­ten Ab­stand. Auch der An­teil der Früh­ge­bur­ten war mit 8,5 Pro­zent bei der schnel­le­ren Tak­tung grös­ser als nach ei­ner Pau­se von min­des­tens 18 Mo­na­ten, bei wel­cher der Wert bei 3,7 Pro­zent lag.

Über die ge­nau­en Ur­sa­chen für die er­höh­te Ge­fahr für Mut­ter und Kind bei ra­scher Ab­fol­ge der Schwan­ger­schaf­ten kön­nen die For­scher nur spe­ku­lie­ren. «Das er­höh­te Ri­si­ko könn­te auf un­se­re Kör­per zu­rück­zu­füh­ren sein, die nicht ge­nü­gend Zeit zur Er­ho­lung ha­ben, wenn wir kurz nach der Ent­bin­dung schon wie­der schwan­ger wer­den», sagt So­nia Her­nan­dez-diaz, die eben­falls an der Stu­die be­tei­ligt war.

Seit Jah­ren steigt der An­teil spä­ter Schwan­ger­schaf­ten

Ein an­de­rer Grund könn­te der hö­he­re An­teil un­ge­plan­ter Schwan­ger­schaf­ten nach ei­nem kur­zen In­ter­vall zwi­schen Ge­burt und Emp­fäng­nis sein. Die­se ge­hen häu­fig mit ei­ner schlech­te­ren Ge­burts­vor­be­rei­tung ein­her, was sich wie­der­um ne­ga­tiv auf das Kind aus­wir­ken kann. «Wel­che Ur­sa­chen über­wie­gen, ist für die Emp­feh­lun­gen je­doch egal», sagt Her­nan­dez­diaz. «Nach der Ge­burt soll­te die Ver­hü­tung ge­währ­leis­tet sein – und un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr ver­mie­den wer­den.»

Stu­di­en-co-au­to­rin und Fa­mi­li­en­me­di­zi­ne­rin Wen­dy Nor­man be­grüsst es, dass nun kon­kre­te Hin­wei­se für den wün­schens­wer­ten Ab­stand zwi­schen den Kin­dern vor­lie­gen. «Ge­ra­de für äl­te­re Müt­ter ha­ben wir so erst­ma­lig ex­zel­len­te Be­le­ge für die Fa­mi­li­en­pla­nung», sagt Nor­man. «Das güns­ti­ge Ein­jah­res­in­ter­vall soll­ten vie­le Frau­en hin­be­kom­men – es lohnt sich ein­deu­tig, um das Ri­si­ko für Kom­pli­ka­tio­nen zu sen­ken.»

Be­zie­hungs- und Kin­der­wün­sche un­ter­wer­fen sich in­des nicht im­mer ra­tio­na­ler Pla­nung, zu­dem steigt der An­teil spä­ter Schwan­ger­schaf­ten seit Jah­ren. «Äl­te­re Frau­en sind sich der bio­lo­gi­schen Uhr be­wusst», schrei­ben die Ärz­tin­nen Ste­pha­nie Te­al und Jea­nel­le Shee­der in ei­nem Kom­men­tar. «Sie müs­sen ab­wä­gen zwi­schen ih­rer ei­ge­nen Ge­sund­heit wie auch der des Kin­des – und dem Ri­si­ko, doch nicht mehr auf die An­zahl an Kin­dern zu kom­men, die sie sich ei­gent­lich ge­wünscht ha­ben.»

Fo­to: Get­ty Images

Wie­der schwan­ger: Er­höh­tes Ri­si­ko für Mut­ter und Kind bei schnel­ler Ab­fol­ge

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