Die Ge­fahr für die Na­to kommt von in­nen

Die west­li­che Mi­li­tär­al­li­anz soll vor An­grif­fen von aus­sen schüt­zen. Aber heu­te droht dem Bünd­nis Ge­fahr von in­nen: durch Do­nald Trump.

Tages Anzeiger - - MEINUNGEN - Da­ni­el Bröss­ler Kor­re­spon­dent Brüs­sel

Die gröss­te Ge­fahr für die Na­to geht aus vom ein­zi­gen Mann, der die Macht hat, den Na­to-gip­fel die­se Wo­che in Brüs­sel zu spren­gen – be­waff­net al­lein mit sei­nem ipho­ne. Es stimmt: Bis­her hat Do­nald Trump die trans­at­lan­ti­sche Al­li­anz nicht ka­putt­ge­macht. Das ers­te Er­schre­cken über den Ein­zug ei­nes tum­ben Na­tio­na­lis­ten ins Weis­se Haus wich im Na­to-haupt­quar­tier er­staun­lich rasch der Er­leich­te­rung. Zur Selbst­be­schwich­ti­gung trug bei, dass Trump sich nach ei­ni­gem Drän­gen zu ei­nem Be­kennt­nis zum Bei­stands­ar­ti­kel 5 des Nord­at­lan­tik-ver­tra­ges her­ab­liess. Hin­zu kam die ver­stärk­te Us-prä­senz im Os­ten Eu­ro­pas. Trumps Al­lein­gän­ge beim Kli­ma, im Na­hen Os­ten und in Sa­chen Iran-de­al schie­nen die Be­deu­tung der Al­li­anz so­gar noch zu er­hö­hen als letz­te, un­ein­nehm­ba­re Burg des Wes­tens. Die Aus­sen­mau­ern die­ser Burg wer­den tat­säch­lich em­sig ver­stärkt. Nur: Ge­gen ein un­ter­spül­tes Fun­da­ment nützt das nichts. Die Al­li­anz wird die Ära Trump nur über­ste­hen, wenn es ein Bünd­nis im Bünd­nis gibt. Die bar­schen Mahn­schrei­ben Trumps an je­ne Ver­bün­de­ten, die ih­re Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben nicht schnell ge­nug stei­gern, sind für sich ge­nom­men gar nicht so schlimm. Der Un­mut in den USA über saum­se­li­ge Ver­bün­de­te ist be­grün­det und äl­ter als die jet­zi­ge Prä­si­dent­schaft. Fast al­le Äus­se­run­gen

«Der An­füh­rer des mäch­tigs­ten Lan­des sucht sich sei­ne Fein­de un­ter sei­nen Al­li­ier­ten.»

Trumps zum The­ma be­le­gen aber, dass es ihm gar nicht um die Ver­stär­kung der Al­li­anz geht. Die Deut­schen (und an­de­re) sol­len zah­len – nicht da­mit die Na­to stär­ker wird, son­dern da­mit Ame­ri­kas wirt­schaft­li­che Kon­kur­ren­ten schwä­cher wer­den. Dar­in liegt das ei­gent­li­che Pro­blem des Bünd­nis­ses: dass Trump in Wahr­heit gar kei­ne Ver­bün­de­ten kennt. Na­iv wä­re da­her, im de­sas­trös ge­schei­ter­ten G-7-gip­fel nicht auch ein Me­ne­te­kel für die Na­to zu er­ken­nen. In Trumps Welt sind die Gren­zen zwi­schen dem Club der west­li­chen Wirt­schafts­mäch­te und dem mi­li­tä­risch or­ga­ni­sier­ten Wes­ten flies­send. Nur lo­gisch ist des­halb, wenn der Us-prä­si­dent sei­nen Na­to-fu­ror ver­mischt mit dem Han­dels­streit. Sei­ner Feind­se­lig­keit ge­gen­über Deutsch­land und Kanz­le­rin Angela Mer­kel – aber auch an­de­ren – lässt er frei­en Lauf. Schlim­mer als die­se Re­spekt­lo­sig­keit ge­gen­über den ge­wähl­ten An­füh­rern ei­gent­lich be­freun­de­ter De­mo­kra­ti­en ist nur der feh­len­de Re­spekt Trumps vor der De­mo­kra­tie selbst. Neu ist, dass der An­füh­rer des mäch­tigs­ten Na­to-lan­des sich sei­ne Lieb­lings­fein­de un­ter den Al­li­ier­ten sucht. Das ist die La­ge, und sie ist grau­en­haft ernst. Für je­den, der Wla­di­mir Pu­tin nicht für ei­nen Frie­dens­fürs­ten hält und auch nicht glaubt, dass um Eu­ro­pa her­um bald auf wun­der­sa­me Wei­se Ru­he und Har­mo­nie ein­keh­ren wer­den, kann es nur ei­ne Kon­se­quenz ge­ben: die Na­to be­schüt­zen. Im Kal­ten Krieg soll­te das Con­tain­ment, die Po­li­tik der Ein­däm­mung, die Aus­brei­tung des Kom­mu­nis­mus ver­hin­dern. Heu­te gilt es, die Ero­si­on des Wes­tens ein­zu­däm­men, näm­lich we­nigs­tens dort zu stop­pen, wo die Zer­stö­rung der Al­li­anz an­fängt. Die Na­to wird die Prä­si­dent­schaft Trump nur über­ste­hen, wenn es so et­was wie ein Bünd­nis im Bünd­nis gibt zwi­schen der po­li­tisch-mi­li­tä­ri­schen Na­to-lob­by in den USA so­wie den Eu­ro­pä­ern und Ka­na­di­ern in der Al­li­anz. Nicht um die­sem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten zu Di­ens­ten zu sein, müs­sen die Eu­ro­pä­er jetzt ei­nen viel stär­ke­ren Teil der Ver­ant­wor­tung und der Last über­neh­men, son­dern um ihm ei­ni­ger­mas­sen selbst­be­wusst ent­ge­gen­tre­ten zu kön­nen. Wer Eu­ro­pa wirk­lich schüt­zen will, muss die Na­to ret­ten.

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