Schweiz reicht we­gen Straf­zöl­len Kla­ge ge­gen USA ein

Die Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on muss jetzt ab­klä­ren, ob Trumps Re­gie­rung il­le­gal ge­han­delt hat.

Tages Anzeiger - - WIRTSCHAFT - Hol­ger Alich

Die Schweiz wehrt sich ge­gen die Us-straf­zöl­le und ver­klagt die USA vor der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO. Prä­si­dent Do­nald Trump hat zwar mehr­fach zum Aus­druck ge­bracht, dass er von der Gen­fer Or­ga­ni­sa­ti­on nichts hält. Den­noch hal­ten Ex­per­ten den Schritt der Schweiz für rich­tig. «Wür­de die Schweiz nichts ma­chen, dann wä­re das das Si­gnal, dass die USA mit ih­ren Zöl­len durch­kom­men», sagt Wirt­schafts­pro­fes­sor Jo­seph François, Ge­schäfts­füh­rer des World Tra­de In­sti­tu­te der Uni­ver­si­tät Bern.

Seit En­de März er­he­ben die USA Straf­zöl­le auf die Ein­fuhr von Stahl und Alu­mi­ni­um. Laut dem Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (Se­co) sind da­von Schwei­zer Ex­por­te im Wert von 70 Mil­lio­nen Fran­ken be­trof­fen. Zu den Op­fern ge­hört un­ter an­de­rem der Spe­zi­al­stahl­her­stel­ler Schmolz + Bi­cken­bach. Die Us-re­gie­rung be­grün­det die Zu­satz­zöl­le da­mit, dass die aus ih­rer Sicht zu ho­hen Stahl­ein­fuh­ren die na­tio­na­le Si­cher­heit be­dro­hen wür­den.

Schweiz rech­net nicht mit Straf­ak­tio­nen

Trumps Re­gie­rung stützt sich da­bei auf ei­ne va­ge For­mu­lie­rung im Wto-re­gel­werk. Die­ses sieht vor, dass ein Mit­glied Mass­nah­men er­grei­fen darf, «die es als not­wen­dig für den Schutz sei­ner we­sent­li­chen Si­cher­heits­in­ter­es­sen be­trach­tet». Das Se­co ent­geg­net: «Aus Sicht der Schweiz ist die mit dem Schutz der na­tio­na­len Si­cher­heit be­grün­de­te Mass­nah­me der USA ge­gen un­ser Land nicht ge­recht­fer­tigt.» Be­reits im März in­ter­ve­nier­te die Schweiz bei der USRe­gie­rung. Die USA ha­ben bis heu­te nicht ein­mal auf das An­lie­gen ge­ant­wor­tet.

Laut den Wto-re­geln kann je­des Land selbst be­ur­tei­len, wann sei­ne na­tio­na­le Si­cher­heit ge­fähr­det ist. Doch auch Aus­sen­han­dels­ex­per­te François hält die Us-ar­gu­men­ta­ti­on für nicht be­last­bar. «So­gar das Us-ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um hat sich ge­gen die Zöl­le aus­ge­spro­chen.» Schliess­lich sei­en Us-rüs­tungs­kon­zer­ne wie Bo­eing auf die un­ge­hin­der­te Ver­sor­gung mit Stahl und Alu­mi­ni­um an­ge­wie­sen. «Die Schweiz bleibt auf dem le­ga­len Weg und tut da­mit ge­nau das Rich­ti­ge», ur­teilt François. Auch das Se­co be­tont, dass die Schwei­zer Re­gie­rung nicht be­reit sei, Wto-wid­ri­ge Zöl­le zu ak­zep­tie­ren, aber «sich für re­gel­ba­sier­te Lö­sun­gen ein­setzt».

Auf die Frage, ob die Schwei­zer Kla­ge nicht ei­ne mög­li­che Ge­gen­re­ak­ti­on wie neue Zöl­le der USA pro­vo­zie­ren könn­te, meint Wirt­schafts­pro­fes­sor François: «Das grös­se­re Ri­si­ko wä­re es mei­ner An­sicht nach, wenn die Us-part­ner nicht zu­sam­men­ste­hen und sich nicht weh­ren. Sich ver­ste­cken ist kei­ne Op­ti­on.» Das Se­co selbst fürch­tet kei­ne Straf­ak­tio­nen. «Das Sys­tem ist so ak­zep­tiert, dass die Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens auf po­li­ti­scher Ebe­ne nicht als ‹An­griff› be­trach­tet wird», sagt ein Spre­cher. So ist die Schweiz mit ih­rer Kla­ge nicht al­lein. Auch die Eu­ro­päi­sche Uni­on, Me­xi­ko, Ka­na­da und Nor­we­gen ha­ben be­reits die WTO ein­ge­schal­tet. Die­se Kla­gen hät­ten die USA ak­zep­tiert, so das Se­co.

Das Ver­fah­ren kann Jah­re dau­ern

«Die Kla­ge wird die USA nicht be­ein­dru­cken, aber die Schweiz zeigt sich so­li­da­risch mit sei­nen Eu-part­nern», ur­teilt Martin Na­vil­le, Chef der Schwei­ze­ri­schA­me­ri­ka­ni­schen Han­dels­kam­mer. Vor die­sem Hin­ter­grund sei das Vor­ge­hen als rich­tig zu be­ur­tei­len. Zu­dem sei die Kla­ge als ein in­nen­po­li­ti­sches Si­gnal zu ver­ste­hen, dass die Schweiz in Sa­chen Straf­zöl­len nicht klein bei­gibt. Auch in den USA hät­ten sich vie­le Wirt­schafts­ver­bän­de ge­gen die Zoll­po­li­tik der USRe­gie­rung aus­ge­spro­chen, sagt Martin Na­vil­le.

Schon 2002 hat­te die Re­gie­rung von Ge­or­ge W. Bush Straf­zöl­le auf Stahl­ein­fuh­ren ein­ge­führt. Auch da­mals wand­te sich die Schweiz ge­mein­sam mit Han­dels­part­nern an die WTO und ob­sieg­te. Das neue Ver­fah­ren droht in­des Jah­re zu dau­ern. Zu­nächst kommt jetzt das Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren, bei dem ver­sucht wird, ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung zu er­zie­len. Kommt die­se nicht zu­stan­de, kann ein Schieds­ge­richt ein­be­ru­fen wer­den. Des­sen Ent­scheid kann an ein Be­ru­fungs­or­gan wei­ter­ge­zo­gen wer­den.

Foto: Keysto­ne

Der Spe­zi­al­stahl­her­stel­ler Schmolz + Bi­cken­bach spürt die neu­en Us-zöl­le.

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