Cris­tia­nos Mil­lio­nen-schwal­be

Wenn Ro­nal­do schon nicht Welt­meis­ter wird, könn­te er doch we­nigs­tens Steu­ern zah­len.

Tages Anzeiger - - SEITE ZWEI - Ed­gar Schuler Res­sort­lei­ter Mei­nun­gen

Ein ganz be­son­ders süs­ser Ne­ben­ef­fekt von Cris­tia­no Ro­nal­dos Wech­sel zu Ju­ven­tus Turin ist die Steu­er­er­spar­nis, die er da­mit er­zielt. In Ro­nal­dos Fall wird das Mil­lio­nen aus­ma­chen. An Ro­nal­do – aber auch an Mes­si oder Ney­mar – zeigt sich bei­spiel­haft, wie glo­ba­le Stars und an­de­re Ul­t­ra­rei­che ih­re Bür­ger­pflich­ten um­ge­hen. Ein hals­ab­schnei­de­ri­scher Steu­er­wett­be­werb und ge­ris­se­ne An­wäl­te sor­gen da­für, dass für ei­ne glo­ba­li­sier­te Eli­te nicht gilt, was für al­le an­de­ren ei­ne kla­re Vor­schrift ist. In Turin pro­fi­tiert Ro­nal­do von ei­ner neu­en ita­lie­ni­schen Steu­er­be­stim­mung. Wer ge­nü­gend reich ist und frisch zu­zieht, be­zahlt ei­ne Pau­schal­steu­er von jähr­lich um­ge­rech­net 120’000 Fran­ken. Das tönt für ei­nen nor­ma­len Steu­er­zah­ler nach viel Geld, ist aber für ei­nen Mil­lio­nen­ver­die­ner wie Ro­nal­do ei­ne Er­leich­te­rung, die ganz schön ein­schenkt. Im­mer­hin hat der De­al für Ro­nal­do den Vor­teil, dass er le­gal ist. Ita­li­en hat die Be­stim­mung 2017 ein­ge­führt, um rei­che Aus­län­der an­zu­lo­cken. In Spa­ni­en, wo er bis­her bei Re­al Madrid spiel­te, ist der Por­tu­gie­se mit dem Steu­er­ge­setz in Kon­flikt ge­kom­men. Genau am Tag vor dem Wm­ach­tel­fi­nal­spiel sei­nes Na­tio­nal­teams hat Ro­nal­do Steu­er­hin­ter­zie­hung in vier Fäl­len zu­ge­ge­ben und zwei Jah­re be­ding­te Haft an­er­kannt. Zu­dem muss er dem spa­ni­schen Staat um­ge­rech­net 22 Mil­lio­nen Fran­ken – ja: 22 Mil­lio­nen! – Steu­ern nach­zah­len. Ro­nal­dos An­wäl­te hat­ten Tei­le sei­nes Ver­mö­gens via ih­re Schweizer Bank­be­zie­hun­gen il­le­gal auf die bri­ti­schen Jung­fern­in­seln ver­scho­ben, ein ka­ri­bi­sches Steu­er­pa­ra­dies. Auf den Trick wa­ren die Be­ra­ter ge­kom­men, nach­dem 2014 die «Lex Beck­ham» aus­ge­lau­fen war. Der Na­me die­ser ibe­ri­schen Steu­er­be­stim­mung sagt al­les: Da­mit woll­te schon Spa­ni­en Welt­fuss­bal­ler wie Da­vid Beck­ham und an­de­re rei­che Aus­län­der an­lo­cken. Zur Welt­li­ga der Steu­er­ver­mei­der mit al­len Mit­teln ge­hö­ren ne­ben Ro­nal­do auch sein ar­gen­ti­ni­scher Erz­ri­va­le Lio­nel Mes­si und der Bra­si­lia­ner Ney­mar. Bei­de sind eben­falls in epi­sche Steu­er­ver­fah­ren ver­wi­ckelt. Die drei Fuss­ball­mil­lio­nä­re sind we­gen ih­res Star­sta­tus al­ler­dings nur die be­son­ders sicht­ba­ren Pro­fi­teu­re ei­nes Miss­stands: Für glo­bal agie­ren­de Ul­t­ra­rei­che spie­len na­tio­na­le Steu­er­sys­te­me kei­ne Rol­le mehr. Man ver­schiebt sei­nen Steu­er­sitz nicht an­ders, als wie man sich für ei­nen Tor­schuss in Po­si­ti­on bringt. An der Fuss­ball­wm gibt es für Ro­nal­do, Mes­si und Ney­mar nichts mehr zu fei­ern. Da­für könn­ten sie jetzt doch be­gin­nen, ih­re Steu­ern zu be­zah­len.

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