Af­fä­re Bas­tos: Schweiz friert 210 Mil­lio­nen ein

Pa­ra­di­se Pa­pers Der um­strit­te­ne schwei­ze­risch-an­go­la­ni­sche Ge­schäfts­mann Je­an-clau­de Bas­tos soll un­recht­mäs­sig ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar aus An­go­las Staats­kas­se ab­ge­zo­gen ha­ben.

Tages Anzeiger - - Vorderseite - (bro)

Pa­ra­di­se Pa­pers Der um­strit­te­ne schwei­ze­risch-an­go­la­ni­sche Ge­schäfts­mann Je­an-clau­de Bas­tos soll un­recht­mäs­sig ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar aus An­go­las Staats­kas­se ab­ge­zo­gen ha­ben. In der Schweiz und in An­go­la lau­fen Er­mitt­lun­gen we­gen Geld­wä­sche­rei. Nun be­rei­tet die an­go­la­ni­sche Jus­tiz ei­ne An­kla­ge vor. Das sag­te der obers­te Strafer­mitt­ler des afri­ka­ni­schen Lan­des ges­tern am Rand ei­nes Ar­beits­ge­sprächs bei Bun­des­an­walt Micha­el Lau­ber in Bern. Die Bun­des­an­walt­schaft hat auf Schweizer Bank­kon­ten 210 Mil­lio­nen Dol­lar sper­ren las­sen.

Chris­ti­an Brön­ni­mann Für den aus den Pa­ra­di­se Pa­pers be­kannt ge­wor­de­nen Ge­schäfts­mann Je­an-clau­de Bas­tos wird die Luft im­mer dün­ner. An­go­las Ge­ne­ral­staats­an­walt Hél­der Fer­nan­do Pit­ta Gróz hofft, schon «in dreis­sig bis vier­zig Ta­gen» ge­nü­gend Be­wei­se ge­sam­melt zu ha­ben, um den ehe­ma­li­gen Ver­wal­ter des an­go­la­ni­schen Staats­fonds vor Ge­richt zu brin­gen. Das sag­te Pit­ta Gróz ges­tern in Bern zu die­ser Zei­tung. Zu­vor traf der obers­te Strafer­mitt­ler von An­go­la Bun­des­an­walt Micha­el Lau­ber zu ei­nem of­fi­zi­el­len Ar­beits­ge­spräch.

Ne­ben der all­ge­mei­nen Zu­sam­men­ar­beit war die Af­fä­re rund um Bas­tos und den an­go­la­ni­schen Staats­fonds ei­nes der gros­sen Ge­sprächs­the­men. Via sei­ne Fir­men­grup­pe Quan­tum Glo­bal mit Haupt­sitz in Zug ver­wal­te­te Bas­tos den fünf Mil­li­ar­den Us-dol­lar schwe­ren Staats­fonds, be­vor er nach ei­nem Macht­wech­sel An­fang Jahr ab­ge­setzt wur­de.

Do­ku­men­te aus dem Da­ten­leck Pa­ra­di­se Pa­pers hat­ten im No­vem­ber auf­ge­zeigt, wie Je­an­Clau­de Bas­tos per­sön­lich vom Man­dat pro­fi­tier­te. Ei­ner­seits er­hielt er rie­si­ge Ver­wal­tungs­ge­büh­ren. An­der­seits lei­te­te er ho­he Be­trä­ge aus dem Staats­fonds in ei­ge­ne Pro­jek­te, dar­un­ter ei­nen Ha­fen­bau, in dem zeit­wei­se Sbb-prä­si­den­tin Monika Ri­bar mit­tat. Ri­bar dis­tan­zier­te sich bis heu­te we­der vom Pro­jekt noch von Bas­tos. Ban­ken mel­de­ten Ver­dacht So­wohl in der Schweiz als auch in An­go­la lau­fen nun Er­mitt­lun­gen we­gen Geld­wä­sche­rei. Da­bei geht es nicht nur um die Gel­der des Staats­fonds, son­dern auch um sol­che der an­go­la­ni­schen Na­tio­nal­bank, von der Je­an-clau­de Bas­tos eben­falls Man­da­te er­hielt. Die Bun­des­an­walt­schaft gab ges­tern auf An­fra­ge be­kannt, dass sie auf Schweizer Bank­kon­ten in­zwi­schen 210 Mil­lio­nen Dol­lar sper­ren liess.

Of­fen­bar kam es zu­vor zu meh­re­ren Ver­dachts­mel­dun­gen an die Mel­de­stel­le für Geld­wä­sche­rei MROS. Ban­ken muss­ten der Bun­des­an­walt­schaft In­for­ma­tio­nen lie­fern. An­go­la möch- te die­se In­for­ma­tio­nen über die Geld­flüs­se nun via Rechts­hil­fe von der Schweiz er­hal­ten. Aus den Pa­ra­di­se Pa­pers war her­vor­ge­gan­gen, dass Bas­tos un­ter an­de­rem 41 Mil­lio­nen Dol­lar auf ein Kon­to bei der in­zwi­schen auf­ge­lös­ten Tes­si­ner Bank BSI über­wie­sen hat, de­kla­riert als Di­vi­den­den. Auch die Eid­ge­nös­si­sche Steu­er­ver­wal­tung hat kürz­lich ein Straf­ver­fah­ren er­öff­net.

Der­weil nimmt der Fall im­mer grös­se­re Di­men­sio­nen an. Die­ser Zei­tung liegt ei­ne Ein­ga­be des an­go­la­ni­schen Staats­fonds an ein bri­ti­sches Ge­richt vor. Dar­in schreibt der Fonds, Bas­tos und sei­ne Fir­men hät­ten «un­ter dem Vor­wand, wert­vol­le Di­enst­leis­tun­gen zu er­brin­gen», in we­ni­ger als fünf Jahren ins­ge­samt ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar an Ge­büh­ren und wei­te­ren Ver­wal­tungs­kos­ten vom Staats­fonds be­zo­gen. Die­se Ge­büh­ren sei­en «grob über­höht und un­ge­recht­fer­tigt». Zu­sam­men mit sei­nem Ver­trau­ten, dem ehe­ma­li­gen Chef des Staats­fonds und Sohn des Ex-prä­si­den­ten An­go­las, Jo­sé Fi­lo­me­no dos San­tos, ha­be Bas­tos dem Staats­fonds «mit il­le­ga­len Mit­teln» Scha­den zu­ge­fügt. Da­bei sei bei­den klar ge­we­sen, dass die ab­ge­schlos­se­nen Ver­trä­ge hoch­gra­dig un­vor­teil­haft und nicht im In­ter­es­se des Staats­fonds ge­we­sen sei­en.

Über sei­nen Spre­cher be­stritt Bas­tos ges­tern den In­halt der Ein­ga­be. «Die­se In­for­ma­tio­nen sind nicht kor­rekt.» Al­le Ge­büh­ren sei­en voll­stän­dig of­fen­ge­legt und von den un­ab­hän­gi­gen Wirt­schafts­prü­fern De­loit­te und Tou­che ge­prüft wor­den. Schon in frü­he­ren Stel­lung­nah­men ver­nein­te Bas­tos jeg­li­ches Fehl­ver­hal­ten und stell­te sich auf den Stand­punkt, sei­ne Ent­schä­di­gun­gen ent­sprä­chen «Bran­chen­stan­dards ». Es gilt die Un­schulds­ver­mu­tung. «Fall höchster Prio­ri­tät» Bas­tos und dos San­tos hal­ten sich der­zeit in An­go­la auf und dür­fen nicht aus­rei­sen. «Bei­de muss­ten ih­re Päs­se ab­ge­ben und sind ver­pflich­tet, sich al­le 15 Ta­ge bei den Be­hör­den zu prä­sen­tie­ren», er­klär­te der an­go­la­ni­sche Ge­ne­ral­staats­an­walt Hél­der Fer­nan­do Pit­ta Gróz ges­tern. Ein Ge­richt ha­be ei­ne Be­schwer­de von Bas­tos ge­gen die­se vor­beu­gen­de Mass­nah­me ab­ge­lehnt.

In der Schweiz er­mit­telt die Bun­des­an­walt­schaft der­zeit ge­gen un­be­kannt. Die Er­mitt­lun­gen in An­go­la lau­fen so­wohl ge­gen Je­an-clau­de Bas­tos

So­wohl in der Schweiz als auch in An­go­la lau­fen nun Er­mitt­lun­gen we­gen Geld­wä­sche­rei.

als auch ge­gen Jo­sé Fi­lo­me­no dos San­tos. Ge­ne­ral­staats­an­walt Pit­ta Gróz er­klär­te, mög­li­cher­wei­se wür­den sie spä­ter auf wei­te­re Tat­be­stän­de wie Kor­rup­ti­on und Ver­un­treu­ung aus­ge­wei­tet. Für Geld­wä­sche­rei al­lein be­tra­ge die Höchst­stra­fe in An­go­la fünf Jah­re Ge­fäng­nis. «Der Fall ist der­zeit ei­ner der Fäl­le mit der höchs­ten Prio­ri­tät», sag­te Pit­ta Gróz. «Die Schä­den sind un­ver­gleich­lich, weil wir das Geld hät­ten nut­zen kön­nen, um das Ge­sund­heits- oder Bil­dungs­we­sen in An­go­la zu ver­bes­sern.»

Fo­to: Por­to de Caio Ha­fen­bau in der an­go­la­ni­schen Pro­vinz Ca­bin­da, auch Sbb-prä­si­den­tin Monika Ri­bar un­ter­stütz­te Bas­tos’ Pro­jekt.

Je­an-clau­de Bas­tos Sei­ne Fir­men­grup­pe mit Sitz in Zug ver­wal­te­te den an­go­la­ni­schen Staats­fonds.

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