An­cil­lo Ca­ne­pa re­det FCZ-FANS ins Ge­wis­sen

Sta­di­on Fcz-prä­si­dent An­cil­lo Ca­ne­pa ist zu­ver­sicht­lich, dass das neue Sta­di­on­pro­jekt dies­mal die Volks­ab­stim­mung über­steht, und rich­tet ei­nen drin­gen­den Ap­pell an die ei­ge­nen Fans.

Tages Anzeiger - - Vorderseite - (sch)

Sta­di­on Nach­dem das Stadt­par­la­ment Ja ge­sagt hat zum neu­en Fuss­ball­sta­di­on, steht in Zü­rich ei­ne wei­te­re Ab­stim­mung zu ei­nem Sta­di­on­pro­jekt be­vor. Fcz-prä­si­dent An­cil­lo Ca­ne­pa gibt sich im In­ter­view zu­ver­sicht­lich, dass es dies­mal ein Ja gibt. Al­ler­dings hat er das Pro­blem, dass ein Teil der FCZFans nicht in den Hard­turm um­zie­hen will, weil dies seit je das Ter­ri­to­ri­um von Stadt­ri­va­le GC ist. Aus die­sem Grund will Ca­ne­pa mit den Fans das Ge­spräch su­chen. Hart vor­ge­hen will er ge­gen ge­walt­tä­ti­ge «In­di­vi­du­en» un­ter den An­hän­gern sei­nes Ver­eins.

Herr Ca­ne­pa, was ha­ben Sie am Mitt­woch­abend ge­macht: En­g­land - Kroa­ti­en ge­schaut oder im Rat­haus die Sta­di­on­de­bat­te mit­ver­folgt? Bei­des. Ich ha­be das Spiel live an­ge­schaut, wur­de aber per Te­le­fon lau­fend aus dem Rat­haus in­for­miert. Vor der Sit­zung war ich mit un­se­ren Ju­nio­ren vor dem Rat­haus, um den Ge­mein­de­rä­ten ei­nen Fuss­ball zu über­ge­ben. Ich ha­be mich über die gu­te Stim­mung ge­freut, auch wenn uns auf der an­de­ren Stras­sen­sei­te die Bra­chen­be­für­wor­ter lärm­mäs­sig Kon­kur­renz ge­macht ha­ben. Wann wird der FCZ zum ers­ten Mal im neu­en Sta­di­on spie­len? 2021. Wir ha­ben das ers­te Spiel be­reits ge­plant, ein Der­by ge­gen GC. Die­sen Wunsch ha­ben wir bei der Li­ga de­po­niert. Wo­her die­se Zu­ver­sicht? Ich glau­be, die Er­kennt­nis, dass Zü­rich ein Fuss­ball­sta­di­on braucht, ist un­ter den Zürcher Stimm­bür­gern ge­wach­sen. Ich be­kom­me im Mo­ment von über­all her nur po­si­ti­ves Feed­back. Auch der Wil­le des Stadt­ra­tes, die­ses Sta­di­on zu bau­en, ist gross. Vor al­lem die Stadt­rä­te An­dré Oder­matt und Da­ni­el Leu­pi en­ga­gie­ren sich ex­trem. Des­halb ist die Aus­gangs­la­ge bes­ser als beim letz­ten Mal. Das Re­sul­tat fiel mit 73 zu 37 Stim­men ein­deu­tig aus. Wie in­ter­pre­tie­ren Sie das? Mich freut, wie klar das Er­geb­nis ist. Das ist ein gu­tes Zeichen für die kom­men­de Ab­stim­mung. Was wer­den Sie, was wird der FCZ für ein po­si­ti­ves Re­sul­tat un­ter­neh­men? Wir pla­nen mit GC und In­ves­tor HRS ei­ni­ge Ak­ti­vi­tä­ten. Wir wol­len gut in­for­mie­ren, wol­len un­ter­strei­chen, wie wich­tig das Sta­di­on für un­se­re bei­den Clubs ist. Und wir wer­den ver­su­chen, be­son­ders gut Fuss­ball zu spie­len. Linke Par­tei­en ha­ben Stim­men ge­lie­fert, da­mit die Vor­la­ge zur Ab­stim­mung ge­langt, sind aber ge­gen das Sta­di­on. Was hal­ten Sie von die­sem Vor­ge­hen? Pri­mär freue ich mich auf die Ab­stim­mung, auch wenn sich die SP ne­ga­tiv äus­sern wird. Am En­de wird dies so­gar ein Vor­teil sein, da dies die Be­für­wor­ter zu­sätz­lich ani­miert, an der Ab­stim­mung teil­zu­neh­men. Die SP sagt, dass das Sta­di­on mit ih­rem Vor­schlag schnel­ler ge­baut wer­den kann, als wenn das Volk Ja sagt zur Sta­di­on­vor­la­ge. Sie müss­ten sich ei­gent­lich bei der SP be­dan­ken. Die­se Mei­nung tei­le ich nicht. Ich ha­be auch mit Na­tio­nal­rä­tin Jac­que­line Ba­dran über das Sta­di­on­pro­jekt ge­spro­chen oder bes­ser ge­sagt ge­strit­ten. Man müss­te noch­mals bei null an­fan­gen. Al­lein ei­nen neu­en Wett­be­werb auf­zu­glei­sen, braucht vier Jah­re. Der Weg, den wir jetzt ein­ge­schla­gen ha­ben, wur­de da­mals von al­len Par­tei­en gut­ge­heis­sen. Dar­um soll­ten wir jetzt nicht da- von ab­wei­chen. Man kann nicht kurz vor Mat­chen­de die Re­geln än­dern. Nach dem Sp-ma­nö­ver könn­te es das Sta­di­on schwer ha­ben. Wie schät­zen Sie die La­ge ein? Ich se­he das an­ders. Wir ha­ben gera­de beim FCZ sehr vie­le An­hän­ger und Sym­pa­thi­san­ten, wel­che der SP sehr na­he ste­hen. Ich bin über­zeugt, dass wir auch von So­zi­al­de­mo­kra­ten Un­ter­stüt­zung be­kom­men wer­den. Der wohl gröss­te Teil des Stimm­volks in­ter­es­siert sich nicht gross für den na­tio­na­len Club­fuss­ball. Die­se Leu­te är­gern sich aber über die ge­walt­tä­ti­ge Sze­ne im Um­feld der Zürcher Clubs. Wie stel­len Sie si­cher, dass das Sta­di­on nicht mit Ge­walt aus den Rei­hen der FCZ-FANS tor­pe­diert wird? Was den ers­ten Teil Ih­rer Fra­ge be­trifft, bin ich an­de­rer Mei­nung. Der Club­fuss­ball in­ter­es­siert auch in Zü­rich sehr vie­le Leu­te, auch wenn nicht al­le von ih­nen re­gel­mäs­sig im Sta­di­on sind. Und der zwei­te Teil der Fra­ge? Ge­walt und Van­da­lis­mus sind lei­der The­men, die uns auf Tr­ab hal­ten. Wir un­ter­neh­men al­les Men­schen­mög­li­che, um das zu ver­hin­dern. Aber es gibt ein­fach ei­nen Bo­den­satz von Leu­ten, die we­der er­reich­bar noch the­ra­pier­bar sind. Die­se Leu­te muss man mit Här­te aus dem Ver­kehr zie­hen. Wir ha­ben die Zu­sam­men­ar­beit mit Po­li­zei und Jus­tiz in­ten­si­viert. Wir ha­ben zwei Ar­beits­grup­pen ge­bil­det und dis­ku­tie­ren nun über mög­li­che Mass­nah­men. Wel­che Mass­nah­men ste­hen im Fo­kus? Ge­walt­tä­ter müs­sen kon­se­quent iden­ti­fi­ziert und straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer- den. Wir von den Clubs wer­den wei­ter­hin mehr­jäh­ri­ge Sta­di­on­ver­bo­te er­las­sen. Es hat in den letz­ten Mo­na­ten ei­ni­ge sehr hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der Stadt ... . . . ich weiss, wir neh­men die­se Er­eig­nis­se sehr ernst. Aber im und ums Sta­di­on, dort, wo wir zu­stän­dig sind, ist in den letz­ten Jahren Ru­he eingekehrt. Da hat uns die Vi­deo­über­wa­chung ge­hol­fen und die Tat­sa­che, dass wir die über­wie­gend kor­rek­ten Fans wie Gäs­te be­han­deln. Lei­der gibt es aber In­di­vi­du­en, wel­che die Plattform Fuss­ball miss­brau­chen, um Kra­wall weit ausserhalb des Sta­di­ons zu ma­chen.

«Ob wir vor, hin­ter oder ne­ben den Ge­lei­sen spie­len, ist für mich nicht re­le­vant.» An­cil­lo Ca­ne­pa Fcz-prä­si­dent

Wie gross schät­zen Sie den Scha­den für die Ab­stim­mung ein, den die Hoo­li­gans mit ih­rem Trei­ben an­rich­ten? Das kann man nicht quan­ti­fi­zie­ren, aber po­si­tiv wä­re ein schwe­rer Vor­fall si­cher nicht. Nur muss man sa­gen, die The­ma­tik bleibt uns auch er­hal­ten, wenn wir wei­ter im Let­zi­grund spie­len. Es gibt eben Leu­te, die nicht wis­sen, wie sie sich be­neh­men sol­len, auch in an­de­ren Le­bens­be­rei­chen. Das ist ein Pro­blem, das die gan­ze Ge­sell­schaft be­trifft und nicht nur die Zürcher Fuss­ball­clubs. Da­bei fra­ge ich mich auch, wes­halb nicht die El­tern sol­cher Kra- wall­brü­der zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den. Für FCZ-FANS ist Zü­rich nörd­lich der Glei­se im Hard­turm ver­brann­te Er­de. Wie wol­len Sie es schaf­fen, dass sich Ih­re An­hän­ger dort wohl­füh­len? Es gab bei der letz­ten Ab­stim­mung tat­säch­lich FCZ-FANS, die aus die­sem Grund ge­gen das neue Sta­di­on wa­ren. Ich per­sön­lich kann die­se Ab­leh­nung nicht ganz nach­voll­zie­hen. Am En­de geht es um die Zu­kunft des FCZ, die der Ver­ein nur mit ei­nem neu­en Sta­di­on hat. Ob wir hin­ter, vor oder ne­ben den Ge­lei­sen spie­len, ist für mich nicht re­le­vant. Wir wer­den mit die­sen Fans noch das Ge­spräch su­chen. Über was re­den Sie mit ih­nen? Wir ap­pel­lie­ren an die Fans, dass sie kei­ne Stim­mung ge­gen das Sta­di­on ma­chen, auch wenn sie emo­tio­nal da­ge­gen sind. Ich wer­de sie auch dar­an er­in­nern, wie toll es war, als wir 2007 im al­ten Hard­turm, in ei­nem rei­nen Fuss­ball­sta­di­on, den Ti­tel ge­win­nen und fei­ern konn­ten. Wä­re es nicht ge­schei­ter, man wür­de GC und den FCZ fu­sio­nie­ren? (lacht laut) Vor fünf Jahren ha­ben Sie ge­sagt, die bei­den Clubs wür­den ohne neu­es Sta­di­on nicht über­le­ben kön­nen. Als ich beim FCZ an­ge­fan­gen ha­be, sag­te man mir, in drei Jahren hast du ein neu­es Sta­di­on. Un­ter­des­sen sind zwölf Jah­re ver­gan­gen. Beim ers­ten Pro­jekt Ok­to­gon hat man den Ste­cker ge­zo­gen, das zwei­te Pro­jekt der Stadt ist bei der Ab­stim­mung bach­ab ge­gan­gen. Jetzt ha­be ich mei­ne Na­vi­ga­ti­on zum drit­ten Mal neu ein­ge­stellt. Mein Na­vi­ga­ti­ons­po­ten­zi­al ist dann ir­gend­wann ein­mal aus­ge­schöpft. Kön­nen wir noch ei­ne Ant­wort zur Fu­si­ons­fra­ge ha­ben? Das ist kein The­ma. Da sind zu vie­le Emo­tio­nen in­vol­viert. Wirt­schaft­lich ge­se­hen wür­de es wahr­schein­lich Sinn ma­chen. Aber wir ha­ben zwei Clubs mit über 100-jäh­ri­gen Ge­schich­ten. Was wird sich än­dern, wenn der FCZ im neu­en Sta­di­on spielt? Die Gäs­te­mann­schaf­ten kä­men we­ni­ger gern zu uns. Ich hö­re oft von geg­ne­ri­schen Spie­lern, dass sie gern im Let­zi­grund spie­len, da sie den Druck des Pu­bli­kums hier viel we­ni­ger spü­ren. Än­dern wür­de sich für uns aber vor al­lem wirt­schaft­lich et­was. Wir kön­nen das neue Sta­di­on selbst­stän­dig ver­mark­ten und vor­sich­tig ge­rech­net mit durch­schnitt­lich 15 000 Zu­schau­ern rech­nen, wäh­rend es heu­te nur rund 10 000 sind. Wir wer­den schon An­fang Sai­son mit ei­nem aus­ge­gli­che­nen Bud­get star­ten, weil wir mehr Ein­nah­men ge­ne­rie­ren. So müss­ten Sie Ihr Porte­mon­naie nicht mehr so oft öff­nen. Das ist si­cher auch ein The­ma. Es kann ja nicht sein, dass ein Fuss­ball­club im rei­chen Zü­rich von ein­zel­nen Per­so­nen ab­hän­gig ist. Auf­grund der wirt­schaft­li­chen Po­tenz von Zü­rich müss­ten der FCZ oder GC je­des Jahr in der Cham­pi­ons Le­ague mit­spie­len. Wie sieht Ihr Plan B aus, wenn das Sta­di­on wie­der schei­tert? Ei­nen Plan B ha­be ich nicht, höchs­tens ei­nen Plan C. Der wä­re? Da­zu sa­ge ich nichts. Dann schmeis­sen Sie den Bet­tel hin? Es ent­spricht nicht mei­nem Cha­rak­ter, den Bet­tel ein­fach hin­zu­schmeis­sen. Aber ei­ne stra­te­gi­sche Neu­be­ur­tei­lung wür­de ich si­cher vor­neh­men.

«Man kann nicht kurz vor Mat­chen­de die Re­geln än­dern»: Fcz-prä­si­dent An­cil­lo Ca­ne­pa. Fo­to: En­nio Le­an­za (Keystone)

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