Was­ser zu nut­zen, wird bil­li­ger

Ge­setz­ge­bung Wer ein öf­fent­li­ches Ge­wäs­ser nutzt, muss da­für ei­ne Ge­bühr zah­len. Nun hat der Kan­tons­rat die­se teil­wei­se ab­ge­schafft. SP und Grü­ne fürch­ten ei­nen Run auf Kon­zes­sio­nen.

Tages Anzeiger - - Zürich - Li­lia­ne Mi­nor

Ge­wäs­ser ge­hö­ren in der Schweiz grund­sätz­lich der All­ge­mein­heit, ge­nau­er ge­sagt: den Kan­to­nen. Das gilt nicht nur für Se­en, Flüs­se und Bä­che, son­dern auch für Qu­el­len, ja so­gar für das Grund­was­ser. Wer Ge­wäs­ser für sich nut­zen will und da­mit den Zu­gang der Öf­fent­lich­keit ein­schränkt, muss ei­ne Kon­zes­si­on be­an­tra­gen und zahlt ei­ne Ge­bühr.

Be­kannt sind die Was­ser­zin­se, wel­che Kraft­wer­ke zu ent­rich­ten ha­ben – we­ni­ger be­kannt ist, dass auch für Boots­häus­chen, Ste­ge und Auf­schüt­tun­gen, ja so­gar für Bo­jen und für Be­wäs­se­rungs­an­la­gen ei­ne Ge­bühr an­fällt. Auch die Nut­zung von Grund­was­ser, et­wa für Hei­zo­der Kühl­zwe­cke, kos­tet Geld. Je­des Jahr ver­gibt der Kan­ton 15 bis 30 neue Kon­zes­sio­nen.

Im Kan­ton Zü­rich und in vie­len an­de­ren Kan­to­nen setzt sich die Ge­bühr heu­te aus drei Tei­len zu­sam­men: Ers­tens be­rech­net die Ver­wal­tung die Kos­ten, die für die Be­ar­bei­tung an­fal­len. Zwei­tens fällt auf je­den Fall ei­ne ein­ma­li­ge Ver­leih­ge­bühr an. Sie ist der Preis da­für, dass der Kan­ton dem Kon­zes­si­ons­neh­mer das Recht re­ser­viert, Was­ser zu nut­zen. Drit­tens zahlt der Kon­zes­si­ons­neh­mer, so­bald er das Ge­wäs­ser tat­säch­lich nutzt, ei­ne jähr­li­che Nut­zungs­ge­bühr, die je nach Art der Kon­zes­si­on be­trächt­lich va­ri­iert.

Doch die­ses System soll sich än­dern: Der Kan­tons­rat hat am Mon­tag be­schlos­sen, die Ver­leih­ge­bühr aus dem neu­en Was­ser- ge­setz zu strei­chen. Aus­ge­nom­men da­von sind ein­zig Was­ser­kraft­wer­ke. Da­mit ent­ge­hen dem Kan­ton nach An­ga­ben der Bau­di­rek­ti­on rund 150 000 Fran­ken pro Jahr. «Vul­gär­li­be­ra­lis­mus» Das ist zwar nicht sehr viel Geld. Für SP, Grü­ne, GLP, EVP und BDP, wel­che die Än­de­rung ab­ge­lehnt ha­ben, ist der Ver­zicht auf die Ver­leih­ge­bühr den­noch nicht halt­bar. «Der Kan­ton ver­gibt da­mit ei­nen Wert gra­tis, näm­lich das Recht, die Nut­zung von Ge­wäs­sern oder Ufer­be­rei­chen zu re­ser­vie­ren», sagt Tho­mas For­rer (Grü­ne, Er­len­bach). «Da­bei steht das, was re­ser­viert ist, an­de­ren In­ter­es­sen­ten und der All­tem­ein­heit nicht mehr zur Ver­fü­gung.» Am Mon­tag sprach For­rer gar von «Vul­gär­li­be­ra­lis­mus». Die neue Re­ge­lung kom­me vor al­lem der oh­ne­hin schon pri­vi­le­gier­ten «vor­ders­ten Rei­he am Zü­rich­see» ent­ge­gen.

Rue­di Lais (SP, Wal­li­sel­len) wählt et­was we­ni­ger for­sche Wor­te, aber auch er är­gert sich: «Künf­tig kann je­mand ein­fach kos­ten­los das Ei­gen­tum der All­ge­mein­heit re­ser­vie­ren.» Die bis­he­ri­ge Ver­leih­ge­bühr er­ge­be durch­aus Sinn, fin­det Lais: «Da­mit war ein ge­wis­ses Com­mit­ment ver­bun­den. Die Ge­bühr sorg­te da­für, dass nur je­mand ei­ne Kon­zes­si­on be­an­trag­te, wenn er sie wirk­lich nut­zen woll­te.» Fal­le die Ver­leih­ge­bühr weg, sei es ein Ein­fa­ches, ei­ne Kon­zes­si­on zu be­an­tra­gen, bloss um zu ver­hin­dern, dass ein an­de­rer bei­spiels­wei­se ei­nen Boots­steg auf­stellt. Aus Lais’ Sicht ist das um­so stos­sen­der, als er er­war­tet, dass künf­tig eher mehr als we­ni­ger Kon­zes­sio­nen be­an­tragt wer­den: «Fluss­was­ser kann man zu Heiz­zwe­cken ver­wen­den – und das könn­te in Zei­ten, in de­nen er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ge­fragt und die Ge­wäs­ser eher zu warm als zu kalt sind, künf­tig an Be­deu­tung zu­neh­men.» «Ge­bühr un­ver­ständ­lich» Chris­ti­an Schu­can (FDP, Ue­ti­kon am See) kann die­se Ar­gu­men­te nicht tei­len. Die Ver­leih­ge­bühr sei für die Kon­zes­si­ons­neh­mer nicht nach­voll­zieh­bar, fin­det er: «Teil­wei­se wur­de sie gleich­zei­tig wie die ers­te Nut­zungs­ge­bühr in Rech­nung ge­stellt.» Das sei stos­send.

Dass Kon­zes­sio­nen nur ge­löst wer­den, um an­de­re von der Ge­wäs­ser­nut­zung aus­zu­schlies­sen, glaubt Schu­can nicht: «Das kann man ver­hin­dern, in­dem man ei­ne ent­spre­chen­de Klau­sel ein­baut – et­wa, dass die Kon­zes­si­on un­ge­nutzt nach ei­ner ge­wis­sen Zeit ver­fällt.»

Nicht zu den Aus­wir­kun­gen der Ge­set­zes­än­de­rung äus­sern will sich die Bau­di­rek­ti­on.

Fo­to: istock

Selbst für ei­ne Bo­je ist ei­ne Kon­zes­si­on nö­tig.

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