Ge­mein­de­schrei­ber-Lohn kri­tisch durch­leuch­tet

An der Ge­mein­de­ver­samm­lung wur­de der Jah­res­lohn von Ge­mein­de­schrei­ber Tho­mas Lüs­si of­fen­ge­legt. Der Grund: Ein Stimm­be­rech­tig­ter fin­det die­sen viel zu hoch und reich­te des­halb ei­ne An­fra­ge beim Ge­mein­de­rat ein.

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An der Ge­mein­de­ver­samm­lung im Schul­haus Wi­sa­cher in Hochfelden wur­de der Lohn von Ge­mein­de­schrei­ber Tho­mas Lüs­si zum The­ma ge­macht. Ein Stimm­bür­ger reich­te ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge beim Ge­mein­de­rat ein. Sei­ner Mei­nung nach ist der Mo­nats­lohn des Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten zu hoch. «An­de­re, zum Teil grös­se­re Ge­mein­den be­zah­len ih­ren Ge­mein­de­schrei­bern nicht so viel Geld», sagt An­stös­ser Kurt Egger. Ge­mein­de­prä­si­den­tin Si­mo­ne Ca­nep­pe­le ist da an­de­rer Mei­nung: «Wir hal­ten uns an die kan­to­na­le Ent­schä­di­gungs­ver­ord­nung.» Tho­mas Lüs­si dürf­te in Hochfelden pro Mo­nat rund 13 500 Fran­ken net­to ver­die­nen. Die So­zi­al­ab­ga­ben über­nimmt die Fir­ma Lüs­si Of­fice Gm­bH, wel­che je zur Hälf­te ihm und sei­ner Ehe­frau ge­hört. Ca­nep­pe­le: «Auf die Ge­mein­de fal­len dem­nach jähr­lich Kos­ten zwi­schen 170000 und 180000 Fran­ken.» So­mit lie­ge man sehr wohl auf dem Lohn­ni­veau an­de­rer Ge­mein­den in der Re­gi­on.

Die 50 an­we­sen­den Stimm­be­rech­tig­ten ha­ben al­le neun Ge­schäf­te der Po­li­ti­schen und der Pri­mar­schul­ge­mein­de an­ge­nom­men.

Die 50 Stimm­be­rech­tig­ten (Stimm­be­tei­li­gung von 3,8 Pro­zent) ge­neh­mig­ten an der Hoch­fel­der Ge­mein­de­ver­samm­lung al­le neun Ge­schäf­te dis­kus­si­ons­los. Zu re­den gab aber ei­ne An­fra­ge, die Kurt Egger beim Ge­mein­de­rat plat­ziert hat. In die­ser wird die An­stel­lung von Ge­mein­de­schrei­ber Tho­mas Lüs­si the­ma­ti­siert. Da­bei woll­te Egger wis­sen, wie sich Lüs­sis Mo­nats­lohn zu­sam­men­setzt. In der Ant­wort des Ge­mein­de­ra­tes heisst es: «Für den Ein­satz als Ge­mein­de­schrei­ber wird ein Be­trag von 115 Fran­ken pro St­un­de plus Mehr­wert­steu­er ver­rech­net.» Der To­tal­auf­wand ha­be im ver­gan­ge­nen Jahr 247 000 Fran­ken be­tra­gen. Da­zu sei an­zu­mer­ken, dass die An­stel­lung von Ja­nu­ar bis Sep­tem­ber 2017 als Sprin­ger ent­schä­digt wor­den sei, das heisst hö­her als 115 Fran­ken pro St­un­de. Erst ab Ok­to­ber sei der tie­fe­re An­satz ver­rech­net wor­den. «Das Ar­beits­pen­sum betrug un­ter Ein­be­zug fe­ri­en­hal­ber Ab­we­sen­heit 97 Pro­zent», heisst es in der Ant­wort wei­ter.

So­zi­al­ab­ga­ben wer­den nicht von der Ge­mein­de ge­tra­gen

Für Kurt Egger ist klar: Das ist zu viel. «Ich ver­ste­he nicht, wie­so wir für un­se­ren Ge­mein­de­schrei­ber viel mehr Geld be­zah­len, als das in an­de­ren Ge­mein­den der Fall ist.» Sei­ne An­fra­ge wür­de sich aber kei­nes­falls ge­gen Tho­mas Lüs­si als Per­son rich­ten. «Es geht hier nur um sei­ne Ent­schä­di­gung», sagt Egger.

Ge­mein­de­prä­si­den­tin Si­mo­ne Ca­nep­pe­le ent­geg­net: «Die ef­fek­ti­ven Kos­ten für die Ge­mein­de la­gen zwi­schen 170 000 und 180 000 Fran­ken.» Der Grund: Die So­zi­al­ab­ga­ben wer­den von der Lüs­si Of­fice Gm­bH – die Fir­ma ge­hört Tho­mas Lüs­si und sei­ner Ehe­frau je zur Hälf­te – über­nom­men. Dies sei­en et­wa 20 bis 30 Pro­zent des Jah­res­sa­lärs. In An­be­tracht die­ser Zah­len be­trägt der Net­to­lohn von Lüs­si al­so rund 13500 Fran­ken im Mo­nat (in­klu­si­ve 13. Mo­nats­lohn).

Ca­nep­pe­le be­tont: «Wir ha­ben ei­nen sehr gu­ten Ge­mein­de­schrei­ber. Das Ar­beits­kli­ma auf der Ver­wal­tung ist zur­zeit so gut wie schon lan­ge nicht mehr.» Beim Lohn von Tho­mas Lüs­si hal­te sich die Ge­mein­de an die kan­to­na­le Ent­schä­di­gungs­ver­ord­nung. «Im Ver­gleich zu an­de­ren Ge­mein­den in der Re­gi­on liegt der Lohn un­se­res Ge­mein­de­schrei­bers im Durch­schnitt», sagt Ca­nep­pe­le.

Tho­mas Lüs­si wohnt in Hüt­ti­kon und ist dort Ge­mein­de­rat. Ein Stimm­be­rech­tig­ter meint: «Es wä­re schön, wenn un­ser Ge­mein­de­schrei­ber in Hochfelden le­ben wür­de, dann wür­den wir we­nigs­tens ei­nen Teil des Gel­des bei den Steu­ern zu­rück­er­hal­ten.» Sei­ne Aus­sa­ge sorg­te für ver­ein­zel­te La­cher. Ca­nep­pe­le schlag­fer­tig: «Ich wer­de es mei­nem Kol­le­gen mal schmack­haft ma­chen.»

Er­freu­li­che Jah­res­rech­nun­gen dank hö­he­ren Steu­er­er­trä­gen

Grund zur Freu­de ga­ben die bei­den Jah­res­rech­nun­gen. Je­ne der Po­li­ti­schen Ge­mein­de schliesst we­sent­lich bes­ser ab als er­war­tet. Dem Auf­wand von 7,6 Mil­lio­nen Fran­ken steht ein Er­trag von 8,2 Mil­lio­nen Fran­ken ge­gen­über. Dar­aus re­sul­tiert ein Ge­winn von 580 000 Fran­ken. Bud­ge­tiert war ein De­fi­zit in der Hö­he von 328 000 Fran­ken. So­mit steigt das Ei­gen­ka­pi­tal der Ge­mein­de auf 9,8 Mil­lio­nen Fran­ken an. Si­mo­ne Ca­nep­pe­le sagt: «Das ist sehr kom­for­ta­bel für uns. Der Ge­mein­de geht es so weit gut.» Sie fügt an: «Wenn das Ei­gen­ka­pi­tal bei ei­ner Mil­li­on Fran­ken lä­ge, wür­de es kri­tisch. Da­von sind wir aber weit ent­fernt.» Ei­nen be­acht­li­chen An­teil zum po­si­ti­ven Rech­nungs­er­geb­nis leis­te­ten die or­dent­li­chen Steu­er­er­trä­ge, die um fast 100000 Fran­ken hö­her aus­ge­fal­len sind als bud­ge­tiert. Und dies, ob­wohl die Be­völ­ke­rungs­zah­len von Hochfelden rück­läu­fig sei­en. Die Jah­res­rech­nung der Po­li­ti­schen Ge­mein­de wur­de gross­mehr­heit­lich ge­neh­migt.

Wie schon im Vor­jahr weist auch die Pri­mar­schul­ge­mein­de ein bes­se­res Rech­nungs­er­geb­nis aus, als sie pro­gnos­ti­ziert hat. Aus dem bud­ge­tier­ten De­fi­zit von 280 000 Fran­ken ist ein Ge­winn von 62000 Fran­ken ge­wor­den. Auch hier ha­ben die hö­he­ren Steu­er­er­trä­ge von 245 000 Fran­ken über dem Vor­an­schlag ei­ne ge­wich­ti­ge Rol­le ge­spielt. Das Ei­gen­ka­pi­tal be­trägt nun 1,3 Mil­lio­nen Fran­ken.

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