Wahl­ver­lie­rer ver­las­sen die Kir­chen­pfle­ge Furttal

Nicht ein­mal ei­ne gan­ze Wo­che ist seit dem zwei­ten Wahl­gang ver­gan­gen und schon müs­sen die ers­ten Er­satz­wah­len vor­be­rei­tet wer­den. In der Kir­chen­pfle­ge Furttal sind gleich zwei Äm­ter neu zu be­set­zen.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Red

Am 1. Ju­li wer­den die drei re­for­mier­ten Furt­ta­ler Kirch­ge­mein­den Buchs, Däl­li­kon-Dä­ni­kon und Re­gens­dorf of­fi­zi­ell zur re­for­mier­ten Kir­che Furttal fu­sio­nie­ren. Ob­wohl an den Er­neue­rungs­wah­len al­le sie­ben Sit­ze der neu­en Kir­chen­pfle­ge be­setzt wer­den konn­ten, gibt es be­reits wie­der zwei Va­kan­zen.

Der Prä­si­dent und sein Vi­ze tre­ten ih­re Äm­ter nicht an

Har­ry Et­zen­sper­ger, wäh­rend zwölf Jah­ren Prä­si­dent der Re­gens­dor­fer Kir­chen­pfle­ge, und sein eben­so lang­jäh­ri­ger Vi­ze, Chris­toph Bur­ri, ga­ben an, dass sie ih­re Äm­ter nicht an­tre­ten wer­den. Die bei­den kan­di­dier­ten im zwei­ten Wahl­gang von ver­gan­ge­nem Sonn­tag für das Prä­si­di­um der neu­en Kir­chen­pfle­ge. Ge­wählt wur­de al­ler­dings kei­ner von bei­den. Mit deut­li­chem Vor­sprung mach­te Pe­ter Ran­deg­ger das Ren­nen, der wie Et­zens­ber­ger und Bur­ri bis­her Mit­glied der Kir­chen­pfle­ge Re­gens­dorf war.

Im ers­ten Wahl­gang Mit­te April tra­ten le­dig­lich Et­zen­sper­ger und Bur­ri of­fi­zi­ell für das Prä­si­di­um an. Bei­de er­reich­ten da­mals das ab­so­lu­te Mehr nicht. Sie kün­de­ten aber kurz da­nach an, beim zwei­ten Wahl­gang er­neut für das Prä­si­di­um an­zu­tre­ten. Ran­deg­ger hin­ge­gen ent­schied sich erst nach den bei­den da­zu, beim zwei­ten Wahl­gang eben­falls für das Prä­si­di­um zu kan­di­die­ren.

Har­ry Et­zen­sper­ger, wäh­rend zwölf Jah­ren Prä­si­dent der Re­gens­dor­fer Kir­chen­pfle­ge, und sein eben­so lang­jäh­ri­ger Vi­ze, Chris­toph Bur­ri, kan­di­dier­ten be­reits im ers­ten Wahl­gang im April or­dent­lich für das Prä­si­di­um und wur­den zu­sam­men mit Kir­chen­pfle­ge­mit­glied Pe­ter Ran­deg­ger in die Be­hör­de ge­wählt. Für das Prä­si­di­um ver­pass­ten aber bei­de das ab­so­lu­te Mehr von 583 Stim­men; sie la­gen prak­tisch gleich­auf (487 be­zie­hungs­wei­se 447) und muss­ten – bei er­klär­ter An­nah­me der Wahl in die Kir­chen­pfle­ge – ver­gan­ge­nes Wo­che­n­en­de in den zwei­ten Wahl­gang.

Zu die­sem trat nun Pe­ter Ran­deg­ger, für sei­ne Kol­le­gen wohl et­was un­ver­hofft, auch noch an und wur­de mit 603 Stim­men ge­gen­über 151 (Et­zen­sper­ger) und 77 (Bur­ri) klar zum Prä­si­den­ten ge­wählt. Im Ge­gen­satz zu Bur­ri und Et­zen­sper­ger, die auf Wahl­kampf mit In­se­ra­ten und Auf­trit­ten ver­zich­tet hat­ten, mach­te Ran­deg­ger mit Öf­fent­lich­keits­ar­beit auf sei­ne Kan­di­da­tur auf­merk­sam.

Rück­tritt am Wahl­sonn­tag

Die Wahl Ran­deg­gers ver­an­lass­te Bur­ri, noch am glei­chen Sonn­tag dem «Furt­ta­ler» sei­ne Rück­tritts­er­klä­rung mit Dank an sei­ne Wäh­ler­schaft zu­zu­stel­len. Wie Martin Röhl, Lei­ter Rechts­dienst der Re­for­mier­ten Lan­des­kir­che, auf An­fra­ge be­stä­tigt, be­steht kein Amts­zwang. Sein Amt trotz Wahl nicht an­zu­tre­ten, ist dem­nach grund­sätz­lich mög­lich.

Auf dem Di­enst­weg in­for­mier­te Chris­toph Bur­ri die Be­zirks­kir­chen­pfle­ge per Ein­schrei­ben und die Kir­chen­pfle­gen Re­gens­dorf und Furttal so­wie de­ren Um­feld. Et­zen­sper­ger tat den glei­chen Schritt An­fang Wo­che per Mail an die er­for­der­li­chen In­stan­zen. Zu­vor hat­te er aber schon – wie er die­se Wo­che sag­te – «am 29. Mai der Be­zirks­kir­chen­pfle­ge mei­ne De­mis­si­on un­ab­hän­gig vom Wahl­aus­gang und mei­nen Aus­tritt aus der re­for­mier­ten Kir­che mit­ge­teilt».

Er­satz­wah­len im No­vem­ber

Da­mit steht die re­for­mier­te Kir­che Furttal zwei Wo­chen vor ih­rem Hoch­zeits­ge­läut mit neu­em Prä­si­den­ten, aber un­voll­stän­di­ger Kir­chen­pfle­ge da. Ih­re von der Re­for­mier­ten Lan­des­kir­che des Kan­tons Zü­rich ge­neh­mig­te Kirch­ge­mein­de­ord­nung schreibt ei­ne Pfle­ge mit sie­ben Mit­glie­dern vor. Die re­for­mier­ten Re­gens­dor­fer müs­sen al­so min­des­tens zwei Kan­di­da­ten fin­den, wäh­rend Ge­mein­de­schrei­ber Ste­fan Pfyl schon die Er­satz­wahl für die ver­ein­ten Kirch­ge­mein­den vor­zu­be­rei­ten be­ginnt. «Es dürf­te No­vem­ber oder gar spä­ter wer­den, bis die neue Kir­chen­pfle­ge voll­zäh­lig sein wird», schätzt Kir­chen­pfle­ge­schrei­ber Eu­gen Staub, «al­les an­de­re wä­re schon sehr sport­lich.»

Be­weg­grün­de un­klar

Wes­halb aber die­ser Rück­tritt zwei­er be­stan­de­ner Kir­chen­pfle­ger? «Die Be­völ­ke­rung hat das so ge­wollt», sagt Et­zen­sper­ger, «sie hat mich aus­ge­schlos­sen.» Für ihn sei zu­dem im­mer klar ge­we­sen, dass er «un­ter Pe­ter Ran­deg­ger kei­ne Mi­nu­te in der Kir­chen­pfle­ge» wir­ken wür­de. Wes­halb, bleibt un­klar – «es geht nicht um sei­ne Per­son». Und bei ei­ner Wahl Bur­ris zum Prä­si­den­ten? «Das hät­te ich mir über­le­gen müs­sen, hät­te aber si­cher nicht den Kir­chen­aus­tritt ge­ge­ben.»

Bur­ri hat­te sich mit ei­nem Rück­tritt auf Amts­über­nah­me der neu­en Kirch­ge­mein­de Furttal hin be­schäf­tigt, dann aber in Ab­spra­che mit Et­zen­sper­ger fürs Prä­si­di­um und da­mit für ei­ne neue Her­aus­for­de­rung kan­di­diert. «Bei ei­ner Wahl hät­te ich sein Er­be wei­ter­ge­führt», sagt er. Ran­deg­ger ha­be schon bei sei­ner Wahl in die Kir­chen­pfle­ge vor acht Jah­ren das Prä­si­di­um an­ge­strebt, und Bur­ri ha­be da­mals schon ent­schie­den, un­ter ihm nicht in der Pfle­ge zu ver­blei­ben. Auch hier blei­ben die Grün­de va­ge; Chris­toph Bur­ri spricht von «an­de­ren Ge­schwin­dig­kei­ten, an­de­ren Vi­sio­nen».

«Der Start ist un­schön»

Bei ei­ner Kan­di­da­tur von Et­zen­sper­ger ums Prä­si­di­um wür­de er nicht als Ge­gen­kan­di­dat an­tre­ten, hat­te Ran­deg­ger die­sem im No­vem­ber zu­ge­sagt. Und als Bur­ri im De­zem­ber sei­ne Kan­di­da­tur be­kannt ge­ge­ben ha­be, sei für Ran­deg­ger klar ge­we­sen: «Ich nicht.» Ei­ne Ana­ly­se nach dem ers­ten Wahl­gang und Ge­sprä­che mit Leu­ten hät­ten dann aber er­ge­ben: «Man will bei­de nicht im Prä­si­di­um, und so bin ich ein­ge­stie­gen; ich er­hielt Un­ter­stüt­zung, und das Re­sul­tat be­stä­tigt das», sagt Ran­deg­ger. Mit der nun ent­stan­de­nen Dop­pel­va­kanz hat­te er nicht ge­rech­net, mit ei­ner ein­fa­chen (Bur­ri) hin­ge­gen schon. «Der Start ist un­schön, klar», räumt Ran­deg­ger ein.

Sprach- und fas­sungs­los

Kir­chen­pfle­ge­schrei­ber Eu­gen Staub, Pfle­ge­rin­nen und Pfle­ger aus den an­de­ren Ge­mein­den, auch Pfarr­leu­te – al­le zei­gen sich, wie Bar­ba­ra Gölz, Pro­jekt­lei­te­rin Kir­che Furttal, «völ­lig über­rum­pelt» und ei­ni­ger­mas­sen sprachund fas­sungs­los ob der sich über­stür­zen­den Vor­gän­ge ge­wis­ser­mas­sen am Vor­abend der «Ge­burt» der neu­en Kirch­ge­mein­de.

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