We­nig Po­ten­zi­al für E-Tank­stel­len

Soll der Staat öf­fent­li­che La­de­sta­tio­nen für Elek­tro­fahr­zeu­ge för­dern? Der Zürcher Re­gie­rungs­rat hat sei­ne Zwei­fel.

Zürcher Unterländer - - Zürich - Mat­thi­as Schar­rer

Elek­tro­mo­bi­li­tät be­wegt die Mas­sen. Das zeig­te sich nicht nur beim For­mel-E-Ren­nen in Zü­rich am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de, als über 150000 Men­schen das Spek­ta­kel vor Ort ver­folg­ten. Auch im All­tag ge­hö­ren Elek­tro­fahr­zeu­ge zu­neh­mend zum Stras­sen­bild. Ent­spre­chend ka­men po­li­ti­sche Vor­stös­se zum The­ma Strom­tank­stel­len auf. In sei­ner Ant­wort auf ein Pos­tu­lat aus den Rei­hen von GLP, FDP und SVP hat der Zürcher Re­gie­rungs­rat nun sei­ne Hal­tung da­zu for­mu­liert.

Die Pos­tu­lan­ten woll­ten wis­sen, was der Kan­ton tut, da­mit die An­zahl der öf­fent­lich nutz­ba­ren, von Pri­va­ten zur Ver­fü­gung ge­stell­ten La­de­sta­tio­nen für Elek­tro­au­tos zu­nimmt. Die Re­gie­rung äus­sert sich zwar wohl­wol­lend über die Elek­tro­mo­bi­li­tät, so­fern der Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len kommt. Punk­to Elek­tro­tank­stel­len schreibt sie aber: «Zu­sam­men­fas­send kann fest­ge­hal­ten wer­den, dass sol­che An­la­gen bei ge­eig­ne­ten Park­plät­zen ih­re Be­rech­ti­gung ha­ben, je­doch ist das Po­ten­zi­al als be­schei­den ein­zu­schät­zen.»

«Kei­ne kan­to­na­le Auf­ga­be»

Ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­tei­li­gung des Kan­tons sei «aus­ge­schlos­sen». Selbst die Fi­nan­zie­rung öf­fent­li­cher La­de­sta­tio­nen bei kan­to­na­len Ge­bäu­den sei «nicht als kan­to­na­le Auf­ga­be ein­zu­stu­fen». Und: «Grund­sätz­lich lehnt der Re­gie­rungs­rat La­de­sta­tio­nen an Staats­stras­sen aus Si­cher­heits­grün­den ab.»

Für den Gross­teil der in­fra­ge kom­men­den Ver­kehrs­flä­chen sei­en oh­ne­hin die Ge­mein­den zu­stän­dig. Ein Be­darf nach Elek­tro­la­de­sta­tio­nen be­ste­he vor­wie­gend bei pu­bli­kums­in­ten­si­ven und al­len­falls tou­ris­tisch re­le­van­ten Stand­or­ten. Haupt­kri­te­ri­um bei der Be­wil­li­gung sei­en Si­cher­heits­fra­gen.

Grund­sätz­lich sind die Er­rich­tung und der Be­trieb von E-Tank­stel­len ge­mäss Re­gie­rungs­rat aber Sa­che der Pri­vat­wirt­schaft wie auch bei her­kömm­li­chen Die­se­lund Ben­zin­tank­stel­len. Oh­ne­hin fin­de ein Gross­teil der La­de­vor­gän­ge zu Hau­se oder am Ar­beits­platz statt.

Auf­la­den an Stras­sen­la­ter­nen

Trotz die­ser re­gie­rungs­rät­li­chen Skep­sis sind die Elek­tri­zi­täts­wer­ke des Kan­tons Zü­rich (EKZ) auf dem Markt ak­tiv: Sie er­neu­ern der­zeit 20 ei­ge­ne Elek­tro­tank­stel­len. Nach der Er­neue­rung daue­re ei­ne Voll­la­dung an die­sen öf­fent­li­chen E-Tank­stel­len vier bis acht St­un­den, schreibt der Re­gie­rungs­rat. An der Schnell­la­de­sta­ti­on der My-Stop-Rast­stät­te an der A 4 wer­de die Bat­te­rie in we­ni­ger als 30 Mi­nu­ten zu 80 Pro­zent auf­ge­la­den. Fer­ner er­brin­gen die EKZ beim Bau und Be­trieb von Elek­tro­mo­bil-La­de­sta­tio­nen Di­enst­leis­tun­gen für Grund­ei­gen­tü­mer, wie der Re­gie­rungs­rat wei­ter fest­hält. Zu­dem füh­ren sie in Schlie­ren der­zeit ein Pi­lot­pro­jekt zum Auf­la­den von Elek­tro­au­tos an Stras­sen­la­ter­nen durch. Die La­de­sta­tio­nen wer­den «ge­ra­de un­ter der Wo­che re­gel­mäs­sig ge­nutzt», wie die EKZ auf An­fra­ge mit­tei­len.

Ge­ne­rell hal­ten die EKZ zum The­ma Elek­tro­tank­stel­len fest: «Wir glau­ben nicht, dass der Auf­bau ei­ner flä­chen­de­cken­den öf­fent­li­chen (Lang­sam-)La­deIn­fra­struk­tur nö­tig sein wird.» Schnell­la­de­sta­tio­nen wür­den aber künf­tig auch wich­tig für E-Last­wa­gen und -Bus­se oder für Ta­xis und Lo­gis­tik­dienst­leis­ter, die die La­de­zeit mi­ni­mie­ren müs­sen.

TCS: «Nach­fra­ge wird stei­gen»

Ähn­lich wie die Kan­tons­re­gie­rung sieht sich auch der Zürcher Stadt­rat eher we­ni­ger als Be­trei­ber von E-Tank­stel­len: Als die Fir­ma ABB der Stadt beim For­mel-E-Ren­nen letz­tes Wo­che­n­en­de 30 Schnell­la­de­sta­tio­nen schenk­te, sag­te der zu­stän­di­ge Stadt­rat Micha­el Baumer (FDP): «Wir un­ter­stüt­zen ABB bei der Su­che nach Stand­or­ten und Be­trei­bern für die La­de­sta­tio­nen.» Städ­ti­sche oder stadt­na­he Be­trie­be wie die Elek­tri­zi­täts­wer­ke Zü­rich, Ener­gie 360° und die Par­king Zü­rich AG kä­men als Be­trei­ber der ge­schenk­ten Schnell­la­de­sta­tio­nen aber durch­aus in­fra­ge, eben­so Wohn­bau­ge­nos­sen­schaf­ten. Der Stadt­rat wol­le grund­sätz­lich E-La­de­sta­tio­nen an öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Or­ten. Baumer hielt wei­ter fest: «Elek­tro­mo­bi­li­tät hat für die Zu­kunft des Ver­kehrs in Städ­ten wie Zü­rich ein noch brach­lie­gen­des Po­ten­zi­al.»

Dem pflich­tet Re­to Ca­ve­gn bei: «Die Nach­fra­ge wird stei­gen», so der Ge­schäfts­füh­rer des TCS Zü­rich. «Aber man müss­te sich auf ein ein­heit­li­ches Sys­tem ei­ni­gen.» Be­ste­hen­de La­de­sta­tio­nen sei­en noch zu häu­fig nicht mit al­len E-Mo­bi­len kom­pa­ti­bel.

Fo­to: Tho­mas Ma­this

EKZ-Pi­lot­ver­such in Schlie­ren: Hier kön­nen Elek­tro­au­tos an Stras­sen­la­ter­nen auf­ge­la­den wer­den.

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