Flan­kie­ren­de Vor­schrift für fos­si­les Hei­zen

Wer im Kan­ton Zü­rich sei­ne Öl- oder Gas­hei­zung er­setzt, darf dies nur zu 90 Pro­zent. So sieht es ein Re­vi­si­ons­ent­wurf für das Ener­gie­ge­setz vor.

Zürcher Unterländer - - Zürich - Tho­mas Marth

Wer mit fos­si­len Brenn­stof­fen heizt, soll dies auch künf­tig tun dür­fen. Beim Er­satz der al­ten Ölo­der Gas­hei­zung soll die neue den Ener­gie­be­darf aber nur noch zu 90 Pro­zent de­cken dür­fen. Die ver­blei­ben­den 10 Pro­zent müs­sen aus er­neu­er­ba­rer Qu­el­le stam­men oder ein­ge­spart wer­den. So sieht es die Re­vi­si­on des Ener­gie­ge­set­zes vor, die der Re­gie­rungs­rat bis 19. Ok­to­ber in die Ver­nehm­las­sung ge­schickt hat.

Ei­ne gros­se Rech­ne­rei zur Er­mitt­lung der 10 Pro­zent soll nicht nö­tig sein, sagt Hans­rue­di Kunz, Lei­ter Ab­tei­lung Ener­gie im kan­to­na­len Amt für Ab­fall, Was­ser, Ener­gie und Luft (Awel). Es ist ein Ka­ta­log mit elf mög­li­chen Mass­nah­men vor­ge­se­hen, er­klärt er. Ist ei­ne Mass­nah­me er­füllt, gilt die 10-Pro­zent-Re­gel als ein­ge­hal­ten. Mög­lich sind et­wa die In­stal­la­ti­on von Warm­was­serSon­nen­kol­lek­to­ren auf dem Dach oder auch die Däm­mung des Dachs, der Fas­sa­de oder der Ein­bau iso­lier­ter Fens­ter.

Aber auch neu­ar­ti­ge Heiz­sys­te­men kom­men in­fra­ge, sagt Kunz. So sol­len nächs­tens Öl- und Gas­hei­zun­gen auf dem Mark ge­lan­gen, wel­che mit ei­ner Wär­me­pum­pe kom­bi­niert sind. Im Som­mer heizt ei­ne klei­ne Wär­me­pum­pe mit gu­tem Wir­kungs­grad das Warm­was­ser, im Win­ter sorgt der fos­si­le Teil der Hei­zung für ei­ne an­ge­neh­me Raum­tem­pe­ra­tur.

Et­was Neu­es

Die Vor­schrift stellt in die­ser Form et­was Neu­es dar. Sie ba­siert auf ei­ner der Emp­feh­lun­gen der Schwei­zer Ener­gie­di­rek­to­ren, wie sie in den Mus­ter­vor­schrif­ten der Kan­to­ne im Ener­gie­be­reich von 2014 (MuKEn 2014) zu­sam­men­ge­fasst sind. Für Vor­schrif­ten im Ge­bäu­de­be­reich sind die Kan­to­ne zu­stän­dig. Die MuKEn sol­len für lan­des­weit mög­lichst ein­heit­li­che Bau­vor­schrif­ten sor­gen. 1992 wur­den die ers­ten ver­ein­bart.

Be­trof­fen von der neu­en Vor­schrift wä­ren in ers­ter Li­nie Wohn­ge­bäu­de aus den 1960er­und 1970er-Jah­ren, die noch nie er­neu­ert wor­den sind, er­klärt Kunz wei­ter. Bei Häu­sern mit ei­nem Ge­bäu­de­ener­gie­aus­weis A bis D (die Ska­la reicht bis G) gilt die 10-Pro­zent-Vor­schrift von vor­ne­her­ein als er­füllt. Im Kan­ton Zü­rich sind noch über 120 000 Öl- und Gas­hei­zun­gen in Be­trieb. Kunz schätzt, dass et­wa ein Drit­tel der Wohn­bau­ten von der neu­en Re­gel be­trof­fen wä­re.

Für Neu­bau­ten er­laubt die ak­tu­el­le Ge­setz­ge­bung ei­nen fos­si­len An­teil an der Wär­me­er­zeu­gung von 80 Pro­zent. Al­ler­dings er­hal­ten heu­ti­ge Neu­bau­ten in der Re­gel kei­ne Öl- und Gas­hei­zun­gen mehr, son­dern sind gut ge­dämmt und mit Wär­me­pum­pen aus­ge­stat­tet, die über Erd­son­den tief in den Bo­den rei­chen und ent­spre­chend ef­fi­zi­ent sind. Für Neu­bau­ten soll im Ge­setz neu schlicht vor­ge­schrie­ben wer­den, dass ihr Be­darf an Wär­me und Küh­lung mög­lichst ge­ring sein soll.

Kei­ne Frist für E-Hei­zun­gen

Elek­tro­hei­zun­gen neu zu in­stal­lie­ren, ist be­reits heu­te ver­bo­ten. Nicht in den Re­vi­si­ons­ent­wurf auf­ge­nom­men wur­de ei­ne Frist, in­ner­halb de­ren in Be­trieb ste­hen­de An­la­gen zu er­set­zen sind. Die MuKEn 2014 schla­gen 15 Jah­re vor. Bis 2035, bei ei­nem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes 2020, sei­en oh­ne­hin nun noch we­ni­ge An­la­gen in Be­trieb, sagt da­zu Kunz. Auch auf das Vor­schrei­ben ver­brauchs­ab­hän­gi­ger Heiz­kos­ten­ab­rech­nun­gen in be­ste­hen­den Bau­ten wird ver­zich­tet.

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