Mit­mi­schen im App­le-Uni­ver­sum

237 hie­si­ge Fir­men pro­fi­tie­ren di­rekt von den Auf­trä­gen des US-Tech­kon­zerns. Die Zahl der Schwei­zer Ent­wick­ler be­trägt 28 000.

Zürcher Unterländer - - Wirtschaft - Ra­fa­el Zei­er

App­le hat neue Sta­tis­ti­ken zu den Ar­beits­plät­zen des Kon­zerns ver­öf­fent­licht. Sie zei­gen, wie vie­le Jobs App­le di­rekt oder in­di­rekt über Zu­lie­fe­rer und das Ap­pÖ­ko­sys­tem in Eu­ro­pa ge­schaf­fen hat. Die Ab­sicht da­hin­ter: Das wert­volls­te Un­ter­neh­men der Welt will zei­gen, dass es nicht nur enor­me Ge­win­ne ein­fährt, son­dern auch Drit­te und da­mit die Ge­sell­schaft dar­an teil­ha­ben lässt.

Dem­nach hat App­le in Eu­ro­pa ins­ge­samt 1,76 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen. 1,5 Mil­lio­nen da­von sind auf das App-Sto­reÖ­ko­sys­tem zu­rück­zu­füh­ren, und 170 000 ent­fal­len auf die ge­sam­te eu­ro­päi­sche Zu­lie­fe­rer­ket­te. Bei App­le selbst sind in neun­zehn Län­dern 22000 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt.

Bei den von der Ana­ly­sis Group und dem Pro­gres­si­ve Po­li­cy In­sti­tu­te er­mit­tel­ten Da­ten fällt die Zahl 237 auf. Das ist nicht et­wa die An­zahl Mit­ar­bei­ter, die App­le in der Schweiz be­schäf­tigt, son­dern die An­zahl Schwei­zer Lie­fe­ran­ten und Di­enst­leis­ter, mit de­nen App­le zu­sam­men­ar­bei­tet. Wel­che das sind, was die­se lie­fern oder zum iPho­ne-Kon­zern bei­tra­gen, ist ge­heim. Ein­zig ei­ne eu­ro­pa­wei­te Auf­lis­tung von Zu­lie­fe­rer­jobs gibt An­halts­punk­te, in wel­chen Be­rei­chen die Schwei­zer tä­tig sein könn­ten.

600 Mit­ar­bei­ter zählt App­le in der Schweiz. Das ent­spricht der Zahl von 2016. Da­bei ha­ben in der Zwi­schen­zeit wie­der­holt Mel­dun­gen über ein Zürcher For­schungs­la­bor rund um Bild­ver­ar­bei­tung die Run­de ge­macht. Re­gel­mäs­sig tau­chen auch ent­spre­chen­de Stel­len­in­se­ra­te auf; das letz­te stammt von letz­tem Mon­tag. Wer­den die neu­en Stel­len nicht aus­ge­wie­sen, oder wur­den sie durch an­de­re Ab­gän­ge kom­pen­siert? Auch hier­zu gibt es kei­ne wei­te­ren In­fos.

App-Wirt­schaft wächst

Aus­künf­te gibt der Be­richt hin­ge­gen rund um das iOS-Ap­pÖ­ko­sys­tem und die dar­aus ent­stan­de­nen Jobs. Ge­mäss Stu­die ist in den letz­ten zwei Jah­ren die Zahl der Ar­beits­plät­ze in der eu­ro­päi­schen App-Wirt­schaft um 28 Pro­zent auf rund 1,5 Mil­lio­nen ge­stie­gen. Da­zu steu­ert die Schweiz 28 000 Jobs bei. Vor zwei Jah­ren wies App­le für die Schweiz noch 103 000 Ent­wick­ler aus. Doch an­ders als da­mals soll die Stu­die nun nicht mehr ein­fach bei App­le re­gis­trier­te Ent­wick­ler­kon­ten er­fas­sen, son­dern tat­säch­li­che Jobs rund um Apps. Nut­ze­rin­nen und Nut­zer, die sich als Ent­wick­ler re­gis­triert ha­ben, um an Vor­ab­ver­sio­nen von Soft­ware zu kom­men, wer­den nicht mehr da­zu­ge­zählt.

Über 1,48 Mil­li­ar­den Fran­ken hat App­le ge­mäss ei­ge­nen Aus­sa­gen seit der Lan­cie­rung des App Sto­re 2008 an Schwei­zer Ent­wick­ler über­wie­sen. Ins­ge­samt hät­ten eu­ro­päi­sche Ent­wick­ler welt­weit mehr als 23 Mil­li­ar­den Fran­ken ein­ge­nom­men.

Die Zürcher Ein­kaufs­zet­telApp Bring wur­de 2012 auf iOS lan­ciert. Ein Jahr spä­ter folg­te ei­ne An­dro­id-Ver­si­on. Heu­te ist die ehe­mals kos­ten­pflich­ti­ge App gra­tis, und das Team da­hin­ter ist auf 12 Per­so­nen an­ge­wach­sen. Sie hät­ten da­mals mit iOS an­ge­fan­gen, sagt San­dro Stre­bel, ei­ner der bei­den Grün­der, weil sie mehr Know-how im Be­reich iOS ge­habt hät­ten und es im Start­markt Schweiz wei­ter ver­brei­tet ge­we­sen sei. Heu­te sei es für sie als in­ter­na­tio­nal tä­ti­ges Un­ter­neh­men un­um­gäng­lich, auf bei­den Platt­for­men ver­tre­ten zu sein. Müss­te er heu­te noch­mals ein Pro­jekt star­ten, wür­de er je nach Fall ent­schei­den, auf wel­che Platt­form er zu­erst setzt. Für kos­ten­pflich­ti­ge Spie­le zum Bei­spiel sei iOS die bes­se­re Wahl.

Das be­stä­tigt Mo­ritz Zum­bühl von den Zürcher Blind­flug-Stu­di­os. Er hat mit «First Stri­ke» ei­nen welt­wei­ten Spiel­hit ge­lan­det. Die App gibt es so­wohl für An­dro­id wie iOS. Für ihn hat je­der der bei­den Sto­res sei­ne Stär­ken aber auch Schwä­chen. Geld ver­die­nen las­se sich mit bei­den. Prin­zi­pi­ell emp­fiehlt er auf­stre­ben­den Ent­wick­lern, für App­les App Sto­re auf ei­ne Be­zahl-App zu set­zen und für Googles Play Sto­re auf ei­ne Gra­tis-App mit Wer­bung. Fragt man bei App-Ent­wick­lern nach, die erst am An­fang ste­hen, be­stä­ti­gen sich die Er­fah­run­gen der App-Pro­fis. Ge­ra­de wenn es um neue Tech­no­lo­gi­en geht, wie die Ver­mi­schung der rea­len und der vir­tu­el­len Welt (Aug­men­ted Rea­li­ty, AR), bie­te iOS ak­tu­ell mehr Mög­lich­kei­ten, sagt Sélim Bena­yat vom ETHSpin-off Ro­sie­rea­li­ty.ch. Er und sei­ne sechs Team­kol­le­gen ent­wi­ckeln die App Ro­sie Ro­bot, bei der Kin­der den Um­gang mit AR-Ro­bo­tern und Pro­gram­mie­ren ler­nen. Ei­ne An­dro­id-Ver­si­on der App soll, wenn al­les klappt, aber noch die­ses Jahr fol­gen.

1,48 Mil­li­ar­den Fran­ken hat App­le seit 2008 an Schwei­zer Ent­wick­ler über­wie­sen.

Ei­ne Pflicht für Pro­fes­sio­nel­le

Apps für bei­de Platt­for­men zu pro­gram­mie­ren, sei für haupt­be­ruf­li­che Ent­wick­ler Pflicht, doch für sie als In­for­ma­tik­stu­den­ten, die nur ne­ben­her Apps ent­wi­ckeln, ak­tu­ell kein The­ma, sa­gen Micha­el Stöck­li und Ema­nu­el Hu­ser. Die zwei Lu­zer­ner Ent­wick­ler ha­ben mit ih­rer Fir­ma Ap­fel­apps.ch solAR ei­ne AR-App ent­wi­ckelt, mit der man sei­ne Stu­be zum Pla­ne­ta­ri­um ma­chen kann.

Fo­to: Ca­ro­li­ne Min­jol­le

Der Spiel­hit «First Stri­ke» stammt vom Zürcher Blind­flug-Stu­dio.

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