Nicht rich­tig ver­stan­den

Dop­pel­bür­ger-In­ter­view war ein Feh­ler, sagt Pe­ter Gil­lié­ron, Prä­si­dent im Fuss­ball­ver­band.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Re­né St­auf­fer, Wim­ble­don

Als Ke­vin An­der­son erst­mals den Wim­ble­don­fi­nal er­reicht hat­te, war ihm nicht mehr zum Ju­beln zu­mu­te. Mehr als die Freu­de über sei­nen Sieg be­schäf­tig­te ihn die Nie­der­la­ge sei­nes Geg­ners John Is­ner so­wie die epi­sche Dau­er der Par­tie. «Es war für hart, und es fühlt sich an wie ein Un­ent­schie­den. Aber je­mand muss­te ge­win­nen, und ich füh­le mit John, denn er ist ein gross­ar­ti­ger Kerl.» Er ent­schul­dig­te sich so­gar da­für, dass er nicht mehr Freu­de zei­gen konn­te.

Der Halb­fi­nal zwi­schen den bei­den über zwei Me­ter gros­sen Auf­schlag­s­pe­zia­lis­ten hat­te 6:36 St­un­den be­an­sprucht und war der mit Ab­stand längs­te in der Wim­ble­don-Ge­schich­te. Doch es war ein Re­kord, den kei­ner ha­ben woll­te und der nie­man­dem nütz­te, im Ge­gen­teil. Schon gar nicht An­der­son, der für den Fi­nal­ein­zug 21 St­un­den be­nö­tig­te, da­von mehr als die Hälf­te für sei­ne Fünf­satz­sie­ge ge­gen Ro­ger Fe­de­rer und Is­ner, den er 7:6, 6:7, 6:7, 6:4, 26:24 nie­der­rang. «Ich hof­fe, dass dies ein Si­gnal für die Grand-Slam-Tur­nie­re ist, et­was zu än­dern», sag­te er. Das US Open ist bis­her das ein­zi­ge der vier Ma­jor­tur­nie­re, bei dem auch im Ent­schei­dungs­satz ein Tie­break ge­spielt wird.

«Wir wol­len Ra­fa se­hen!»

Al­lein der fünf­te Satz dau­er­te 2:55 St­un­den, war aber arm an spie­le­ri­schen Hö­he­punk­ten. «Macht schnel­ler, wir wol­len Ra­fa se­hen», war von den Rän­gen zu hö­ren. Und auch: «Wir wol­len kein 70:68!» Mit die­sem Re­sul­tat hat­te Is­ner 2010 in Wim­ble­don den fünf­ten Satz der längs­ten Par­tie der Ten­nis­ge­schich­te ge­won­nen, ge­gen den Fran­zo­sen Ni­co­las Ma­hut. Wä­re er ein Bo­xer, wä­re er am En­de der Par­tie ge­gen An­der­son nur noch in den Sei­len ge­han­gen, und sein Coach Jus­tin Gi­mel­s­tob hät­te wohl er­wo­gen, das Hand­tuch zu wer­fen.

So war An­der­son der ver­dien­te Sie­ger ei­ner Par­tie, in der 102 As­se ge­schla­gen (49:52) und 569 Punk­te aus­ge­spielt wur­den.

Da­von ge­wann er 285, elf mehr als der Ver­lie­rer. Den spek­ta­ku­lärs­ten Punkt si­cher­te sich der Süd­afri­ka­ner im zweit­letz­ten Ga­me, als er aus­rutsch­te, hin­fiel, wie­der auf­stand, in der Not links­hän­dig ei­ne Vor­hand schlug, den Punkt noch ge­wann und kurz dar­auf das ent­schei­den­de Break schaff­te.

Der Ma­ra­thon-Halb­fi­nal wur­de aber auch für Ra­fa­el Na­dal und No­vak Djo­ko­vic zur Pein, de­ren Match sich im­mer wei­ter in den Abend hin­ein ver­schob. Die bei­den ka­men erst um 20 Uhr Lo­kal­zeit ins Sta­di­on, des­sen Dach in­zwi­schen ge­schlos­sen war – im Wis­sen, dass ih­nen nur noch knapp drei St­un­den Spiel­zeit blei­ben wür­de, da in Wim­ble­don nach 23 Uhr aus lo­kal­po­li­ti­schen Grün­den trotz Flut­licht nicht wei­ter ge­spielt wer­den darf (bei Re­dak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be führ­te Djo­ko­vic dank dem Ge­winn des ers­ten Sat­zes).

Is­ners Lei­den

Is­ner hat­te die Chan­ce, als ers­ter Ame­ri­ka­ner seit 2009 (An­dy Rod­dick) in ei­nen Ma­jor­fi­nal vor­zu­stos­sen. Doch so sehr er sich auch ge­gen das Aus stemm­te, so chan­cen­los blieb er im fünf­ten Satz, in dem er zu kei­nem Break­ball kam. Er fühl­te sich nach sei­nem mit Ab­stand bes­ten Gran­dSlam-Tur­nier «schreck­lich». Er ha­be ei­ne schlim­me Bla­se am rech­ten Fuss, «und mei­ne lin­ke Fer­se bringt mich um», sag­te er.

Der Ame­ri­ka­ner, der ver­hei­ra­tet ist und im Herbst erst­mals Va­ter wird, hat­te der Schieds­rich­te­rin scherz­haft vor­ge­schla­gen, bei 24:24 doch ein Tie­break zu spie­len. «Ei­ne Re­ge­län­de­rung ist längst fäl­lig», sag­te er. Die­ses müss­te ja nicht bei 6:6 aus­ge­tra­gen wer­den, «aber 12:12 wä­re ei­ne gu­te Op­ti­on». Dass er er­neut mit ei­nem Re­kord in die Wim­ble­don­ge­schich­te ein­geht, ist für ihn kein Trost. «Ich ha­be al­les ge­ge­ben, dar­auf kann ich stolz sein. Ver­lie­ren stinkt, aber Ke­vin war bes­ser als ich, und im fünf­ten Satz schlug er am bes­ten auf. Hut ab.» Dann muss­te Is­ner ge­hen. Nach ei­ner Urin- muss­te er auch noch ei­ne Blut­pro­be ab­ge­ben.

Die Par­tie der bei­den Aus­sen­sei­ter war auf Wunsch di­ver­ser Fern­seh­an­stal­ten dem Schla­ger­du­ell Na­dal – Djo­ko­vic zeit­lich vor­ge­zo­gen wor­den. Auch sie hat­ten nicht mit ei­nem sol­chen Epos rech­nen kön­nen und dürf­ten durch die Ver­zö­ge­run­gen emp­find­li­che Zu­schau­er­ein­bus­sen er­lit­ten hab

Fo­to: Keysto­ne

Ge­schafft! Nach über sechs­ein­halb St­un­den ist der Ar­beits­tag Ke­vin An­der­sons zu En­de.

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