Swiss­com we­gen un­wah­rer Aus­sa­gen ge­büsst

Die Ver­ga­be der 5G-Mo­bil­funk­li­zen­zen und das über­ar­bei­te­te Fern­mel­de­ge­setz sor­gen für Ner­vo­si­tät un­ter den Te­le­fon­an­bie­tern. Die Markt­füh­re­rin Swiss­com kämpft mit un­lau­te­ren Mit­teln ge­gen den klei­nen Kon­kur­ren­ten Salt.

Zürcher Unterländer - - Wirtschaft - Jon Mett­ler

Beim Mo­bil­funk­an­bie­ter Salt läu­ten En­de März die Alarm­glo­cken: Die Num­mer drei der Schweiz er­hält Hin­wei­se, wo­nach Kon­kur­ren­tin Swiss­com ei­ne Prä­sen­ta­ti­on mit fal­schen Be­haup­tun­gen zu Salt vor­be­rei­te. Dar­in steht, Salt be­zah­le in der Schweiz kei­ne Steu­ern. Wei­ter soll die Fir­ma ei­ne Be­triebs­ge­winn­mar­ge von 49 Pro­zent auf­wei­sen, ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Fran­ken an Di­vi­den­den aus­ge­schüt­tet und sys­te­ma­tisch Ar­beits­plät­ze von der Schweiz nach Frank­reich ver­la­gert ha­ben.

Die In­for­ma­tio­nen in der Prä­sen­ta­ti­on stüt­zen sich an­geb­lich auf ei­nen Be­richt der NZZ und auf ei­nen fran­zö­sisch­spra­chi­gen Blog­ein­trag. Salt ist im Be­sitz des fran­zö­si­schen Un­ter­neh­mers Xa­vier Niel.

Die Ver­ant­wort­li­chen bei Salt wer­den des­halb hell­hö­rig, weil zwei wich­ti­ge Ge­schäf­te an­ste­hen. Für En­de Mai oder An­fang Ju­ni ist ge­plant, dass die Eid­ge­nös­si­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kom­mis­si­on das Ver­ga­be­ver­fah­ren für den neu­en Mo­bil­funk­stan­dard 5G fest­legt. Zu­dem sieht die po­li­ti­sche Agen­da vor, dass sich die Mit­glie­der der na­tio­nal­rät­li­chen Kom­mis­si­on für Fern­mel­de­we­sen im Som­mer über die Re­vi­si­on des Fern­mel­de­ge­set­zes beu­gen. Salt be­fürch­tet, dass Swiss­com bei ih­rer Lob­by­ar­beit die an­de­ren An­bie­ter und de­ren Ak­tio­nä­re als Pro­fi­teu­re dar­stellt, de­nen die Ge­samt­in­ter­es­sen der Schweiz egal sind. Für den klei­nen Mo­bil­funk­be­trei­ber steht viel auf dem Spiel: Im ge­sät­tig­ten Schwei­zer Tele­com­ge­schäft kämpft Salt um Markt­an­tei­le und da­mit um die wirt­schaft­li­che Exis­tenz­be­rech­ti­gung. Die Wei­chen für die Zu­kunft müs­sen des­halb ge­schickt ge­stellt wer­den.

Bei 5G setzt sich Salt da­für ein, dass die Auf­sichts­be­hör­de die Fre­quen­zen den be­ste­hen­den Mo­bil­netz­an­bie­tern zu­teilt. Die Re­gu­la­to­rin be­vor­zugt aber ei­ne Ver­stei­ge­rung. In ei­nem sol­chen Fall wähnt sich Salt ge­gen­über der fi­nanz­star­ken Swiss­com im Nach­teil. Bei der Re­vi­si­on des Fern­mel­de­ge­set­zes schlägt der Bun­des­rat vor, dass die Kon­kur­renz von Swiss­com auch Zu­gang zum Glas­fa­ser­netz des staats­na­hen Be­triebs er­hält.

Salt schickt Swiss­com ei­ne Ab­mah­nung

Vor die­sem Hin­ter­grund lässt Salt dem Rechts­dienst von Swiss­com An­fang April ei­ne Ab­mah­nung zu­stel­len. Ab­sen­der ist die Zürcher An­walts­kanz­lei Brat­schi. Bei­ge­legt ist ei­ne Ab­standsund Un­ter­las­sungs­er­klä­rung. Dar­in for­dert Salt die Mit­be­wer­be­rin mit Hin­weis auf das Bun­des­ge­setz ge­gen den un­lau­te­ren Wett­be­werb auf, um­ge­hend auf die er­wähn­ten Aus­sa­gen über Steu­er­po­li­tik, Di­vi­den­den, Ge­winn­mar­ge und Jobs zu ver­zich­ten. Das gilt auch für Do­ku­men­te und Prä­sen­ta­tio­nen. Ver­stösst die Swiss­com ge­gen die­se Auf­la­gen, muss sie ei­ne Kon­ven­tio­nal­stra­fe von 20 000 Fran­ken pro Wi­der­hand­lung zah­len. Die Markt­füh­re­rin er­hält zwei Ta­ge Zeit, um die Er­klä­rung zu un­ter­schrei­ben und zu­rück­zu­schi­cken. Salt droht mit ei­ner Kla­ge, soll­te der blaue Rie­se das An­ge­bot aus­schla­gen. Die An­walts­kanz­lei Brat­schi er­hält die si­gnier­te Er­klä­rung zu­ge­stellt, da­tiert auf den 6. April und mit zwei Un­ter­schrif­ten von Rechts­be­ra­tern von Swiss­com.

Gross muss des­halb die Ver­wun­de­rung bei Salt sein, als ein Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung von Swiss­com die be­an­stan­de­ten Aus­sa­gen An­fang Ju­ni wie­der­holt. Laut den vor­lie­gen­den Pa­pie­ren han­delt es sich um Heinz Her­ren, Lei­ter In­fra­struk­tur und Netz­wer­ke. An­lass ist ei­ne An­hö­rung der Auf­sicht zum Ver­ga­be­ver­fah­ren von 5G. An­we­send sind ne­ben Heinz Her­ren und Sun­ri­se-Chef Olaf Swan­tee auch Ver­tre­ter von Salt so­wie des Bun­des­amts für Kom­mu­ni­ka­ti­on.

In ei­nem Brief vom 11. Ju­ni for­dert die An­walts­kanz­lei Brat­schi die Swiss­com des­halb auf, die Bus­se von 20 000 Fran­ken zu über­wei­sen und bei al­len an der An­hö­rung an­we­sen­den Per­so­nen die be­an­stan­de­ten Aus­sa­gen rich­tig­zu­stel­len. Er­neut bringt Salt ei­ne Kla­ge­dro­hung ins Spiel, soll­te Swiss­com nicht ein­len­ken.

Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied von Swiss­com dop­pelt nach

Dem Ver­neh­men nach hat die Num­mer eins des Schwei­zer Te­le­fo­nie­markts die Geld­stra­fe be­zahlt. Die Do­ku­men­te zei­gen zu­dem, dass Swiss­com in Schrei­ben an die Auf­sichts­be­hör­de, den Sun­ri­se-Chef und an das Bun­des­amt für Kom­mu­ni­ka­ti­on die Be­haup­tun­gen zu Salt kor­ri­giert hat. Auf An­fra­ge ge­ben sich die Be­tei­lig­ten wort­karg. Salt will die Er­eig­nis­se «we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren». Auch Swiss­com äus­sert sich nicht da­zu.

Ob sich die Schar­müt­zel ge­lohnt ha­ben, ist frag­lich. Die Fern­mel­de­kom­mis­si­on hat An­fang Ju­li ih­ren Ent­scheid über den Zu­gang der Kon­kur­renz zum Swiss­com-Netz ver­tagt. Bei 5G hat die Re­gu­la­to­rin ver­gan­ge­ne Wo­che ent­schie­den, dass die Fre­quen­zen An­fang 2019 mit ei­ner Ver­stei­ge­rung ver­ge­ben wer­den. So­wohl Swiss­com wie auch Salt sind da­mit we­nig zu­frie­den. Die Markt­füh­re­rin be­män­gelt die auf­er­leg­ten Biet­be­schrän­kun­gen. Salt kri­ti­siert, die Be­din­gun­gen für die Auk­ti­on be­vor­zug­ten Swiss­com.

Fo­to: Gi­an Eh­ren­zel­ler (Keysto­ne)

Im Streit um die Zu­tei­lung der neu­en Fre­quen­zen wird mit har­ten Ban­da­gen ge­kämpft.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.