Griez­mann-To­re für die Ewig­keit

Zürcher Unterländer - - Wm 2018 - Da­vid Wie­der­kehr

Auch schlech­te Ver­lie­rer sind Ver­lie­rer,

wird sich An­toi­ne Griez­mann den­ken. Er watscht die mot­zen­den Bel­gi­er mal ganz grund­le­gend ab. De­ren Stür­mer Eden Ha­zard ätz­te nach dem 0:1 im Halb­fi­nal: «Lie­ber ver­lie­re ich mit die­sem Bel­gi­en, als dass ich mit die­sem Frank­reich ge­win­ne.» Oder Go­a­lie Thi­baut Cour­tois: «Frank­reich ver­wer­tet ei­nen Eck­ball und ver­tei­digt nur noch. Sie sind ein An­ti-Fuss­ball­team.»

Re­plik Griez­mann: «Cour­tois spiel­te für At­lé­ti­co und spielt jetzt für Chel­sea. Glaubt er, dass er Bar­ça ist? Ich will den WM-Stern, al­les an­de­re ist mir egal.»

Punkt für Griez­mann. Und Stern für Griez­mann. Denn er wird ihn krie­gen, die­sen Ti­tel. Weil Frank­reich kein An­ti-Fuss­ball­team ist, wie die Bel­gi­er im Frust be­haup­te­ten, son­dern an die­ser WM sehr wohl glänz­te mit of­fen­si­ver Schön­heit – wenn es muss­te. Es ist eben schon so, lie­be Bel­gi­er: Ein Pferd springt nur so hoch, wie es muss.

Frank­reich ge­winnt den Fi­nal, weil es ein­fach bes­ser be­setzt ist als die Kroa­ten. Ge­ra­de im An­griff, ge­ra­de dank Griez­mann. Und dank Ky­li­an Mbap­pé. Herr­je, was hat die­ser jun­ge Kerl Zug! Was ist der schnell! Li­ber­té, Ega­lité, Mbap­pé. Wenn ich für mein Fuss­ball­team ei­nen PSG-Spie­ler wäh­len dürf­te, ich wähl­te je­des Mal ihn und kein Mal Ney­mar.

Frank­reich glänz­te an die­ser WM sehr wohl mit of­fen­si­ver Schön­heit – wenn es denn muss­te.

Frank­reich siegt, weil es ziem­lich schwer zu be­zwin­gen ist.

Dank ei­ner mo­der­nen Ab­wehr und vor al­lem dank Hu­go Llo­ris, ei­nem Tor­hü­ter der Ex­t­ra­klas­se.

Frank­reich setzt sich durch, weil es we­ni­ger mü­de ist als der Geg­ner. Na­tür­lich setzt ein Fi­nal Kräf­te frei, bei ei­nem emo­tio­na­len Team wie den Kroa­ten erst recht. Die an­dert­halb St­un­den, die die­se län­ger auf dem Spiel­feld ver­bracht ha­ben, wer­den sie aber spü­ren. Erst­mals seit 2002 wird der Fi­nal des­halb auch nach 90 Mi­nu­ten ent­schie­den sein.

Ja, Frank­reich tri­um­phiert so­gar trotz Di­dier De­schamps.

20 Jah­re sind ver­gan­gen seit der WM 1998, dem Heim­tri­umph der Equi­pe tri­co­lo­re, und der Geist je­ner Mann­schaft schwebt über der ak­tu­el­len. Vor­ges­tern Don­ners­tag, am 12. Ju­li, jähr­te sich der Fi­nal­tag, je­nes un­er­klär­lich kla­re 3:0 ge­gen mat­te Bra­si­lia­ner. Der Rest der Grup­pen­pha­se war da­mals aber vor al­lem ei­nes ge­we­sen: ein Knorz. Ein 1:0 mit Gol­den Go­al ge­gen Pa­ra­gu­ay, ein Sieg nach Pen­al­tys ge­gen Ita­li­en und ein 2:1 nach Rück­stand ge­gen Kroa­ti­en (ja­wohl, näm­lich!). Vie­le Par­al­le­len al­so zur WM 20 Jah­re spä­ter.

Klar: Griez­mann ist kein Zi­né­di­ne Zi­da­ne, kei­ner der ak­tu­el­len Mann­schaft ist wie Zi­zou. Und na­tür­lich ist auch Griez­mann selbst wohl viel zu we­nig Bar­ça, um je Welt­fuss­bal­ler zu wer­den. Dass die Fran­zo­sen mor­gen ge­win­nen, wird den­noch viel mit ihm zu tun ha­ben. Denn der Stür­mer, bei At­lé­ti­co üb­ri­gens einst Team­kol­le­ge von Cour­tois, wird im Fi­nal so schlag­fer­tig auf­tre­ten wie bei sei­ner Ant­wort an den Bel­gi­er.

Die Zeit für Griez­mann-To­re für die Ewig­keit ist jetzt.

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