Bes­te Stem­me­rin im Land

Alex­an­dra Mei­er aus Wil ist die ers­te Schwei­zer Meis­te­rin im St­ein­he­ben.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Den­nis And­rew Frasch

Ein lau­tes Stim­men­ge­wirr schlägt ei­nem ent­ge­gen, wenn man in Eg­li­sau die Vi­vi-Ko­la-Bar be­tritt. An ei­nem Tisch im In­nen­be­reich sitzt Alex­an­dra Mei­er. Sie hat sich ei­ne der schwar­zen Li­mo­na­den be­stellt und war­tet schon ge­spannt auf den In­ter­view­er. Denn Me­dien­ter­mi­ne sind neu für die 28-jäh­ri­ge Un­ter­län­de­rin. Im Ge­spräch er­zählt sie spä­ter, dass sie zu­erst an ei­nen Scherz dach­te, als sie die An­fra­ge des ZU er­hielt. Doch das Mail des Jour­na­lis­ten war echt.

Rein hel­ve­ti­sche Sport­art

Alex­an­dra Mei­er ist frisch­ge­ba­cke­ne Schwei­zer Meis­te­rin im St­ein­he­ben. Ei­ne Rand­sport­art, die land­läu­fig we­nig be­kannt ist. Das St­ein­he­ben ist aber ei­ne ty­pi­sche Na­tio­nal­turn­dis­zi­plin.

Da­bei hebt man ei­nen 12,5 Ki­lo­gramm schwe­ren St­ein auf ei­ner Hand im Grätsch-Kau­er­stand in den Kni­en bis hoch über den Kopf in ei­ner Art senk­rech­ter Su­per­man-Po­se. Da­bei gibt es ver­schie­de­ne Dis­zi­pli­nen. Bei der Schwei­zer Meis­ter­schaft sind die Re­geln re­la­tiv ein­fach: Wer am meis­ten He­bun­gen schafft, ge­winnt. Mei­er hat­te üb­ri­gens 35 Wie­der­ho­lun­gen. Die Zweit­plat­zier­te schaff­te 27.

Wie ge­nau so ei­ne He­bung aus­zu­se­hen hat, ist ge­naus­tens re­gle­men­tiert. Ein per­sön­li­cher Be­treu­er schaut akri­bisch auf je­de Ein­zel­heit, bei Fal­sch­aus­füh­run­gen gibt es Ab­zü­ge. Passt ei­gent­lich gut zu ei­ner Schwei­zer Sport­art. St­ein­he­ben: Tönt ein­fach und ur­chig, ist aber bis ins letz­te De­tail durch­ge­plant.

Auf­ge­wach­sen ist Mei­er in Wil. Dort lebt sie auch heu­te noch mit ih­ren El­tern. «Ich ha­be ei­ne Bank­leh­re ge­macht in Eg­li­sau. Da­nach ha­be ich noch vier Jah­re dort ge­ar­bei­tet. Mitt­ler­wei­le ver­die­ne ich mei­ne Bröt­chen in Schaffhausen als stell­ver­tre­ten­de Fi­li­al­lei­te­rin. Ne­ben­bei stu­die­re ich zu­dem an der hö­he­ren Fach­schu­le im drit­ten Se­mes­ter», sagt sie. Zu dem Sport ge­kom­men sei sie durch den Turn­ver­ein Ba­sa­din­gen. «Frü­her war ich im TV Wil, durch den Stand­ort­wech­sel der Ar­beit nach Schaffhausen ging es aber zeit­lich nicht mehr auf, dort zu trai­nie­ren.» Al­so ist sie nach Ba­sa­din­gen, wo ih­re zwei Cou­si­nen Mit­glied sind. «Ich ha­be vie­les aus­pro­biert. Ku­gel­stos­sen oder Korb­ball zum Bei­spiel. Mei­ne Cou­si­nen ha­ben mir dann aber das St­ein­he­ben ge­zeigt.»

Schwe­rer, als es aus­sieht

Sieht man sich die Vi­de­os der St­ein­he­ber an, so sieht die Be­we­gung eher un­ge­sund aus. Die Art und Wei­se, wie die Bro­cken ge­ho­ben werden, mu­tet nicht gera­de eben nach emp­feh­lens­wer­ter Er­tüch­ti­gung aus. Mei­er hält je­doch da­ge­gen: «Ich ha­be kei­ne kör­per­li­chen Be­schwer­den. Man muss sich na­tür­lich im­mer gut auf­wär­men und deh­nen. Aus­ser­dem trai­nie­re ich ja nicht ein­fach nur mit dem St­ein, son­dern kräf­ti­ge ge­zielt mei­ne Mus­keln.» Ei­nen spe­zi­el­len Trai­nings­plan hat sie nicht. «Ich trai­nie­re, wenn ich Zeit ha­be und wenn es passt. Die­sen Som­mer hat­te ich viel Stress mit den Prü­fun­gen und konn­te auch nicht re­gel­mäs­sig ins Trai­ning mit dem Turn­ver­ein, des­we­gen ist es gut, dass man beim St­ein­he­ben nicht auf an­de­re an­ge­wie­sen ist.» Das Gan­ze se­he üb­ri­gens auch ein­fa­cher aus, als es sei. «Man braucht Kraft, Aus­dau­er und Ko­or­di­na­ti­on».

Fa­mi­lie und Freun­de ste­hen voll hin­ter der Po­wer­frau. «Sie ha­ben sich rie­sig ge­freut, als ich den Ti­tel ge­won­nen ha­be. Ich den­ke, mei­ne Mut­ter hat spe­zi­ell Freu­de dar­an. Im­mer, wenn ich im Gar­ten trai­nie­re, ver­sucht sie mir An­wei­sun­gen zu ge­ben. Sel­ber pro­biert hat sie es je­doch noch nie.»

Nächs­tes Jahr wird Mei­er wie­der teil­neh­men. Ob sich die Sport­art je in­ter­na­tio­nal durch­set­zen wird, dar­an zwei­felt sie je­doch. «St­ein­he­ben ist lei­der noch nicht so be­kannt. Wenn ich er­zäh­le, dass ich St­ein­he­be­rin bin, sa­gen vie­le Leu­te erst mal: «Ah, cool. St­ein­he­ben. Wie lan­ge kannst du ihn denn hal­ten?»

«Man braucht Kraft, Aus­dau­er und Ko­or­di­na­ti­on.» Alex­an­dra Mei­er, Schwei­zer Meis­te­rin im St­ein­he­ben

Fo­to: PD

Alex­an­dra Mei­er de­mons­triert bei ih­rer Eh­rung vor Urs Rüegg, dem Ge­mein­de­prä­si­den­ten von Wil, ih­re Kraft.

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