Land­wir­te sit­zen im­mer noch auf dem Tro­cke­nen

Auch jetzt im Herbst müs­sen Bau­ern ih­re Fel­der be­wäs­sern. Das be­deu­tet für sie mehr Auf­wand und Kos­ten.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Andrea Söl­di

Den Re­gen­schirm hat man schon lan­ge nicht mehr ge­braucht, und noch im­mer ist der Ge­dan­ke an den Win­ter­man­tel fern. Doch nicht al­le freu­en sich über den mil­den, son­ni­gen Herbst: Für die Land­wir­te geht die lang anhal- Trockenheit lang­sam ins Geld. Im­mer noch müs­sen sie vie­le Kul­tu­ren be­wäs­sern.

Auf dem Ge­mü­se­be­trieb Huber in St­ein­maur zum Bei­spiel wa­ren die­sen Som­mer zwei bis drei Per­so­nen ste­tig mit dem Be­wäs­sern be­schäf­tigt. Noch im­mer müs­se er Lauch- und Rüe­b­li­fel­der giessen, sagt Be­triebs­lei­ter Re­to Huber. Trotz­dem sei­en ei­ni­ge Ge­mü­se we­gen des ste­ti­gen Was­ser­man­gels noch nicht ern­ter­eif. «Die Be­wäs­se­rung ist für uns ein gros­ser Kos­ten­fak­tor», sagt Huber. Ne­ben den Löh­nen für die Be­schäf­tig­ten fal­len Kos­ten für Trink­was­ser an oder Strom­kos­ten für Pum­pen, wenn das Was­ser aus dem Rhein be­zo­gen wird.

Kein Re­gen in Sicht

Und ei­ne Bes­se­rung der Si­tua­ti­on ist vor­der­hand nicht ab­seh­bar. «Wir be­fin­den uns in ei­ner sta­bi­len Hoch­druck­la­ge, die nur lang­ten­de sam ge­gen Os­ten zieht», sagt Mi­le­na Mül­ler von Me­teo­news. Im Wes­ten könn­te es An­fang nächs­ter Wo­che et­was Re­gen ge­ben, im Un­ter­land aber vor­aus­sicht­lich nur we­nig. Im Sep­tem­ber ver­zeich­ne­te die Flug­ha­fen­re­gi­on nur gut die Hälf­te der üb­li­chen Nie­der­schlä­ge, im Ok­to­ber hat es noch kaum ge­reg­net. Die ex­tre­me Trockenheit be­schäf­tigt lang­sam auch die Was­ser­ver­sor­gun­gen.

In der Schweiz gibt es ge­nug Was­ser. Den­noch be­deu­tet die Trockenheit, die sich die­ses Jahr vom Früh­ling über den Som­mer bis in den Herbst hin­ein­zieht, für die Was­ser­ver­sor­gun­gen ei­ne gros­se Her­aus­for­de­rung. «Wir ver­zeich­ne­ten die­ses Jahr Spit­zen­wer­te bei den Was­ser­be­zü­gen», sagt Karl Strick­ler, Be­triebs­lei­ter der Grup­pen­was­ser­ver­sor­gung Furt­tal, der 13 Ge­mein­den im Furt­tal und im un­te­ren Glat­tal an­ge­hö­ren. Sie ha­ben sich zu ei­nem Zweck­ver­band zu­sam­men­ge­schlos­sen, um die Was­ser­ver­sor­gung auch in tro­cke­nen Zei­ten zu ge­währ­leis­ten.

Im Furt­tal ist die Si­tua­ti­on be­son­ders an­ge­spannt: Die Re­gi­on ist kaum mit Grund­was­ser­vor­kom­men ge­seg­net (sie­he Kar­te), und gleich­zei­tig gibt es zahl­rei­che Ge­mü­se­bau­ern, die viel Was­ser be­nö­ti­gen. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ga­ben auch die Quel­len nicht mehr viel her. Be­reits im Fe­bru­ar ha­be man vor­sorg­lich be­gon­nen, grös­se­re Men­gen Fremd­was­ser in die Re­ser­voirs ein­zu­spei­sen, sagt Strick­ler. Die­ses stammt aus dem Zü­rich­see und aus Win­ter­thur, das es aus ei­nem mäch­ti­gen Grund­was­ser­vor­kom­men im Töss­tal be­zieht.

«Wir er­hal­ten stets et­was we­ni­ger Nie­der­schlag als zum Bei­spiel das Ober­land», er­klärt Strick­ler. «We­gen der Lä­gern und des Alt­bergs geht der Re­gen häu­fig an uns vor­bei.» Die­ses Jahr sei es noch ex­tre­mer ge­we­sen. Zwi­schen März und Sep­tem­ber sei der Grund­was­ser­spie­gel um rund 4,5 Me­ter ge­sun­ken – mehr als in an­de­ren tro­cke­nen Jah­ren wie et­wa 2003 und 2015. Die Ver­ant­wort­li­chen ha­ben mit den Land­wir­ten aus­ge­han­delt, wer, wann, wie viel Was­ser be­zie­hen darf. «Wir konn­ten die Lie­fe­run­gen an die Ge­mein­den zwar stets er­fül­len, aber der Auf­wand war aus­ser­or­dent­lich», blickt der Be­triebs­lei­ter auf die letz­ten Mo­na­te zu­rück. Meist er­ho­le sich der Grund­was­ser­pe­gel über den Win­ter wie­der. Die­ses Jahr je­doch ist Strick­ler be­sorgt: «Es müss­te nun end­lich mal wie­der so rich­tig an­hal­tend reg­nen.»

Et­was we­ni­ger dra­ma­tisch tönt es aus Embrach. Bei den bei­den Pump­wer­ken lie­ge der Grund­was­ser­pe­gel im­mer noch 15 bis 60 Zen­ti­me­ter hö­her als 2003, sagt Was­ser­meis­ter Re­to Mei­er. Dies könn­te denn auch da­mit zu­sam­men­hän­gen, dass man da­mals mehr Ver­lus­te ver­zeich­ne­te. Un­ter­des­sen sind vie­le Lei­tun­gen sa­niert wor­den. Im Ver­gleich mit dem Be­zirk Diels­dorf ist Embrach recht gut mit Grund­was­ser ver­sorgt. Zu­dem lei­tet das Em­bra­cher­tal Was­ser aus Bülach her­an, das wie­der­um über die gros­sen Re­ser­ven im Raf­zer­feld ver­sorgt wird. «Wir be­zie­hen be­reits vor­sorg­lich Was­ser, um un­ser Grund­was­ser­vor­kom­men zu scho­nen», er­klärt Mei­er. Zu­dem müss­ten die Lei­tun­gen im­mer gut durch­ge­spült werden.

Zü­rich­see ver­siegt nicht

Dass der Aus­gleich zwi­schen den Ge­mein­den gut funk­tio­niert, ist der Ko­or­di­na­ti­on des Kan­tons zu ver­dan­ken. «Im Kan­ton Zü­rich ist die Trink­was­ser­ver­sor­gung nir­gends ein Pro­blem», sagt Kurt Nyffe­negger vom Amt für Ab­fall, Was­ser, Ener­gie und Luft. Kan­tons­weit stam­men et­wa 40Pro­zent des Trink­was­sers aus dem Zü­rich­see, 20 Pro­zent von Quel­len und 40 Pro­zent aus dem Grund­was­ser. Die Pe­gel der be­deu­ten­den Grund­was­ser­vor­kom­men sin­ken in der Schweiz selbst nach lan­gen Tro­cken­pe­ri­oden nur leicht. In an­de­ren Tei­len der Welt da­ge­gen ver­läuft der Pro­zess kon­ti­nu­ier­lich, so zum Bei­spiel im tro­cke­nen Süd­spa­ni­en, wo ein be­trächt­li­cher Teil un­se­res Ge­mü­ses wächst.

Beim un­ter­ir­di­schen Was­ser hand­le es sich meist um trä­ge Sys­te­me, er­klärt Nyffe­negger. Wäh­rend klei­ne­re Ober­flä­chen­ge­wäs­ser wie et­wa Bä­che im Som­mer schnell aus­trock­nen kön­nen, werden die Grund­was­ser­vor­kom­men, die für die Was­ser­ver­sor­gung be­deu­tend sind, von gros­sen Flüs­sen ge­speist. «Der Zü­rich­see ist zu­dem ein un­er­schöpf­li­ches Re­ser­voir.»

Brun­nen brau­chen we­nig

Trotz­dem ha­ben die­ses Jahr di­ver­se Ge­mein­den in den Be­zir­ken Bülach und Diels­dorf zum Was­ser­spa­ren auf­ge­ru­fen. So zum Bei­spiel Klo­ten. «Es ist für uns teu­rer, wenn wir Was­ser zu­kau­fen müs­sen», be­grün­det Mar­kus Pey­er von den In­dus­tri­el­len Be­trie­ben Klo­ten den Ap­pell. Für die Ver­brau­cher ist der Trink­was­ser­preis stets gleich ge­blie­ben. Wäh­rend Klo­ten in nor­ma­len Jah­ren nur et­wa die Hälf­te aus dem Zü­rich­see be­zog, sei der An­teil die­ses Jahr auf 65 Pro­zent ge­stie­gen – Ten­denz ge­gen 70 Pro­zent, sagt Pey­er. Der Spar­auf­ruf an die Be­völ­ke­rung ha­be kaum spür­ba­re Aus­wir­kun­gen auf den Ver­brauch.

In et­li­chen Ge­mein­den wa­ren zu­dem die öf­fent­li­chen Brun­nen wäh­rend der gröss­ten Hit­ze ab­ge­stellt. Die­se Mass­nah­me sei zwar eher sym­bo­li­scher Art, sagt Karl Strick­ler von der Grup­pen­was­ser­ver­sor­gung Furt­tal, denn im Ver­gleich zur Land­wirt­schaft sei­en die Men­gen bei den Brun­nen ziem­lich klein. «Doch die Leu­te wür­den es nicht ver­ste­hen, wenn wir zum Was­ser­spa­ren auf­ru­fen und bei den Brun­nen gleich­zei­tig rund um die Uhr Was­ser aus den Häh­nen fliesst.»

Fo­to: GIS-Brow­ser

UN­TER­IR­DI­SCHE SE­EN UND WÜS­TEN IM UN­TER­LAND

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