Sich nach Ber­ner Vor­bild hin­set­zen

Zürcher Ge­mein­de­rä­te set­zen sich für bes­se­re Sitz­ge­le­gen­hei­ten ein. Sie for­dern die Stadt auf, sich an Bern ein Bei­spiel zu neh­men. Dort wur­de zu­sam­men mit Al­ter­sund Be­hin­der­ten­ver­bän­den ei­ne neue Bank ent­wi­ckelt.

Zürcher Unterländer - - Zürich - Li­na Gi­us­to

Hin­der­nis­frei­heit und Al­ter­staug­lich­keit: Vie­le der öf­fent­li­chen Sitz­bän­ke in Zü­rich ent­spre­chen die­sen An­for­de­run­gen nicht. Be­son­ders für Se­nio­ren mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät sei das Hin­set­zen oder Auf­ste­hen von den Sitz­bän­ken bei­spiels­wei­se we­gen feh­len­der Arm­leh­nen müh­sam bis un­mög­lich. Des­halb for­dern die grü­nen Stadt­zür­cher Ge­mein­de­rä­te Mo­ni­ka Bät­sch­mann und Mar­kus Kunz zu­sam­men mit zwölf Mit­un­ter­zeich­nen­den den Stadt­rat in ei­nem Pos­tu­lat auf, zu prü­fen, in­wie­fern un­taug­li­che Sitz­bän­ke an­ge­passt oder er­setzt werden kön­nen.

Dies sei not­wen­dig, weil Sitz­bän­ke nicht nur zum Ver­wei­len ein­la­den wür­den. «Sie sind ins­be­son­de­re für Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät wich­tig, wenn sie zum Bei­spiel auf den Bus oder das Tram war­ten oder wenn sie un­ter­wegs zu den öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln sind», schrei­ben die Ge­mein­de­rä­te in ih­rem Pos­tu­lat wei­ter. Zu­dem tra­ge die Mög­lich­keit, sich im öf­fent­li­chen Raum auf­hal­ten zu kön­nen, deut­lich zur Le­bens­qua­li­tät von Se­nio­rin­nen und Se­nio­ren bei.

In ih­rem Vor­stoss ver­wei­sen die grü­nen Ge­mein­de­rä­te auf das Pi­lo­tpro­jekt «Neue Ber­ner Bank» der Stadt Bern. Der Pro­to­typ der neu­en Sitz­bank wur­de im Som­mer 2018 zu­nächst an sie­ben Stand­or­ten in der Haupt­stadt test­wei­se auf­ge­stellt. Zu­dem wur­de die Be­völ­ke­rung zu ih­ren Sit­zer­fah­run­gen be­fragt.

Be­dürf­nis­se va­ri­ie­ren stark

Im Rah­men des Pro­jek­tes «Um­set­zung hin­der­nis­frei­er öf­fent­li­cher Raum» hat sich die Stadt Bern zu­sam­men mit städ­ti­schen Fach­stel­len, Al­ters- und Be­hin­der­ten­ver­bän­den so­wie ei­nem ex­ter­nen De­si­gner an die Ent­wick­lung ei­ner neu­en Sitz­bank ge­macht. Die­se un­ter­schei­det sich fol­gen­der­mas­sen von den bis­he­ri­gen Sitz­ge­le­gen­hei­ten in Bern: Die Sitz­flä­che ist er­höht und die Rü­cken­leh­ne ist stei­ler als bei den her­kömm­li­chen Bän­ken. Für Men­schen mit Seh­be­hin­de­run­gen wur­de zu­dem ei­ne er­tast­ba­re Tra­ver­se auf Bo­den­hö­he in­te­griert. Die «Neue Ber­ner Bank» gibt es mit und oh­ne Arm­leh­ne.

Ge­mäss Ge­samt­pro­jekt­lei­te­rin Pe­tra He­ger wa­ren die Rück­mel­dun­gen zum Pro­to­typ der neu­en Sitz­bank durch­wegs po­si­tiv, den­noch wur­de die Sitz­ge­le­gen­heit hin­sicht­lich Sitz­kom­fort an der Rü­cken­leh­ne noch leicht an­ge­passt: «Es geht dar­um, die Lat­ten der Leh­ne am rich­ti­gen Ort zu po­si­tio­nie­ren, da­mit das Sit­zen an­ge­nehm ist», so He­ger. Es sei schwie­rig, ei­ne Sitz­bank zu ent­wi­ckeln, die der All­ge­mein­heit zu­sagt. «Die Sitz­be­dürf­nis­se va­ri­ie­ren stark», sagt He­ger. Da­bei geht es um die Hö­he der Sitz­flä­che, vor­han­de­ne oder feh­len­de Arm­leh­nen wie auch die Steil­heit der Rü­cken­leh­ne.

Her­aus­for­de­rung Far­be

Auch ei­ne Far­be für die Sitz­bank zu fin­den, sei ei­ne Her­aus­for­de­rung ge­we­sen: «Hel­le Far­ben eig­nen sich nicht für Men­schen mit Seh­be­hin­de­run­gen. Zu­dem muss die Far­be den denk­mal­pfle­ge­ri­schen Vor­ga­ben ent­spre­chen», so He­ger. Die «Neue Ber­ner Bank» gibt es nun in Grau­grün so­wie Blau­grün.

Auf der Ba­sis der Über­ar­bei­tun­gen wird nun der Pro­to­typ der Bank an­ge­passt. Dann soll mit der Se­ri­en­pro­duk­ti­on ge­star­tet werden, so­dass im Früh­ling 2019 – vor­be­halt­lich der Kre­dit­ge­neh­mi­gung – die ers­ten 100 zu­sätz­li­chen Sitz­ge­le­gen­hei­ten in Bern in­stal­liert und wei­te­re 350 be­ste­hen­de Bän­ke auf Plät­zen, in Fuss­gän­ger­be­rei­chen und Grün­an­la­gen er­setzt werden kön­nen.

Wie teu­er das Pro­jekt Sitz­ge­le­gen­hei­ten für die Stadt Bern wird, ist laut He­ger schwie­rig zu be­zif­fern. Die Her­stel­lungs­kos­ten wür­den mass­geb­lich durch die öf­fent­li­che Sub­mis­si­on be­stimmt werden. Der Auf­wand hän­ge zu­dem vom Stand­ort der je­wei­li­gen Bank so­wie den vor Ort not­wen­di­gen Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten für die In­stal­la­ti­on der Sitz­ge­le­gen­hei­ten ab. «Durch­schnitt­lich wird aber ei­ne sol­che Bank zwi­schen 4500 und 5500 Fran­ken kos­ten», sagt He­ger.

«Sitz­bän­ke la­den nicht nur zum Ver­wei­len ein. Sie sind ins­be­son­de­re für Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät wich­tig.»

Aus dem Pos­tu­lats­text

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