Er­do­gan wur­de der Preis zu hoch

Zürcher Unterländer - - Ausland - Chris­tia­ne Sch­löt­zer, Istan­bul

Schon be­vor der ame­ri­ka­ni­sche Pas­tor And­rew Brun­son am Frei­tag zum vier­ten Mal in Iz­mir vor Ge­richt stand, gab es so vie­le Ge­rüch­te über ei­nen po­li­ti­schen De­al zwi­schen An­ka­ra und Wa­shing­ton, dass der Aus­gang des Ver­fah­rens kaum noch über­rascht.

In der Cau­sa Brun­son hat­ten zwar jetzt tür­ki­sche Rich­ter das letz­te Wort. Die Lö­sung des Fal­les, der das ame­ri­ka­nisch-tür­ki­sche Ver­hält­nis so schwer be­las­te­te, aber ist ein Sieg der Di­plo­ma­tie – über die Ir­ra­tio­na­li­tät. Die Kos­ten für die wei­te­re In­haf­tie­rung des Pas­tors wur­den nach den Sank­tio­nen, die US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­häng­te, für die Tür­kei schlicht zu hoch.

Dass Brun­son ei­ne Art Gei­sel war, hat­te Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan im Sep­tem­ber 2017 selbst sug­ge­riert, als er ei­nen Aus- tausch vor­schlug: Brun­son ge­gen den Pre­di­ger Fe­thul­lah Gü­len, der im US-Exil lebt und von Er­do­gan für den ge­schei­ter­ten Mi­li­tär­putsch von 2016 ver­ant­wort­lich ge­macht wird. Wa­shing­ton stell­te klar, dass im USRechts­sys­tem kein Platz für sol­che Ge­schäf­te ist. Die Fra­ge ist aber den­noch: Was hat An­ka­ra be­kom­men für Brun­sons Frei­heit?

Die Tür­ken wür­den zum Bei­spiel ger­ne

wei­ter Gas aus dem Iran im­por­tie­ren, frei von US-Sank­tio­nen, und es gibt wei­te­re Wün­sche.

Der Fall Brun­son war ein Kon­flikt, der so­zu­sa­gen im Schau­fens­ter stand. Da­hin­ter gibt es tie­fe­re Zer­würf­nis­se zwi­schen den bei­den Na­tio­nen, et­wa über die Po­li­tik in Sy­ri­en. Span­nungs­frei dürf­te das Ver­hält­nis zwi­schen Trump und Er­do­gan al­so nicht so­fort wie­der werden.

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