«Viel­flie­ger­na­ti­on auf der An­kla­ge­bank»

Zürcher Unterländer - - Forum - Je­an- Pier­re Schilt­knecht, Zol­li­ker­berg

Zu «Hal­bes Grad mehr ist zu viel» Aus­ga­be vom 8. Ok­to­ber Der Be­richt des Welt­kli­ma­rats IP­CC mahnt un­miss­ver­ständ­lich, dass tief­grei­fen­de und weit schnel­le­re Ve­rän­de­run­gen nö­tig sind, um die Erd­er­wär­mung auch nur zu ver­lang­sa­men. Die Fol­gen der welt­wei­ten Er­wär­mung seit Be­ginn des in­dus­tri­el­len Zeit­al­ters um +1 Grad sind all­ge­gen­wär­tig. Mit +2 Grad ist die Schweiz dem Kli­ma­wan­del be­son­ders ex­po­niert. Da­her ist es gera­de­zu zy­nisch, wenn die Avia­tik­lob­by­is­ten im­mer wie­der ver­su­chen, die Phy­sik mit Sonn­tags­re­den zu über­lis­ten. Der schwei­ze­ri­sche Luft­ver­kehr ist auf­grund des Mul­ti­pli­ka­ti­ons­fak­tors EWF (Emis­si­on Weight­ing Fac­tor) ge­mäss IP­CC-Be­rech­nungs­me­tho­de des Glo­bal War­ming Po­ten­ti­al (GWP) we­gen der Schad­stoff­ab­la­ge­rung in gros­sen Hö­hen be­reits der gröss­te Ver­ur­sa­cher des Kli­ma­wan­dels un­se­res Lan­des. Mit ei­nem Kli­ma­ef­fekt des Luft­ver­kehrs, der 2030 rund 50 Pro­zent über dem To­tal beim üb­ri­gen Ver­kehr zu lie­gen kommt, wird die schwei­ze­ri­sche Luft­fahrt das gan­ze Emis­si­ons­bud­get des Pa­ri­ser Ab­kom­mens be­reits ab­sor­biert ha­ben. Die Haupt­ver­ant­wor­tung für die­sen apo­ka­lyp­ti­schen Zu­stand oh­ne Ke­ro­sin-, CO2- und Mehr­wert­steu­er ist beim Bun­des­rat zu su­chen, der mit zwei El­len misst und den Luft­ver­kehr von al­len steu­ern­den Mass­nah­men aus­klam­mert.

In der Ver­ant­wor­tung ste­hen aber auch all je­ne sorg­lo­sen Viel­flie­ger, die im Durch­schnitt 5,5mal pro Jahr zu Dum­ping­prei­sen in die Luft stei­gen (dop­pelt so viel wie un­se­re Nach­barn) und da­bei rund 10 000 Ki­lo­me­ter ver­flie­gen. Dass die Fol­gen ih­res Han­delns vor al­lem die­je­ni­gen 95 Pro­zent der Erd­be­völ­ke­rung tref­fen, die noch nie ein Flug­zeug be­tre­ten ha­ben, lässt sie of­fen­bar kalt.

Es ist höchs­te Zeit, dass die Schweiz in der Be­sei­ti­gung der Steu­er­be­frei­un­gen des Luft­ver­kehrs im Al­lein­gang ei­ne Vor­rei­ter­rol­le über­nimmt. Die nicht ge­deck­ten Um­welt­kos­ten dür­fen nicht wei­ter der All­ge­mein­heit an­ge­las­tet blei­ben. Ein Preis­auf­schlag von 50 bis 100 Pro­zent auf die heu­ti­gen Tief­prei­se ent­spricht dem hö­he­ren Preis- und Lohn­ni­veau in der Schweiz. Kein zu­ge­wan­der­tes Un­ter­neh­men wür­de des­halb die Stand­ort­vor­tei­le der Schweiz ab­ge­ben.

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