Weit ge­reis­ter Bass­ba­ri­ton

Yves Brüh­wi­ler war be­reits in Asi­en auf Tour­nee. Nun singt er in Re­gens­dorf.

Zürcher Unterländer - - Vorderseite - Kat­ar­zy­na Su­bo­ti­cki

Der Ver­ein Le­ben­di­ges Re­gens­dorf war­tet für sein Ad­vents­kon­zert am 2. De­zem­ber in der re­for­mier­ten Kir­che mit dem Kam­mer­or­ches­ter Re­gens­dorf so­wie ei­nem hei­mi­schen Gast auf: Der Bass­ba­ri­ton Yves Brüh­wi­ler ist in Re­gens­dorf und Bop­pel­sen auf­ge­wach­sen. In «Mond­nacht» wird er mit dem Orches­ter Lie­der von Jo­han­nes Brahms, Ed­vard Grieg, Franz Schu­bert und Ro­bert Schu­mann auf­füh­ren. Der 27-Jäh­ri­ge tritt das ers­te Mal in die­ser Kon­stel­la­ti­on auf, die ers­te mu­si­ka­li­sche Rück­kehr ins Furt­tal ist es aber nicht – so kam der ge­mein­sa­me Auf­tritt über­haupt zu­stan­de.

«Ich ha­be vor ei­nem Jahr an der Or­gel­nacht in Däl­li­kon ge­sun­gen, und Alain Schu­del, ei­ner der mu­si­ka­li­schen Lei­ter des Kam­mer­or­ches­ters, hat mich dort ge­hört», sagt Brüh­wi­ler. Das Ad­vents­kon­zert sei the­ma­tisch kein sol­ches, auch wenn es zur Jah­res­zeit pas­se: «Es geht um Nacht und Stil­le, Ster­ne und Mond. Zu hö­ren gibt es Wer­ke aus der Ro­man­tik; ich fin­de, man be­kommt ei­nen schö­nen Ein­blick in das Schaf­fen der Kom­po­nis­ten die­ser Zeit.»

«Die Welt steht ei­nem of­fen»

Letz­tes Jahr schloss Brüh­wi­ler sei­nen Mas­ter an der Zürcher Hoch­schu­le der Küns­te (ZHDK) ab. Der schwie­ri­ge­re Teil für sei­ne Lauf­bahn ha­be da­nach an­ge­fan­gen, fin­det er: «Die Welt steht ei­nem so­zu­sa­gen of­fen, man ist auf sich al­lein ge­stellt und muss sich be­haup­ten.» Dies scheint ihm zu ge­lin­gen. Ne­ben re­gel­mäs­si­gen So­lo­auf­trit­ten ist Brüh­wi­ler Chor­zu­zü­ger am Opern­haus Zü­rich und Kern­mit­glied der Zürcher Sing-Aka­de­mie. Mit die­ser war er auf Tour­nee in Chi­na, Tai­wan und im Li­ba­non.

Die Re­ak­tio­nen auf die Auf­trit­te sei­en sehr kul­tur­ab­hän­gig ge­we­sen. «Im chi­ne­si­schen Kun­ming ist die eu­ro­päi­sche Chor­kul­tur nicht wirk­lich be­kannt. Die Be­su­cher konn­ten kaum ru­hig sit­zen.» Da­für ha­be der Event selbst mehr In­ter­es­se ge­weckt. «Al­le woll­ten Fo­tos von uns ma­chen.» Das Pu­bli­kum in Tai­wan sei hin­ge­gen sehr auf­merk­sam ge­we­sen und ha­be gros­se Freu­de an der Mu­sik ge­habt. «Und ich war über­rascht, wie west­lich Tai­wan ist. Of­fi­zi­ell ist die In­sel ja ein Teil von Chi­na, aber die Kul­tur ist viel of­fe­ner. Die Men­schen sind sehr of­fen, spre­chen Eng­lisch, und es herrscht ein all­ge­mein freund­li­ches Kli­ma. Man sieht, dass das Land ver­sucht, ei­ne De­mo­kra­tie zu le­ben.»

Ins nä­he­re Aus­land ver­schlägt es Yves Brüh­wi­ler auch als So­lis­ten. Dass er den klas­si­schen Ge­sang zum Be­ruf ma­chen könn­te, rea­li­siert er erst nach der Ma­tu­ra. «Mit 19 stand ich für ei­ne Ope­ret­te erst­mals auf der Büh­ne. Es hat mich so ge­packt, dass ich mich nach ei­nem gu­ten Ge­s­angs­leh­rer er­kun­dig­te. In mei­ner ers­ten Stun­de sag­te die Leh­re­rin zu mir: ‹Ja, du wirst Sän­ger›», er­in­nert er sich. «Ab da war es für mich klar, ich ha­be die­se Be­stä­ti­gung für den Schritt ge­braucht.» In der Oper Fuss zu fas­sen, ist ein nächs­tes Ziel.

Mu­sik der letz­ten 500 Jah­re

Brüh­wi­ler ver­mei­det bei sei­ner Ar­beit ei­ne Spe­zia­li­sie­rung auf ge­wis­se Kom­po­nis­ten. «Grund­sätz­lich ma­chen wir Mu­sik aus den letz­ten 500 Jah­ren, und was so lan­ge über­lebt hat und wei­ter auf­ge­führt wird, ist so­wie­so ‹best of›. Man merkt, wie viel drin­steckt, so­bald man sich mit ei­nem Stück nä­her be­fasst.»

Wich­tig ist ihm ne­ben der Oper der Lied­ge­sang. «Die­ser ist im Ge­gen­satz zur Oper, die man mit Orches­ter singt, im klei­ne­ren Rah­men, mit ei­nem Sän­ger und Kla­vier.» Klei­ne Ges­ten, Nuan­cen des Texts und die Ge­schich­te dar­in stün­den da im Zen­trum. Das Kon­zert mit dem Kam­mer­or­ches­ter sei ei­ne Misch­form: «Es ist Lied­ge­sang, aber mit Orches­ter. Die Stü­cke wur­den ur­sprüng­lich für den Lied­ge­sang ver­fasst, und ein Ar­ran­geur kom­po­nier­te sie um, da­mit das Kam­mer­or­ches­ter sie spie­len kann.» «Mond­nacht»: Kon­zert des Kam­mer­or­ches­ters Re­gens­dorf mit Yves Brüh­wi­ler; Sonn­tag, 2. De­zem­ber, 17 Uhr, re­for­mier­te Kir­che Re­gens­dorf.

Fo­to: Si­byl­le Mei­er

Bass­ba­ri­ton Yves Brüh­wi­ler kehrt mit Brahms, Grieg und Schu­bert heim in die Kir­che Re­gens­dorf.

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