«Die Ra­batt­schlach­ten sind ein Alb­traum»

Zürcher Unterländer - - Samstag Extra - Fa­bi­an.bol­ler@zu­on­line.ch

Vor kur­zem er­wach­te ich schweiss­ge­ba­det in mei­nem Bett. Ich hat­te ei­nen Alb­traum: Ich war auf der Su­che nach ei­nem ganz be­stimm­ten Pro­dukt, durf­te es aber nur zum re­gu­lä­ren Preis er­ste­hen. Doch wo auch im­mer ich hin­ging, war der Ar­ti­kel her­ab­ge­setzt. Schnell er­fuhr ich, dass der Ra­batt­tag für Al­lein­ste­hen­de, der Sin­gles Day, dar­an schuld ist. Da­bei bin ich doch seit Jah­ren ver­hei­ra­tet!

«Wie­so nicht das Preis­ni­veau ins­ge­samt nach un­ten kor­ri­gie­ren? Von fai­ren Prei­sen wür­den der Han­del und die Kon­su­men­ten pro­fi­tie­ren.»

Ei­ni­ge Ta­ge spä­ter, am Black Fri­day, wa­ren die Aus­sich­ten noch düs­te­rer. Ich hat­te kei­ne Chan­ce, wo ich auch hin­ging, spran­gen mir Pro­zent­schil­der ins Ge­sicht. Al­so mach­te ich mich am Mon­tag er­neut auf die Su­che, und ich er­fuhr, dass nun Cy­ber Mon­day sei und die Ra­batt­schlacht noch lan­ge nicht zu En­de. Da­nach mach­ten mir die De­zem­ber­ak­tio­nen ei­nen Strich durch die Rech­nung und schliess­lich der Aus­ver­kauf im Ja­nu­ar. Zum Glück er­wach­te ich end­lich.

Spass bei­sei­te, auf den ers­ten Blick ist es gar nicht so schlecht, wenn man sich vor Ra­bat­ten und Ak­tio­nen nicht mehr ret­ten kann. Das Pro­blem: Die Kon­su­men­ten ge­wöh­nen sich an den Preis­nach­lass und sind nicht mehr be­reit, über­haupt noch Pro­duk­te zum «nor­ma­len» Preis zu kau­fen. So ist der Han­del ge­zwun­gen, im­mer wei­te­re Ra­batt­ta­ge und Ak­tio­nen ins Le­ben zu ru­fen – ein Teu­fels­kreis.

Pa­ra­do­xer­wei­se ist die Schweiz aber noch im­mer ei­ne Hoch­preis­in­sel. Fast al­le Pro­duk­te sind im Aus­land viel bil­li­ger zu er­ste­hen. Schuld sind nicht un­se- re ho­hen Löh­ne und Mie­ten, son­dern die Im­port­be­din­gun­gen. Wie wä­re es al­so, wenn statt der ewi­gen Ra­batt­schlacht ein­fach das Preis­ni­veau ins­ge­samt nach un­ten kor­ri­giert wür­de? Schluss mit Im­port­kar­tel­len und her mit mehr Wett­be­werb und güns­ti­gen Par­al­lel­im­por­ten! Denn von fai­ren Prei­sen wür­den am En­de bei­de pro­fi­tie­ren: der Han­del und die Kon­su­men­ten. Und der be­rühmt­be­rüch­tig­ten Geiz-ist-geil-Men­ta­li­tät könn­te da­durch et­was Ein­halt ge­bo­ten wer­den.

Mei­ne Shop­ping-Alb­träu­me hät­ten da­mit auf je­den Fall ein En­de. Stel­len Sie sich vor, Sie ge­hen ein­kau­fen, kein ein­zi­ges Ra­batt­schild in Sicht, und trotz­dem sind die an­ge­schrie­be­nen Prei­se völ­lig in Ord­nung. So sieht zu­min­dest für mich das Ein­kaufs­pa­ra­dies aus.

Fa­bi­an Bol­ler Re­dak­tor

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