«Gift für die Men­schen­rech­te»

Zürcher Unterländer - - Forum - Hans-Pe­ter Hub­mann, Schnei­sin­gen

Wenn Sie mit ei­nem Streit­fall bis vor Bun­des­ge­richt ge­lan­gen und dort ver­lie­ren, dann kön­nen Sie den Fall an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EUGH) wei­ter­zie­hen. Die­ses Recht will die SVP mit ih­rer «Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve» ab­schaf­fen. Am EUGH ent­schei­den nicht et­wa «frem­de Rich­ter» über schwei­ze­ri­sche An­ge­le­gen­hei­ten, wie die SVP dies be­haup­tet. Der EUGH prüft wie je­de hie­si­ge über­ge­ord­ne­te In­stanz, ob be­ste­hen­des Schwei­zer Recht ent­spre­chend der ei­ge­nen Ge­setz­ge­bung an­ge­wen­det wur­de. Da die Schweiz kein Ver­fas­sungs­ge­richt hat, wel­ches die­se Auf­ga­be über­näh­me, sind die EMRK und der EUGH wich­tig für die Wah­rung der Men­schen­rech­te in der Schweiz.

Das hat schon ver­schie­de­nen Men­schen zum Recht ver­hol­fen. Der Ehe­frau des As­best-Op­fers, des­sen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che vom Ar­beits­ge­richt «we­gen Ver­jäh­rung» ab­ge­lehnt wor­den wa­ren. Oder der jun­gen Frau, die mit 17 in ein Frau­en­gefäng­nis ge­steckt wor­den war, weil sie schwan­ger wur­de. Oder dem West­schwei­zer Jour­na­lis­ten, des­sen Do­ku­men­ta­ti­on über die Hal­tung der Schweiz zu Na­zi­deutsch­land un­ge­rech­ter­wei­se zen­su­riert wor­den war. Oder ganz ein­fach den Ap­pen­zel­ler Frau­en, die dank der EMRK end­lich das ih­nen zu­ste­hen­de Stimm- und Wahl­recht er­hiel­ten.

Aber nicht nur für die Men­schen­rech­te wä­re die SBI Gift, son­dern auch für un­se­re in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen. Die Schweiz ist kei­ne Gross­macht. Sie kann ih­re In­ter­es­sen nicht ein­sei­tig durch­set­zen. Da­her ist sie stark an in­ter­na­tio­na­len Stan­dards und Ver­ein­ba­run­gen in­ter­es­siert. Und dar­an, dass sie die­se im Kon­flikt­fall vor ei­nem in­ter­na­tio­na­len Ge­richt durch­set­zen kann. Ge­mäss Eco­no­mie­su­is­se wür­de ei­ne An­nah­me der SBI da­zu füh­ren, dass die Schweiz die Bi­la­te­ra­len I kün­di­gen und schon bald über ei­nen WTO -Aus­tritt ent­schei­den müss­te. Hun­der­te von be­ste­hen­den Wirt­schafts­ab­kom­men wä­ren be­trof­fen – ein Su­per-GAU für die Schweiz als Ex­port­na­ti­on. Wem Men­schen­rech­te und Ar­beits­plät­ze in der Schweiz wich­tig sind, muss die «Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve» ab­leh­nen.

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