Saf­nern hat Glück, Or­pund Pech

Die Un­ter­schie­de bei den Netz­ge­büh­ren kön­nen meh­re­re Hun­dert Fran­ken aus­ma­chen.

Zürcher Unterländer - - Wirtschaft - Val

Die be­nach­bar­ten Ge­mein­den Or­pund und Saf­nern bei Biel sind von der Geo­gra­fie her ein­an­der ähn­lich. In Saf­nern ha­ben die

Be­woh­ner Glück. Dort zahlt ein Vier­per­so­nen­haus­halt 313 Fran­ken pro Jahr Netz­ge­bühr. In Or­pund kos­tet sie 518 Fran­ken. Im güns­ti­gen Saf­nern sind die Ge­mein­de­wer­ke der Strom­ver­tei­ler. In Or­pund hin­ge­gen ver­tei­len die BKW die En­er­gie. Die Ge­mein­de­wer­ke ar­bei­ten selbst­tra­gend, die BKW müs­sen den Ak­tio­nä­ren, dar­un­ter dem Kan­ton Bern, Ge­win­ne lie­fern.

Die El­com be­rech­ne­te ei­nen Mit­tel­wert für Ge­mein­den wie Or­pund und Saf­nern, wo die Be­trei­ber ein länd­li­ches Netz mit we­nig Haus­hal­ten pro Lei­tung be­die­nen. Die­ser Mit­tel­wert be­trägt 381 Fran­ken für ei­nen vier­köp­fi­gen Haus­halt und ist auf der El­com-Web­site pu­bli­ziert. Das heisst, dass die Ge­mein­de­wer­ke Saf­nern güns­tig sind und die BKW mit 120 Fran­ken weit über dem Durch­schnitt.

Ei­ne Wahl ha­ben die Or­pun­der nicht, denn sie müs­sen die En­er­gie vom lo­ka­len Mo­no­po­lis­ten be­zie­hen. Oben­drauf kom­men die Ener­gie­kos­ten, Steu­ern und Ab­ga­ben. Die gan­ze Strom­jah­res­rech­nung macht in Or­pund 1100 Fran­ken aus, in Saf­nern bloss 740 Fran­ken.

Sol­che Un­ter­schie­de zwi­schen Nach­bar­ge­mein­den fin­det man in vie­len Kan­to­nen. Mit der ge­plan­ten Strom­li­be­ra­li­sie­rung Do­ris Leuthards hät­ten die Or­pun­der zwar die Wahl, die En­er­gie von be­lie­bi­ger Sei­te ein­zu­kau­fen. Die Netz­ge­bühr aber wer­den sie wei­ter­hin den BKW schul­den.

So ste­hen die BKW un­ter Er­klä­rungs­druck. Sie ant­wor­ten, der Ver­gleich von Or­pund mit Saf­nern sei un­fair. Ih­re Netz­ge­bühr müs­se im ge­sam­ten Ver­sor­gungs­ge­biet der rund 400 Ge­mein­den gleich sein, von den Al­pen bis in den Ju­ra. Ei­ni­ge Ge­bie­te sei­en be­son­ders teu­er in der Er­schlies­sung, an­de­re nicht. Ver­rech­net wer­de der Durch­schnitt. «Al­le Haus­hal­te be­zah­len so­li­da­risch fürs Netz, egal ob die To­po­gra­fie am Wohn­ort ein­fach oder an­spruchs­voll ist.» Die Ge­mein­de­wer­ke Saf­nern hät­ten die­ses Pro­blem nicht. So kön­ne ih­re Netz­ge­bühr tief sein.

An­ders se­hen es die Ener­gie­po­li­ti­ker. «Was die BKW im Mo­no­pol der Strom­ver­tei­lung leis­ten, ist sehr dis­ku­ta­bel», sagt SP-Frak­ti­ons­chef Nord­mann. Deut­li­cher wird CVPNa­tio­nal­rat Mül­ler-Al­ter­matt (SO). «Es geht nicht an, dass man durch das Mel­ken der im Strom­mo­no­pol ge­fan­ge­nen Kun­den his­to­risch be­ding­te Wett­be­werbs­vor­tei­le zu­sätz­lich aus­nützt». Die BKW weh­ren sich ge­gen den Vor­wurf, dass sie auf Kos­ten ih­rer Kun­den Pro­fit­ma­xi­mie­rung mit der Netz­ge­bühr be­trei­ben wür­den. «Das ist falsch», sagt ein Spre­cher. Die Be­wer­tung des Strom­net­zes ent­spre­che dem ef­fek­ti­ven Wert. «Sie ist von der Auf­sichts­be­hör­de ge­prüft und an­er­kannt wor­den».

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