Pa­ris Saint-Ger­main wähl­te Spie­ler nach ih­rer Haut­far­be aus

Zürcher Unterländer - - Sport - Pa­trick Ober­li

Yann Gbo­ho ist der bril­lan­te Spiel­ma­cher der fran­zö­si­schen U-18-Aus­wahl. Trotz­dem woll­te ihn der Spit­zen­club Pa­ris Sain­tGer­main nicht auf­neh­men, als er 13 Jah­re alt war. Nicht we­gen feh­len­den Ta­len­tes – son­dern we­gen sei­ner schwar­zen Haut­far­be.

Das war 2014. Die Nach­richt ver­brei­te­te sich in­ner­halb des Ver­eins, die Mit­ar­bei­ter re­bel­lier­ten. Aber das Ma­nage­ment konn­te die Sa­che un­ter dem De­ckel hal­ten. Dank Foot­ball Leaks kommt die ras­sis­ti­sche Re­kru­tie­rungs­pra­xis des Pa­ri­ser Top­ver­eins nun doch noch ans Licht.

Bis zum Früh­ling die­ses Jah­res wies PSG Spie­ler­ver­mitt­ler wei­ter­hin an, Spie­ler nach ih­rer Her­kunft in vier Ka­te­go­ri­en ein­zu­tei­len: Fran­zo­sen, Nord­afri­ka­ner, Schwarz­afri­ka­ner und West­in­der. PSG führ­te die eth­ni­sche Fi­chie­rung mit dem er­klär­ten Ziel, die Kon­tin­gen­te der Ju­gend­mann­schaf­ten des Clubs «aus­zu­glei­chen».

Ein Mix auf An­wei­sung

In den Foot­ball Leaks fin­det sich das Pro­to­koll ei­ner Sit­zung vom März 2014, als je­ne PSG-Mit­ar­bei­ter zu­sam­men­ka­men, die für die Nach­wuchs­ar­beit zu­stän­dig sind. Ge­gen En­de des Tref­fens sprach ein Mit­ar­bei­ter den Spie­ler Yann Gbo­ho an. Der Scou­ting-Lei­ter von PSG ant­wor­te­te laut Pro­to­koll, er wol­le nicht zu­rück auf die­ses «The­ma» kom­men. Es ge­be ein Pro­blem mit der Ori­en­tie­rung des Ver­eins, ei­ne ba­lan­cier­te Mi­schung sei nö­tig, es ge­be «zu vie­le West­in­der und Afri­ka­ner in Pa­ris».

Es sei ei­ne An­wei­sung des Ma­nage­ments, auch nach Her­kunft der Spie­ler zu schau­en. Es sei doch scha­de, wenn man im­mer nur die glei­chen Pro­fi­le von Spie­lern fin­den wür­de, wie sie es schon ge­nug in Pa­ris ge­be.

Em­pö­rung und Straf­an­zei­ge

Meh­re­re Scouts be­stä­tig­ten die ras­sis­ti­sche Pra­xis ge­gen­über dem fran­zö­si­schen On­lin­e­por­tal «Me­dia­part»: «Wir such­ten nach Spie­lern, die das Ni­veau der Spiel­in­tel­li­genz er­hö­hen. Und wenn man in ei­ner Grup­pe von 23 Men­schen 20 Schwar­ze hat, kann die Be­treu­ung schwie­rig wer­den», sag­te ei­ner. Ab­ge­se­hen vom of­fen­sicht­li­chen Ras­sis­mus: In Frank­reich ist es ver­bo­ten, oh­ne Ein­ver­ständ­nis per­sön­li­che Da­ten zu sam­meln, die Auf­schluss über die Her­kunft ge­ben.

Ein an­de­rer Scout sag­te dem Jour­na­lis­ten­netz­werk EIC, das die Aus­wer­tung der Foot­ball Leaks ko­or­di­niert hat: «Das Ma­nage­ment in Pa­ris hat ge­or­dert, es soll­ten eher weis­se als schwar­ze Spie­ler ge­nom­men wer­den.»

Auf An­fra­ge des EIC be­stä­tig­te ein PSG-Spre­cher, es sei «ei­ne Po­li­tik der eth­ni­schen In­de­xie­rung vom Ver­ein im­ple­men­tiert wor­den». Da­bei sei­en auch «For­mu­la­re mit il­le­ga­lem In­halt» ge­nutzt wor­den. Al­ler­dings sei dies im Ge­hei­men ge­sche­hen, und das Ma­nage­ment des Clubs ha­be da­von nichts ge­wusst.

Die Ent­hül­lun­gen rund um PSG sorg­ten in Frank­reich für öf­fent­li­che Em­pö­rung. Ei­ne Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen reich­te Straf­an­zei­ge ein und die fran­zö­si­sche Li­ga kün­dig­te ei­ne Un­ter­su­chung an.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.